24 Februar 2008, 11:33
Buße und Krankensalbung
 
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Die Sakramente in der Ostkirche – Teil 3 von Christoph Brey, Bamberg.

Bamberg (www.kath.net)
Das Sakrament der Buße

Im Sakrament der Buße erfährt der Christ, der seine Sünden offen und aufrichtig bekennt und diese bereut, Vergebung von Gott her. Diese Vergebung ist heilsnotwendig, da die Sünden die Menschen immer wieder von Gott und dem Leib Christi trennen. Viele große Vorbilder unter den Heiligen sprechen von positiven Beichterfahrungen. Diese Menschen waren Gott ganz nahe und haben somit ihre Sündhaftigkeit sehr deutlich spüren können. Im Sakrament der Buße wird dem Christ Verzeihung seiner Sünden und Fehler geschenkt.

Im ostkirchlichen Sakramentsverständnis steht vor allem das Heil und das Wohlergehen des Menschen im Vordergrund. Die Heilsordnung des Neuen Testaments wird in der Ostkirche vor allem im Sinne der Barmherzigkeit Gottes interpretiert. Gott will das Heil des Menschen und aus diesem Grund neigt er sich uns barmherzig zu.

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Zwei Begriffe haben hier in der Orthodoxie hohen Stellenwert: Oikonomia und Akribia. Die Oikonomia ist die Heilsordnung, geprägt von göttlicher Barmherzigkeit, mit dem Wissen um die Unzulänglichkeiten des Menschen. Die Akribia hingegen ist die strikte Beobachtung der Gesetze der Kirche.

Gerade im Bußsakrament findet vor allem die Oikonomia ihre Anwendung. Gott tritt nicht als strafender Richter auf, der den sündigen Menschen verwirft, sondern ihn aufrichtet und barmherzig in seine Arme schließt. So steht auch im orthodoxen Bußsakrament der therapeutische Aspekt sehr im Vordergrund, der Gläubige soll geheilt werden von seinen Vergehen. Der Priester kann dem Beichtenden selbstverständlich auch eine Buße auferlegen, aber nicht so sehr im Sinne einer Genugtuung oder Wiedergutmachung, sondern vielmehr im Sinne einer „Therapie“. Oft wird der Beichtvater in der Ostkirche als „Seelenarzt“ bezeichnet, was äußerst zutreffend ist.

Aus diesem Grund sind bis heute gute Beichtväter in der Ostkirche sehr gefragt. Sie werden „geistliche Väter“ oder auch „Starzen“ (von russ. starez = alter, weiser Mann) genannt. Sie verfügen meist über eine reiche geistliche Lebenserfahrung und können so dem Gläubigen Rat und Hilfe geben. Dabei liegt eine große Verantwortung beim Beichtvater. Bis ins späte 14. Jahrhundert konnten auch Laienmönche als geistliche Väter fungieren und die Beichte abnehmen. Heute sind sie zwar oft noch als „geistliche Väter“ gefragt, die Lossprechung allerdings ist den Priestern vorbehalten.

Der Ritus des Bußsakraments

Das Bußsakrament kann nur empfangen, wer sein Gewissen geprüft hat, seine Sünden bekennt, aufrichtige Reue zeigt und sich mit seinen Mitmenschen versöhnt. Wie im Westen wird auch im Osten die Beichte als Ohrenbeichte praktiziert. Der Priester begibt sich mit dem Beichtenden vor ein Ikonenpult, der Gläubige bekennt seine Sünden und danach legt ihm der Priester die Stola (Epitrachelion) über den Kopf und spricht das Absolutionsgebet.

Anders als in der Westkirche ist die Lossprechungsformel nicht befehlsartig formuliert („So spreche ich dich los von deinen Sünden…“), sondern bittend. Der Priester betet: „Was du meiner geringsten Niedrigkeit bekannt hast und was du nicht zu sagen vermochtest, sei es aus Unwissenheit, sei es aus Vergesslichkeit, was auch immer es sei, vergebe dir Gott in dieser Welt und in der kommenden.“

Waren früher die Bußen oft sehr hart (z. B. Ausschluss von der Kommunion o.ä.), so sind es heute Gebete oder Kniefälle. Die Beichtgelegenheit findet in der Regel vor der Liturgie oder vor der Vesper statt. Beichstühle wie in der lateinischen Kirche gibt es im Osten dagegen nicht.

