14 April 2008, 10:07
'Die arabischen Christen sind die schönen Reden der Politiker leid'
 
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Erzbischof Fouad Twal, designierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem, und Erzbischof Elias Chacour sprachen beim "Kirche in Not"-Kongress in Augsburg.

Augsburg (www.kath.net, pkb) „Die arabischen Christen sind die schönen Reden der Politiker leid!“ Das sagte Erzbischof Fouad Twal, designierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem, beim 3. Internationalen Kongress Weltkirche, der vom 11. bis 13. April in Augsburg stattfand.

Die Palästinenser wollten ein Ende der Besatzung und Ende, sagte er am Samstag bei der Veranstaltung „Heiliges Land – Exodus der Christen“. Sie seien „müde von den vielen Demütigungen und der Gefangenschaft in den eigenen Städten und Dörfern, ohne die Möglichkeit hinauszukommen, Verwandte zu besuchen, bessere medizinische Betreuung zu bekommen.“

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„Viele palästinensische Christen durften seit Jahren nicht das Heilige Grab besuchen, andere haben es noch nie gesehen“, beklagte er. „Viele Palästinenser schauen von Ferne mit Augen voller Sehnsucht und Tränen auf ihre verlassenen Grundstücke und Äcker jenseits der Mauer.“

„Die Palästinenser leiden an der Verletzung ihrer menschlichen Grundrechte, der Zerstörung ihrer Häuser, und manchmal leiden sie auch an Hunger.“ Es fehle im Land an politischer Stabilität. In Israel sei heute „die Sicherheit absolutes Gesetz geworden“.

Erzbischof Twal beklagte die einseitige Hilfe der westlichen Regierungen; Christen würden benachteiligt. „Unter einer solchen Benachteiligung leiden die anderen Religionen nicht“, betonte er. Die Juden würden unterstützt von der Weltjudenschaft, die Muslime von den muslimischen Ländern.

Das Christentum könne den Frieden fördern, weil es die „Gleichheit“ der Menschen verkünde. Bei den arabischen Christen müsste das Sendungsbewusstsein gestärkt werden, dass sie „Brücke zwischen Osten und Westen“ sind. „Die arabischen Christen müssen die Sicherheit wieder haben, dass sie keine Minderheit sind, sondern ein wichtiger und vollständiger Teil der katholischen Weltkirche.“

Elias Chacour: Araber, Palästinenser, Christ, Bürger des Staates Israel

„Über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu reden, ist für mich, wie mit dem Messer in einer offenen Wunde zu wühlen: Was immer ich auch sage, könnte die eine oder die andere Seite verletzen.“ Das bekannte der melkitische griechisch-katholische Erzbischof Elias Chacour aus Ibillin in Galiläa, der ebenfalls zu Gast beim „Kirche in Not“-Kongress war.

Er gilt als großer Versöhner zwischen Christen und Juden. 2003 wurde auf seine Initiative hin die erste arabisch-christliche-israelische Mar Elias Universität eröffnet.

„Ich bin ein lebendiger Widerspruch“, sagte er beim „Kirche in Not“-Kongress. „Ich bin Araber, Palästinenser, Christ, und Bürger des Staates Israel. Ich bin nicht nach Israel emigriert. Israel wurde um mich herum auf einem riesigen Territorium geschaffen, das Palästina war.“ Die Schaffung des Staates Israel habe zur Diaspora und zur Vertreibung der Palästinenser geführt.

Heute seien die Palästinenser die Bösen in der Welt, die Terroristen; die Juden würden hingegen betrachtet als die „Guten“. Es geht nach Ansicht von Chacour in dem Konflikt nicht um Religion sondern ausschließlich um das Territorium: Beide – Juden und Araber - hätten Anspruch auf das Gebiet. „Die einen sagen, es ist ihr verheißenes Land, die anderen, es ist das Land ihrer Vorfahren.“ Jedoch: „Derjenige hat Recht, der sagt: Ich habe auch Recht.“

Wie kann Versöhnung geschehen? Chacour: „Wir müssen nicht neu lernen, miteinander zu leben. Wir müssen uns nur daran erinnern, wie wir früher miteinander gelebt haben.“

Seine Bitte an die Kongressteilnehmer: Nicht Geld, sondern eine „Änderung der Einstellung“ gegenüber den Palästinensern. „Stellen Sie sich nicht auf die eine Seite auf Kosten der anderen“, appellierte er: „Wir brauchen nicht einen weiteren Feind, wir brauchen einen weiteren gemeinsamen Freund.“

Wichtig sei außerdem nicht nur der Besuch der heiligen Stätten im Heiligen Land, sondern: „Vergessen Sie nicht, die lebendigen Steine in Israel zu besuchen, die christlichen Gemeinden.“

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