28 Dezember 2007, 09:45
Das weihnachtliche Christusgeheimnis
 
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Ein Beitrag von Professor Manfred Hauke, Theologische Fakultät Lugano (Schweiz)

Lugano (www.kath.net / Fides)
Wir dokumentieren einen Beitrag von Professor Manfred Hauke, Theologische Fakultät Lugano (Schweiz), der vom Fidesdienst publiziert wurde.

1. Das Weihnachtsgeheimnis in der frühen Kirche: Ignatius von Antiochien

Als Einstieg in das Weihnachtsgeheimnis sei ein Zeuge aus der Frühzeit der Kirche vorgestellt. Der Heilige Vater hat ihm bei seiner Vorstellung der Kirchenväter eine eigene Ansprache gewidmet: der heilige Bischof Ignatius von Antiochien (1). Am Beginn des zweiten Jahrhunderts wurde der heilige Ignatius von den Verfolgern der Kirche nach Rom gebracht, wo er als Märtyrer ums Leben kam.

Ignatius zählt zu den „Apostolischen Vätern“, also zur allerersten Generation der Kirchenväter, die unmittelbar auf die apostolische Zeit folgen und dem Ursprung der Kirche am nächsten stehen. Auf der Reise von Syrien nach Rom schrieb der Bischof eine Reihe von Briefen. Sie legen Zeugnis ab von einer glühenden Begeisterung für Christus und die Gemeinschaft der Kirche.

Wir finden darin ein reichhaltiges Bekenntnis zu den grundlegenden Glaubenswahrheiten und eine klare Zurückweisung der gefährlichen Irrlehren der damaligen Zeit. Vor allem setzt er sich mit den Doketen auseinander, die das Menschsein Jesu, seine Geburt und sein Leiden als Schein darstellen. Dagegen betont Ignatius das wahre Menschsein Jesu, seine Geburt aus der Jungfrau Maria, sein wahres Leiden am Kreuz und seine wirkliche leibhaftige Auferstehung von den Toten.

In diesem Zusammenhang finden wir auch eine bemerkenswerte Aussage über die Geburt Jesu:
„Dem Fürsten dieser Welt blieb die Jungfrauschaft Marias und ihre Niederkunft verborgen, ebenso auch der Tod des Herrn – drei laut rufende Geheimnisse, die in Gottes Stille vollbracht wurden. … Ein Stern erstrahlte am Himmel, heller als alle Sterne, und sein Licht war unaussprechlich und seine Neuheit erregte Befremden; alle übrigen Sterne aber samt Sonne und Mond umgaben den Stern im Reigen, er selbst übertraf durch sein Licht alle … Die Folge davon war die Auflösung aller Zauberei und das Verschwinden jeglicher Fessel der Bosheit; die Unwissenheit wurde beseitigt, die alte Herrschaft ausgerottet, als Gott in Menschengestalt erschien zu neuem, ewigem Leben … Von da an war alles zumal in Bewegung, weil die Vernichtung des Todes betrieben wurde“ (2).

Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria und sein Leiden am Kreuz erscheinen hier als Geheimnisse, in denen sich die Macht Gottes unter dem Schleier unscheinbarer Ereignisse verbirgt, aber worin sich gleichzeitig die Herrlichkeit Gottes offenbart. Dies gilt für allem für die Geburt des Erlösers, deren Glanz im Stern von Bethlehem aufstrahlt.

Ignatius richtet das zitierte Schreiben an die vom heiligen Paulus gegründete Kirche von Ephesus, in der drei Jahrhunderte später, im Jahre 431, das Dogma von Maria als „Theotokos“, als „Gottesgebärerin“ verkündet wird. Maria wird Gottesmutter genannt, weil sie seiner Menschheit nach den Sohn Gottes geboren hat.

Da der ewige Sohn Gottes aus Maria eine menschliche Natur angenommen wird, ist ihm das Menschsein für immer zu eigen. Es ist die Glaubenswahrheit von der „hypostatischen Union“: in der Hypostase oder Person des ewigen Sohnes Gottes sind kraft der Menschwerdung aus Maria der Jungfrau die göttliche und die menschliche Natur miteinander vereint. Gottheit und Menschheit sind in Jesus Christus unterschieden, sie sind nicht vermischt, aber sie sind auch nicht getrennt.

