10 Februar 2008, 08:44
Die Sakramente in der Ostkirche
 
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Teil 1: Die Taufe und Myronsalbung. Ein Beitrag von Christoph Brey (Bamberg).

Bamberg (www.kath.net) Wie im Westen die katholische Kirche so kennt auch im Osten die orthodoxe Kirche sieben Sakramente. Es sind diese: die Taufe, die Buße, die Myronsalbung (entspricht der Firmung), die Eucharistie, die Krankensalbung, die Krönung (Ehesakrament) und die Priesterweihe.

Das Verständnis der Sakramente stimmt im Wesentlichen zwischen katholischer und orthodoxer Kirche überein. Allerdings wird der Siebenzahl der Sakramente in der Ostkirche keine so hohe Bedeutung zuerkannt wie im Westen.

Die Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten um die Zahl der Sakramente ist im Osten unbekannt. Daher hat die Sakramenten-zahl eher symbolische Bedeutung als Zeichen der Vollkommenheit. Man deutet diese Zahl auch gerne als die Vollständigkeit des sakramentalen Lebens der Kirche.

Die theologische Dimension der Sakramente ist in Ost- und Westkirche fast gleich. Allerdings wird ein Unterschied in der Begrifflichkeit deutlich. Während man im Westen von „Sakrament“ spricht, benutzt man im Osten das Wort „Mysterium“. Das lateinische Wort „sacramentum“ bezeichnet ursprünglich den Eid der Soldaten in einer Armee.

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Die Kirche übertrug diesen Eid auf die „militia Christi“. Der Christ soll Soldat Christi sein. Hier kommt viel stärker der rechtliche Charakter der Sakramente zutage. Das griechischen Wort „mysterion“ hingegen bezeichnet mehr das feierliche Geschehen durch Gottes Gnade.

Wichtig für das Sakramentsverständnis sind drei Aspekte:
(I) Man erinnert sich an die Heilstaten Gottes. Lesungen und Zitate aus der Heiligen Schrift, die das historische Geschehen vergegenwärtigen (Anamnese), sind in den Gebeten und Riten der Sakramentenspendung daher ein fester Bestandteil.

(II) Durch die Herabrufung des Heiligen Geistes (Epiklese) wird hervorgehoben, dass letztlich Gott selbst in den Sakramenten handelt. In der Ostkirche wird dies ganz praktisch in den Sakramentsformeln deutlich. Es heißt zum Beispiel nicht „Ich taufe…“, sondern „Getauft wird…“.

(III) Im abschließenden Lobpreis (Doxologie) wird Gott für sein heilbringendes Handeln an den Menschen gepriesen.

Das Sakrament der Taufe

„Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Joh 3,5) Jesus spricht hier im Johannes-Evangelium ganz klar davon, dass die Taufe aus Wasser und Geist die notwendige Vorraussetzung für die Eingliederung in die Kirche und die Verheißung der ewigen Herrlichkeit im Reich Gottes ist. Der von der Erbschuld belastete Mensch soll durch Wasser und Geist für das neue Leben in Christus geboren werden. Das Wasser wäscht rein von der Schuld und der Geist haucht das neue Leben ein.

So wie ein Mensch nur einmal geboren wird, so wird auch nur einmal getauft. Nach orthodoxem Verständnis ist die Taufe ein unwiederholbares Sakrament, das, auch wenn es von Nichtorthodoxen gespendet wurde, Gültigkeit besitzt. Daher werden westliche Christen, die konvertieren möchten, in der Regel nicht noch einmal getauft.

Man muss jedoch erwähnen, dass es seltene Einzelfälle gibt, in denen doch nochmals getauft wird. Das passiert meist nur in der griechischsprachigen Orthodoxie. Dies geht auf ein kirchliches Dokument aus dem Jahr 1755 zurück.

In diesem Dokument sprachen die griechischen Patriarchen den Sakramenten der westlichen Kirche die Gültigkeit ab. Der russische Patriarch lehnte diese Entscheidung seiner Mitbrüder jedoch ab. Heute allerdings sind alle orthodoxen Patriarchen gegen die Wiedertaufe.

Die Taufe gehört zu den drei so genannten „Initiationssakramenten“, den Eingangs-sakramenten in das Leben als Christ. Diese drei Sakramente bildeten eine Einheit, man wurde getauft, gefirmt und empfing die Eucharistie. Das war in der Alten Kirche gut möglich, da man fast ausschließlich erwachsene Taufbewerber hatte.

