12 Mai 2008, 09:26
Pfingsten und die Herausforderung des Islam
 
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Die Christen in Deutschland haben bisher nur unzureichend auf den Islam reagiert. Von Christine Schirrmacher

Bonn (www.kath.net / idea)
Rund 20 Millionen Muslime leben in Westeuropa, 3,5 Millionen in Deutschland. Die Zahlen steigen, mehrere Großmoscheen sind im Bau. Der islamische Religionsunterricht wird flächendeckend kommen. Vier islamische Dachverbände schlossen sich 2007 zum „Koordinationsrat der Muslime in Deutschland“ zusammen.

Folgt die Gründung einer islamischen Partei? Wird Europa in 100 Jahren mehrheitlich muslimisch sein? Der Beginn der Gastarbeitermigration liegt fast 50 Jahre zurück – wie haben Christen reagiert? In vielen Bereichen leider gar nicht.

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1. Nur ganz wenige Kirchen und Gemeinden haben sich bisher in Richtung der Muslime in Bewegung gesetzt. Anstatt ihnen die beste Botschaft von allen zu bringen, haben Christen in Gleichgültigkeit die zugewanderten Muslime sich selbst überlassen. Viele kommen aus verschlossenen Ländern, manche sind traumatisiert und verzweifelt, andere auf der Suche nach Hoffnung – wo finden sie sie? In der säkular-liberalen Gesellschaft jedenfalls meistens nicht.

2. Zu oft wurde der politische Anspruch des Islam ausgeblendet. Christen meinten viel zu oft, sich aus aller Politik heraushalten und in die eigene Gemeinde zurückziehen zu müssen. Die Demokratie aber lebt von ihren politisch engagierten Bürgern. Es gilt heute mehr denn je, christliche Werte in die gesellschaftlichen Debatten und politischen Entscheidungsgremien einzubringen, wenn sich Kräfte stark machen, die z. B. das Schariarecht durchsetzen wollen.

3. Noch zu wenig wird der ganzheitliche Anspruch des Islam verstanden, alle Bereiche des Lebens zu regeln. Und der christliche Glaube? Soll er nicht auch unser Familien- und Berufsleben, unseren Alltag und unser politisches Engagement prägen? Ein neues Bewusstsein ist dafür nötig.

4. Die missionarische Kraft des Islam wird unterschätzt. Zu viele Christen glauben noch immer, der Islam sei nicht attraktiv, zumindest nicht für Frauen. In unserer orientierungslosen Gesellschaft gewinnt der Islam jedoch viele Sinn- und Haltsuchende als Konvertiten, auch unter den Töchtern christlicher Elternhäuser. Warum?

Selbstbewusstsein und Stärke

Für Muslime ist es eine schiere Selbstverständlichkeit, ihre Religion als die beste von allen zu betrachten. Kaum jemand schämt sich, das auch auszusprechen. Hier könnten Christen von Muslimen viel lernen – und selbstverständlich und freundlich die besonderen Schätze des christlichen Glaubens neu erläutern.

Gott, der Vater, bietet seinen Kindern Gewissheit der Vergebung, Freundschaft, Versöhnung und das ewige Leben an – hoffentlich haben Christen viel dazu zu sagen. Die Trennung von Kirche und Staat, die Vorzüge der Demokratie, der Religionsfreiheit und Gleichberechtigung sind ebenfalls Themen für respektvolle, engagierte Gespräche.

Eindeutige Aufgaben

Im Islam werden Männern und Frauen, Muslimen und Nichtmuslimen eindeutige Rollen und Aufgaben zugewiesen. Klar wird definiert, was richtig und falsch, schwarz und weiß, verboten und erlaubt ist. Im Zeitalter der Beliebigkeit eine echte Herausforderung an Christen, ihren Glauben für sich und andere wieder konkret, klar definiert und fassbar werden zu lassen. Sprachfähigkeit und Überzeugtsein sind gefragt, wenn Christen ernst zu nehmende Gesprächspartner für Muslime sein wollen.

Die Zukunft unseres Landes wird auch von wohlbesonnenen Entscheidungen der Politik mitbestimmt, ebenso von außenpolitischen Entwicklungen. Mehr noch aber noch von der Frage, welche Antwort Christen auf die Präsenz von 3,5 Millionen Muslimen in Deutschland geben – gar keine? Das wäre zu wenig.

Die Autorin, Dr. Christine Schirrmacher (Bonn), ist Islamwissenschaftlerin und wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz.

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