Die Gottesmutterschaft Marias ist darum ein Hinweis auf das Geheimnis Jesu Christi, worin in der Einzigkeit der göttlichen Person des Sohnes eine göttliche und eine menschliche Natur miteinander verbunden sind. Die Glaubenswahrheit, dass in der einzigen Person göttliche und menschliche Natur unvermischt und ungetrennt miteinander vereint sind, wurde auf dem Konzil von Chalzedon im Jahre 451 feierlich definiert.

Sie findet sich von der Sache her aber bereits im Neuen Testament angelegt, insbesondere in der johanneischen Theologie: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). Die johanneische Perspektive wird in den Briefen des hl. Ignatius noch deutlicher entwickelt, wobei das Dogma von Chalzedon vom Inhalt her im Wesentlichen vorausgenommen wird:

„Einer ist Arzt, aus Fleisch zugleich und aus Geist, gezeugt und ungezeugt, im Fleische erschienener Gott, im Tode wahrhaftiges Leben, aus Maria sowohl wie aus Gott, zuerst leidensfähig und dann leidensunfähig, Jesus Christus, unser Herr“ (3).

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2. Die Mysterien des Lebens Christi und die Geburt des Gottessohnes

Die Geburt des Sohnes Gottes aus Maria wird von Ignatius ausdrücklich als „Geheimnis“ gekennzeichnet. In diesem Hinweis deutet sich eine Besinnung an, die später unter dem Titel der „Mysterien des Lebens Christi“ behandelt wird. Die Formulierung ist geprägt von dem Jesuiten Francisco Suarez, der im 16. Jh. die theologische Lehre über Jesus Christus in zwei großen Traktaten zusammenfasst: De Verbo Incarnato (Über das menschgewordene Wort) und De mysteriis vitae Christi (Über die Geheimnisse des Lebens Christi).

Der berühmte Jesuitentheologe, von der Nachwelt auch doctor eximius genannt („herausragender Lehrer“), entwickelt hierbei die Lehre des hl. Thomas von Aquin, der in seiner theologischen Summe das Geheimnis der Inkarnation unterscheidet von dem, was der Erlöser für uns getan und gelitten hat (STh III q. 1-59).

Bei der Inkarnation behandelt der Aquinate die Verbindung zwischen göttlicher und menschlicher Natur in der Person des Sohnes, während er in der Betrachtung des Lebens Jesu die heilshaften Ereignisse untersucht von der Empfängnis Jesu im Schoße der Jungfrau Maria bis hin zu seinem machtvollen Kommen in Herrlichkeit am Ende der Zeiten.

Die Ereignisse des Lebens Jesu sind „Geheimnisse“, weil im Menschsein Jesu die Offenbarung seiner Gottheit aufstrahlt. „Sein Menschsein erstrahlt so als das ‚Sakrament’, das heißt als Zeichen und Werkzeug seiner Gottheit und des Heils, das er bringt: Was in seinem Leben zu sehen war, verwies auf das unsichtbare Mysterium seiner Gottessohnschaft und seines Erlösungsauftrags“ (KKK 515).

Folglich sind alle Ereignisse des Lebens Jesu „Geheimnisse“ in dem genannten tiefgründigen Sinn. Allerdings werden in dem klassischen Traktat über die „Geheimnisse des Lebens Jesu“ einige Punkte eigens hervorgehoben: es sind geschichtliche Wirklichkeiten, in denen auf besonders intensive Weise das gesamte Geheimnis der Person Jesu aufstrahlt.

In ihnen zeigt sich wie in einem Brennpunkt, wer Jesus Christus ist und worin seine Sendung besteht. Dazu gehört zweifellos das Geheimnis der Geburt Jesu, das wiederum eng verbunden ist mit den Mysterien der Kindheit Jesu und mit seinem verborgenen Leben in Nazaret (vgl. KKK 522-534).

3. Die Verbindung zwischen menschlicher Sehnsucht und göttlicher Gnade

Die Geburt Jesu Christi ist die Erfüllung der menschlichen Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott, aber gleichzeitig auch ein Ereignis, das die kühnsten Erwartungen der Menschheit übertrifft. Der Mensch sehnt sich nach ewig bleibendem Glück und streckt sich aus nach Gott, der allein ihm die Fülle der Seligkeit schenken kann, die den Tod und die Sünde überwindet.