In der Folgezeit als immer mehr Kinder und Säuglinge getauft werden sollten, hielt die Ostkirche diese altkirchliche Praxis bei. Sie bilden eine Einheit, in welcher der Taufbewerber durch Taufe, Myronsalbung (= Firmung) und Kommunionempfang in die volle Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wird.

Im Westen kennt man heute eine Aufspaltung der Initiationssakramente in drei Riten: Taufe, Firmung und Erstkommunion. Eine solche Trennung lehnen die orthodoxen Kirchen weiterhin ab. In der Ostkirche wird nach altkirchlichem Brauch durch dreimaliges Untertauchen in vom Priester vorher gesegnetem Wasser getauft. Die Taufformel lautet: „Getauft wird die Magd/der Knecht Gottes NN. im Namen des Vaters (Untertauchen) Amen, und des Sohnes (Untertauchen) Amen, und des Heiligen Geistes (Untertauchen) Amen.“

Der Ritus der Taufe

Der Priester, mit weißen liturgischen Gewändern bekleidet, spricht Gebete über die Täuflinge, in denen nun die Taufnamen genannt werden. Er bekreuzigt daraufhin jeden Täufling einzeln und legt ihm die Hände auf als Zeichen des Schutzes und Segens. Der Täufling oder stellvertretend der Taufpate muss dem Satan absagen und versprechen, sich Christus anzuschließen. Dies wird dreimal wiederholt. Daran schließt sich das Glaubensbekenntnis an.

Allen Anwesenden werden nun brennende Kerzen gegeben. Der Priester bittet Gott, das Wasser, mit dem der Taufbewerber getauft werden soll, zu heiligen. Der Geist solle herab-kommen wie in das Wasser des Jordan. Durch dreimaliges Bezeichnen mit dem Kreuzzeichen segnet der Priester das Taufwasser.

Vor der Taufe wird der Täufling mit Öl auf Stirn, Brust, Ohren, Hände und Füße gesalbt. Nun folgt das dreimalige Untertauchen mit oben genannter Taufformel: „Getauft wird die Magd/der Knecht Gottes NN. im Namen des Vaters Amen, und des Sohnes Amen, und des Heiligen Geistes Amen.“ Zum Zeichen, dass nun der alte Mensch mit seinen Sünden abgelegt ist und der Getaufte als neuer Mensch Christus anzieht, wird ihm das weiße Taufkleid und das Taufkreuz gereicht.

Das Sakrament der Myronsalbung

Wie schon erwähnt, wird in den orthodoxen Kirchen unmittelbar im Anschluss an die Taufe das Sakrament der Myronsalbung gespendet, was der Firmung im Westen entspricht. Das Myron ist Olivenöl, das mit zahlreichen aromatischen Stoffen vermischt wird. In aller Regel wird dieses Myron einmal im Jahr vom Patriarchen jeder orthodoxen Kirche geweiht.

Die Salbung mit dem heiligen Myron wird als eine Besiegelung und Stärkung des Neugetauften mit dem Heiligen Geist verstanden. Der Christ soll nun im geistlichen Leben wachsen und stark werden. Dazu bedarf er des Heiligen Geistes, der ihn vor allen Anfechtungen des Bösen bewahren soll. Anders als im Westen spendet der Priester, der getauft hat, auch die Myronsalbung.

Der Ritus der Myronsalbung und Kommunionempfang

Nach dem Untertauchen und dem Überreichen des weißen Taufkleides spricht der Priester ein Gebet, in dem er Gott für den Neugetauften dankt und darum bittet, ihn mit dem Siegel des Heiligen Geistes in der Salbung zu besiegeln.

Der Priester salbt nun mit einem Pinsel Stirn, Augen, Nase, Ohren, Lippen, Brust, Hände und Füße in Form eines Kreuzes. Dabei spricht er bei jedem Körperteil folgende Worte: „Siegel der Gabe des Heiligen Geistes, Amen.“

Nach der Salbung ziehen der Täufling mit Taufpate und Priester dreimal um das Taufbecken, dabei tragen alle brennende Kerzen in der Hand. Es folgt noch die Abwaschung des Myrons in einem kleinen Ritus und das Schneiden der Haare, ähnlich wie bei der Mönchsweihe. So soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Neugetaufte und Gesalbte Gott gehorsam ist.

Im Anschluss an Taufe und Myronsalbung wird sogleich zum ersten Mal die Heilige Kommunion gespendet. Allerdings werden bei Taufen im Säuglingsalter dem Täufling nur einige Tropfen Wein auf die Zunge gegeben. Durch die Zusammengehörigkeit der drei Initiationssakramente sind in der Ostkirche auch Kleinkinder zur Kommunion zugelassen.

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