Von der Notwendigkeit und reinigenden Kraft der Beichte schreibt schon der hl. Johannes Klimakos: „Fürchte dich nicht, wenn du auch jeden Tag gefallen bist und dich von Gottes Wegen entfernt hast. Sei geduldig und tapfer, der Engel Gottes, der dich schützt, wird deine Ausdauer belohnen.“

Das Sakrament der Krankensalbung

Das Sakrament der Krankensalbung oder auch heilige Ölung genannt, soll dem kranken Christ die Kraft Gottes verleihen, seine Krankheit zu tragen. Gott ist es, der die Krankheiten des Leibes und der Seele heilen kann.

Im Jakobusbrief lesen wir: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ (Jak 5,14-15)

Das Sakrament der Krankensalbung wurde in der Ostkirche zu keiner Zeit im Sinne einer „letzten Ölung“, also als Sterbesakrament verstanden. Man sieht vielmehr die heilende Kraft dieses Ritus, wodurch der Kranke an Seele und Leib heil werden kann. Der Zusammenhang zwischen der Gesundheit des Leibes und der Seele wird hierbei sehr deutlich. Oft wird den Gläubigen von ihren Beichtvätern geboten, jährlich zur Krankensalbung zu gehen, auch wenn dieses Sakrament in der Regel nur Schwerkranken gespendet werden soll. Die allgemeine Krankensalbung findet normalerweise in der Großen Fastenzeit statt, in der Woche der Kreuzverehrung oder am Mittwoch der Karwoche.

Das Sakrament der Krankensalbung ist in der Ostkirche kein Einzelsakrament, sondern es wird in einer gemeinsamen Feier in der Kirche gespendet. Nur im Notfall kann es auch zuhause gespendet werden. Den Vorschriften nach muss die Krankensalbung von sieben Priestern vollzogen werden. Die Siebenzahl erinnert an die sieben Gaben des Heiligen Geistes. Die Feier gliedert sich auch in sieben Teile, dadurch wird auch die Fülle der Kirche symbolisiert. Da sieben Priester anwesend sein sollen, nennt man die Feier auch Soborovanie (kirchenslaw. sobor = Versammlung). In Ausnahmefällen kann das Sakrament auch nur von einem Priester gespendet werden, vor allem da oft in den Landpfarreien nicht so viele Priester zur Verfügung stehen.

Der Ritus der Krankensalbung

Es werden insgesamt sieben Salbungen vollzogen, wobei jeder Priester eine Salbung vornimmt. Dem Gläubigen werden kreuzförmig Stirn, Nase, Wangen, Lippen, Brust und Hände mit heiligem Öl gesalbt. Der Priester betet dabei: „Heiliger Vater, Arzt der Seele und des Leibes, Du sandtest Deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, der alle Krankheiten heilt und vom Tode erlöst. Heile auch Deinen Diener/Deine Dienerin NN. von der ihn/sie umfangenden körperlichen und seelischen Krankheit und belebe ihn/sie durch die Gnade Deines Christus...“

Nach der siebten Salbung versammeln sich die Gesalbten vor den Priestern und es wird ihnen das Evangelienbuch auf das Haupt gelegt mit einem Gebet, in dem deutlich wird, dass nicht die Hand des Priesters salbt, sondern die „mächtige Hand Gottes, die in diesem Heiligen Evangelium ist“. Die Priester bitten um Heilung für den kranken und um die Vergebung seiner Sünden. Die Feier endet mit dem Segen, bei dem sich die Gesalbten vor den Priestern aufstellen und sprechen: „Segnet mich, heilige Väter, und vergebt mir Sünder!“

Kathpedia: Sakramente

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