Der auf sich selbst zurückgeworfene Mensch leidet dabei freilich unter den Folgen des Sündenfalles, der ihm bereits am Beginn der menschlichen Geschichte die Teilhabe am göttlichen Leben geraubt hat. In der Nachfolge der Stammeltern wird der Mensch geboren im Zustand der Erbsünde, also ohne die Freundschaft mit Gott und ohne die Teilhabe am göttlichen Leben, das die natürlichen Fähigkeiten des Menschen unendlich überragt.

Die Kirchenväter in Ost und West beschreiben die Situation der Kinder Adams häufig als „geistlichen Tod“, als Beraubtsein des göttlichen Lebens, und als „Entfremdung“ vom göttlichen Vaterhaus. Der hl. Basilius schreibt etwa in seinem berühmten Werk über den Heiligen Geist:

„Der Heilsplan unseres Gottes und Erlösers für den Menschen besteht in der Erhebung vom Fall und im Rückweg zur Vertrautheit mit Gott, fort von der Entfremdung, die durch den Ungehorsam [Adams] entstanden war. Deshalb die Ankunft Christi im Fleisch“ (4).

Der Verlust des göttlichen Lebens wird bei den Vätern auch „Tod der Seele“ genannt im Anschluss an eine Formulierung des Propheten Ezechiel (Ez 18,4.20: „Die Seele, die sündigt, wird sterben“). Gregor von Nyssa betont, dass die Inkarnation den Sohn Gottes mit der Menschennatur verbindet, die aus Leib und Seele besteht.

„Da diese beiden durch den Ungehorsam [Adams] dem Tode verfallen waren (denn der Tod der Seele bestand in der Entfremdung vom wahren Leben, der des Leibes in der Verweslichkeit), deshalb musste durch die Beimischung des Lebens aus diesen beiden der Tod hinausgeworfen werden“ (5).

Der hl. Augustinus setzt den „Tod der Seele“ gleich mit der Erbsünde. Diese Kennzeichnung wird unter anderem durch das Konzil von Trient übernommen, das von der „Sünde“ spricht, die der „Tod der Seele“ ist (DS 1512). Die Erbsünde ist demnach keine persönliche Sündentat, wohl aber ein gottwidriger Zustand, der sich bereits in den neugeborenen Kindern findet und der von der Taufe getilgt wird durch die Eingießung des göttlichen Lebens, der heiligmachenden Gnade.

Die Erbsünde und ihre Folgen hemmen den Aufstieg des Menschen zur Gemeinschaft mit Gott und zu seinem ewigen Glück. Aber selbst wenn es keinen Sündenfall gegeben hätte, wäre der Mensch aus sich nicht in der Lage, mit seinen begrenzten geschöpflichen Kräften teilzunehmen am unendlichen Leben des dreifaltigen Gottes.

Die Gnade Gottes setzt den Menschen freilich instand, sich auf das Geschenk des göttlichen Lebens und auf die Menschwerdung Gottes vorzubereiten. Die von Gott gesandten Propheten des Volkes Israel weisen auf den kommenden Messias, auf den „Immanuel“, den „Gott mit uns“, der am Ende der Zeiten sein ewiges Reich des Friedens errichten wird (z.B. Jes 7,14; 9,5-6). Der Messias ist Nachkomme Davids (vgl. 2 Sam 7,12-16 u.a.).

In diesem Sinne gibt es eine Vorbereitung der Ankunft Jesu „von unten“, durch die von der göttlichen Vorsehung geleiteten Ereignisse der Geschichte. Zu dieser Vorbereitung gehört bereits die Gestalt Adams, den der Stammbaum nach Lukas als Teil der Vorgeschichte Jesu Christi hervorhebt (Lk 3,38).

Wie Adam als Stammvater der Menschheit an deren Stelle mit seinem Ungehorsam stellvertretend das Unheil begründet, so bringt der stellvertretende Gehorsam Christi das paradiesische Heil wieder zurück und führt es zur Vollendung. Paulus stellt darum Adam und Christus in ihrer Wirksamkeit einander gegenüber (vgl. Röm 5,12-21; 1 Kor 15,21-22. 45-49).

Während der Stammbaum Jesu bei Lukas bis auf Adam zurückgeführt wird, betont Matthäus die Abkunft Jesu von Abraham und von David (Mt 1,1-17). Der Glaube Abrahams empfängt die Verheißung Gottes, dass in ihm alle Geschlechter der Erde gesegnet werden (Gen 12,3). Die Ankündigung des Propheten Nathan an David, dass einer seiner Nachkommen eine ewige Herrschaft ausüben werde, erfüllt sich in Jesus Christus über den hl. Josef, der zum Stamm Davids gehört.

Dies betonen gleichermaßen die Evangelisten Matthäus und Lukas (Mt 1,16.20; Lk 1,27). Josef war zwar nicht der leibliche Vater Jesu, aber dem jüdischen Recht nach übte er die Aufgabe des Vaters aus. In der Erziehung Jesu vertritt er gewissermaßen auf der menschlichen Ebene den göttlichen Vater.

In der Aufgabe des hl. Josef zeigt sich sehr deutlich das Verhältnis zwischen menschlicher Vorbereitung der Inkarnation und göttlicher Gnade: die Zeugung Jesu Christi geschieht nicht durch einen menschlichen Vater, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes, der in der Jungfrau Maria ähnlich wirkt bei der Schöpfung der Welt (vgl. Lk 1,38). In der Inkarnation beginnt die neue Schöpfung, die nicht aus den Kräften des Menschen selbst abgeleitet werden kann.

Die Beziehung zwischen menschlicher Sehnsucht und göttlicher Gnade zeigt sich auch in Maria, aber auf eine andere Weise als in Josef. Maria ist „voll der Gnade“ (Lk 1,28) und als Mutter des Messias radikal den teuflischen Mächten des Bösen entgegengesetzt, wie schon in der „ersten Frohen Botschaft“, im Protoevangelium der Genesis erkennbar ist: der Nachkomme der Frau, welcher der Schlange den Kopf zertreten wird, ist nicht trennbar von der „Frau“, die als Feindin des Bösen erscheint (Gen 3,15).

Als „neue Eva“ stand Maria niemals unter dem Einfluss der Sünde. Sie ist ohne Erbsünde empfangen und darum das Urbild der Kirche in ihrer unzerstörbaren Heiligkeit. Die Erlösung der Menschheit wäre nicht vollkommen, wenn es nicht wenigstens eine Person gäbe, die das Heil auf reine Weise empfangen und niemals verloren hat: Maria. In ihr verbindet sich die treue Hingabe des Volkes Israel, der „Tochter Zion“, mit dem Beginn der von Christus erlösten Menschheit: in ihr findet sich der heile Ursprung der Kirche, die sich in bräutlicher Hingabe dem Sohn Gottes, dem „Bräutigam“ (Mk 2,19), öffnet durch ihr Jawort bei der Verkündigung des Engels.

Nach Thomas von Aquin war die Verkündigung des Engels an Maria deswegen notwendig, „damit das Bestehen einer gewissermaßen geistlichen Ehe zwischen dem Sohn Gottes und dem Menschengeschlecht aufgezeigt würde: und deshalb wurde durch die Verkündigung die Zustimmung der Jungfrau an Stelle des ganzen Menschengeschlechtes erwartet“ (STh III q. 30 a. 1).

Die von Gott unterstützte Vorbereitung des Menschengeschlechtes auf die Inkarnation findet in Maria ihren Höhepunkt. Allerdings war auch die selige Jungfrau Maria nicht in der Lage, sich gleichsam selbst zu übersteigen und in aktiver Selbsttranszendenz die Menschwerdung Gottes hervorzubringen.

Die Inkarnation war kein Ereignis einer Selbsterfahrung, die sich selbst im Sohne Gottes produziert. Für die Menschwerdung Gottes brauchte es das „von oben“ kommende Geschenk der göttlichen Gnade: Gott selbst, Vater und Sohn und Heiliger Geist gemeinsam, bewirkt auf wunderbare Weise die Zeugung der Menschheit Jesu aus der Jungfrau Maria und die Annahme des Menschseins Jesu durch die Person des ewigen Sohnes.

Die Texte des Neuen Testamentes betonen dabei die gemeinsame Wirksamkeit der göttlichen Personen, indem sie die Inkarnation mal auf das Wirken des göttlichen Vaters, mal auf das des Sohnes und mal auf das des Heiligen Geistes zurückführen. Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes wird von Matthäus und Lukas hervorgehoben (Mt 1,18.20; Lk 1,35).

Paulus und Johannes betonen die Sendung des Sohnes durch Gott den Vater (Gal 4,4; Joh 8,26 u.a.). Der Christushymnus im Brief des Apostels an die Philipper erwähnt, dass der Sohn Gottes selbst sich „entäußerte“, das heißt die menschliche Natur annahm (Phil 2,6-11). Die Inkarnation gründet also im souveränen Wirken des dreieinigen Gottes, der dabei freilich in Maria die Mitwirkung des Menschen mit einbezieht.

Das Gnadenereignis der Inkarnation wird auch betont durch die hörbare Botschaft von außen, die der Jungfrau Maria und dem hl. Josef durch einen Engel überbracht wird. Die tatsächliche Menschwerdung Gottes ist nicht ausdenkbar durch die Phantasie der Menschen, die allenfalls die theoretische Wirklichkeit der Inkarnation formulieren könnten. Sie ist auch nicht ableitbar aus den Verheißungen des Alten Testamentes, die erst im nachhinein, aus dem Licht des Neuen Bundes heraus, ihre Botschaft vollkommen enthüllen.

In der geschilderten Beziehung zwischen der menschlichen Vorbereitung und der göttlichen Gnade bei der Inkarnation zeigt sich eine Wirklichkeit, die in vergleichbarer Weise für die Beziehung eines jeden Menschen gegenüber Gott gilt: um Freunde Gottes zu sein, um an seinem unendlichen ewigen dreifaltigen Lebensreichtum teilzunehmen, reicht nicht unsere fromme Vorbereitung, so wichtig sie auch ist; der entscheidende Faktor ist stets das souveräne Wirken Gottes, der sich aus Gnade zu seinem Geschöpf herabneigt und es aus Liebe auf unausdenkbare Weise beschenkt.

4. Der Schleier der Verborgenheit

Die oben zitierten Worte des hl. Bischofs Ignatius von Antiochien heben die Verborgenheit der Geheimnisse der Geburt Jesu und des Kreuzes hervor. Die göttliche Herrlichkeit erscheint gleichsam unter einem Schleier: das schwache Kindlein in der Krippe lässt beim ersten Anschein nicht ahnen, dass der allmächtige Gott selbst in ihm Mensch geworden ist; der gekreuzigte und mit Wunden übersäte Christus scheint das Gegenteil von dem Sieg auszudrücken, den der Erlöser am Kreuz erringt. Hätte sich Gott nicht in einer Weise offenbaren können, dass ihn alle Menschen sozusagen automatisch angenommen hätten?

Thomas von Aquin stellt sich diese Frage bezüglich der Geburt Christi: musste sie allen Menschen offenkundig werden? Der heilige Kirchenlehrer meint: „Die Geburt Christi durfte nicht allen ohne Ausnahme kund werden. Denn erstens wäre dadurch die Erlösung der Menschen, die sich am Kreuz vollzogen hat, verhindert worden: ‚Hätten sie es erkannt, niemals hätten sie den Herrn der Herrlichkeit ans Kreuz geschlagen’ (1 Kor 2,8).

Zweitens hätte dies das Verdienst des Glaubens gemindert … Wäre nämlich Christi Geburt durch offenkundige Anzeichen allen sichtbar, dann wäre es um das Wesentliche des Glaubens geschehen, denn der Glaube ist ‚eine Überzeugung von dem, was man nicht sieht’ (Hebr 11,1). Drittens hätte man an seiner wahren Menschennatur zweifeln können“ (STh III q. 36 a. 1). Gerade die Kindheit Jesu zeigt, dass Gott wirklich die Menschennatur angenommen und unser Los in allem, was nicht von der Sünde bedingt ist, geteilt hat.

Das wichtigste Motiv ist wohl das des Glaubens. Beim Glauben verlassen wir uns auf Gott durch das Zeugnis anderer Menschen. Thomas von Aquin betont denn auch in der Folge: „Es gehört zu der von der göttlichen Weisheit gewollten Ordnung, dass die Gaben Gottes und die Geheimnisse seiner Weisheit nicht in gleicher Weise zu allen gelangen, sondern zunächst zu einigen, und dann durch diese an andere weitergegeben werden.

Daher heißt es vom Mysterium der Auferstehung: ‚Gott ließ ihn’ von den Toten auferstehen und ‚sichtbar erscheinen, nicht dem gesamten Volk, sondern den von Gott vorherbestimmten Zeugen’ (Apg 10,40.41). Das gleiche musste auch bei seiner Geburt geschehen …“ (STh III q. 36 a. 2).

Der Glaube hängt zusammen mit der Bedeutung der menschlichen Freiheit. Zwar stützt sich der Glaube auf vernünftige Gründe, aber er ist auch eine Überlieferung des menschlichen Willens an Gott, wobei ihm die Gnade Gottes selbst zu Hilfe kommt. Diese Öffnung des Willens auf Gott hin fällt den Menschen leichter, die nicht um sich selber kreisen.

Das Geheimnis von Bethlehem wird den einfachen Hirten offenbar und den Weisen aus dem Morgenland, bleibt aber den eingebildeten Schriftgelehrten verborgen. Der König Herodes weiß von dem Geheimnis, aber will das göttliche Kind aus dem Weg räumen, weil er meint, es würde seine irdische Herrschaft beeinträchtigen. Die Verborgenheit der Geburt Jesu in Bethlehem gründet in der Bedeutung des Glaubens, der die menschliche Freiheit und die Haltung der Demut in sich enthält.

5. Die menschliche Liebe des göttlichen Kindes in der Krippe

Es gibt Dimensionen des Weihnachtsgeheimnisses, die in der gegenwärtigen Theologie häufig übersehen oder sogar geleugnet werden. Dazu gehört etwa die Überzeugung, dass Christus in seiner menschlichen Seele uns alle bereits in der Krippe liebevoll in sein Herz geschlossen hat.

Dies betont mit aller Deutlichkeit das Rundschreiben von Papst Pius XII. über die Kirche als geheimnisvollen Leib Christ, Mystici corporis:
„Jene liebevolle Erkenntnis aber, womit uns der göttliche Erlöser vom ersten Augenblick seiner Menschwerdung an entgegenkam, übertrifft alles menschliche Bemühen und Begreifen. Denn vermöge jener seligen Gottesschau, deren er sich sogleich nach der Empfängnis im Schoße der Gottesmutter erfreute, sind ihm alle Glieder seines mystischen Leibes unablässig und jeden Augenblick gegenwärtig und umfängt er sie alle mit seiner heilbringenden Liebe. O wunderbare Herablassung der göttlichen Güte zu uns; o unbegreifliches Wirken einer Liebe ohne Grenzen! In der Krippe, am Kreuze, in der ewigen Glorie des Vaters hat Christus immerdar alle Glieder der Kirche vor Augen und im Herzen, mit weit größerer Klarheit und Liebe als eine Mutter ihr Kind auf dem Schoß, als ein jeder sich selbst kennt und liebt“ (6).

Ist diese Vorstellung nicht vielleicht übertrieben? Kann ein neugeborenes Kind bereits Akte geistiger Erkenntnis und des freien Willens setzen? Heißt es nicht im Lukasevangelium, dass Christus heranwuchs und seine Weisheit im Laufe der Zeit zunahm? (Lk 2,32)

Die Zeugnisse des Neuen Testamentes leugnen nicht das menschliche Lernen Jesu und sein wahres Kindsein. Gleichzeitig bekunden sie aber auch den einzigartigen Einfluss seines Gottseins auf seine menschliche Seele. Nach dem Hebräerbrief „spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: ‚Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen … Da sagte ich: Ja, ich komme …, um deinen Willen, Gott, zu tun’“ (Hebr 10,5-7). Dieser Hinweis setzt einen menschlichen Willensakt des menschgewordenen Gottessohnes voraus.

Das Johannesevangelium betont, dass Jesus Christus bereits im irdischen Leben den Vater sieht: „Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen“ (Joh 6,46; vgl. 1,18). Das Sehen des Vaters wird nach dem griechischen Text im Perfekt ausgedrückt: dabei geht es um eine Handlung, die in der Vergangenheit begonnen hat und auch in der Gegenwart noch anhält.

Der Sohn ist von Ewigkeit her dem Vater schauend zugewandt, und dieses göttliche Erkennen spiegelt sich auch in der menschlichen Seele Jesu, die nicht von der Person des Sohnes getrennt werden kann.

In der seligen Gottesschau hält die Seele Christi uns gegenwärtig nicht in der Weise des irdischen Erkennens, worin wir von einem Eindruck zum anderen fortschreiten, sondern erfasst die gesamte Wirklichkeit gleichsam mit einem Blick. Thomas von Aquin erklärt die Gottesschau von der Kennzeichnung des hl. Paulus aus, wonach die Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht abgehoben wird von der „stückweisen“ Erkenntnis, durch die wir gegenwärtig die erkannten Dinge nur nach und nach erfassen (ek mérous: 1 Kor 13,12; vgl. STh I q. 12 a. 2. 10 u.a.).

Im Himmel werden wir Gott schauen wie er ist (vgl. 1 Joh 3,2). Die Schau Gottes durch die Seele Jesu richtet sich auf Gott selbst, sieht in ihm aber gleichsam wie in einem Spiegel auch die geschaffenen Wirklichkeiten. Diese Schau überschreitet freilich die menschlichen Kategorien. Um in menschliche Sprache gefasst zu werden, muss sie umgeformt werden in eine kategoriale Form.

Die mittelalterliche Theologie hat den komplexen Sachverhalt des Wissens Christi in die Lehre vom dreifachen Wissen Jesu gefasst (etwa bei Thomas von Aquin: STh III q. 9-12): die selige Gottesschau, das eingegossene Wissen (worin die unmittelbare Erkenntnis Gottes umgesetzt wird in sprachlich fassbare Kategorien) und das erworbene menschliche Wissen Christi. In seinem Erdenleben ist Jesus Christus gleichzeitig unterwegs und (in dem höheren Teil seiner Seele) mit Gott schauend verbunden. Diese geheimnisvolle Wirklichkeit wird von der Scholastik mit der Formel bezeichnet simul viator et comprehensor, „gleichzeitig Pilger und Schauender“.

Der Blick auf die Krippe offenbart demnach die ganz persönliche geheimnisvolle Liebe Christi zu einem jeden von uns. „Jesus hat während seines Lebens, seiner Todesangst am Ölberg und seines Leidens uns alle und jeden einzelnen gekannt und geliebt und sich für jeden von uns hingegeben: Der ‚Sohn Gottes’ hat ‚mich geliebt und sich für mich hingegeben’ (Gal 2,20)“ (KKK 478). Diese ewige göttliche Liebe im Herzen des Kindes Jesu wollen wir, gerade in der weihnachtlichen Zeit, mit unserer liebenden Anbetung beantworten. Im Kinde Jesu eröffnen sich uns die unermesslichen Schätze der Liebe Gottes.

6. Die Verbindung zum österlichen Geheimnis

Das Weihnachtsgeheimnis ist innig verbunden mit dem Zentrum der Erlösungsbotschaft in Kreuz und Auferstehung. In ihm strahlt schon ganz am Anfang des Lebens Jesu das Ostergeheimnis auf. Die Verbindung der Geburt Jesu zum Kreuz zeigt sich bereits im Ort des Geschehens: für den Heiland der Welt gibt es in dieser Welt keinen angemessenen Platz; er wird nicht in einem Königspalast geboren, sondern in einem Stall.

Er liegt nicht in einem Kinderbett, sondern in einer Krippe, einem Futtertrog für die Tiere. Die Darstellung von Ochs und Esel in unseren Krippen hängen mit dieser Situation zusammen, denn sie sind angeregt durch ein Wort des Propheten Jesaja: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht“ (Jes 1,3).

Der göttliche König der Welt wird außerhalb eines normalen Hauses geboren, und draußen vor den Toren der Stadt Jerusalem wird er gekreuzigt (vgl. Hebr 13,12). Die Mächte dieser Welt, aufgestachelt vom bösen Willen Satans, wollen ihn hinausdrängen und vernichten. Die Wut des Bösen und sein Wille zur Vernichtung zeigt sich dann auch in der Verfolgung des Jesuskindes durch König Herodes: das Kind Jesus muss nach Ägypten fliehen, um sein Leben zu retten (Mt 2,13-18).

Bei der Darstellung des Jesuskindes im Tempel weist der greise Simeon mit prophetischen Worten darauf, dass Christus ein Zeichen des Widerspruches sein wird (Lk 2,35). Wir Christen brauchen uns darum nicht zu wundern, wenn wir in der Welt angefeindet werden und gleichsam „gegen den Strom“ schwimmen müssen. Wären wir dazu nicht bereit, müssten wir unseren Herrn und Meister verraten.

Die Ereignisse bei der Geburt Jesu lassen bereits die Kreuzigung vorausahnen: von der Krippe geht ein gerader Weg aus bis zum Berge Golgota. Gleichzeitig – und noch mehr – wird aber auch der Glanz der künftigen Auferstehung bereits zu Bethlehem sichtbar. Die Hirten erfahren die Erscheinung eines Engels, „und der Glanz des Herrn umstrahlte sie“ (Lk 2,9).

Sie hören eine Botschaft der Freude: in der Stadt Davids ist der Heiland geboren, der Messias, der von den Propheten verheißene Retter der Welt. Ein himmlisches Heer der Engel lobt Gott mit einem feierlichen Gesang: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,10-13). „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19).

Die Vorausnahme der österlichen Freude betrifft auch die Geburt Jesu selbst. Im Johannesprolog findet sich ein Vers, der gemäß den frühesten in Griechisch erhaltenen Handschriften auf die Glaubenden bezogen wird: „die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1,13).

Die im ägyptischen Wüstensand erhaltenen Papyrushandschriften sind freilich nicht die einzigen Zeugen dieser Schriftstelle. Es gibt in den verschiedensten Gebieten der Kirche bereits im zweiten und dritten Jahrhundert bei den Kirchenvätern die Lesart, die den Vers des Prologes auf Jesus Christus bezieht: „der nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren ist“.

Diese Auslegung wird von namhaften Exegeten vertreten. Papst Johannes Paul II. bezeichnet sie in seinen Marianischen Katechesen als „wahrscheinlich“ (10.7.1996). Das Geborensein Jesu „nicht aus Blut“ meint dabei offenbar, dass die Geburt Jesu ohne das Ausgießen von Blut geschah, was im Alten Testament als Grund ritueller Unreinheit galt.

Die Kirchenväter verbinden jedenfalls die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria mit der Verheißung Jesajas, wonach (gemäß dem griechischen Text der Septuaginta) die „Jungfrau“ „empfangend und gebärend“ ist (Jes 7,14). Sie sehen in der Jungfräulichkeit Marias in der Geburt die Aufhebung des Strafurteils der Genesis, wonach die Geburt unter Schmerzen ein Zeichen des gefallenen Zustandes ist (Gen 3,16).

Sie beziehen sich auch auf die Ankündigung des plötzlichen Anbruches der neuen Welt im Buche Jesaja: „Noch ehe die Frau ihre Wehen bekommt, hat sie schon geboren; ehe die Wehen über sie kamen, brachte sie einen Knaben zur Welt“ (Jes 66,7). In der Folge wird Jerusalem selbst als gebärende Frau bezeichnet, die mit Freude ihre „Kinder“ zur Welt bringt (Jes 66,8-12). Einige Rabbinen, die von der schmerzfreien Geburt in der messianischen Zeit handeln, sehen dieses Geschehen als Zeichen der Erlösung Israels, der „Tochter Zion“.

In dieser heilsgeschichtlichen Perspektive der „Tochter Zion“ erscheint Maria als Urbild und als geistige Mutter des Gottesvolkes. Wie in der Geburt Jesu bereits der Glanz des österlichen Geheimnisses sichtbar wird, so gibt es auch eine Parallele zwischen dem Weihnachtsgeheimnis und dem Sakrament der Taufe.

Der eben zitierte Vers aus dem Johannesprolog (1,13) bietet in jedem Fall eine Parallele zwischen Jungfrauengeburt und Taufe, ganz gleich, ob das Subjekt des Satzes im Singular oder im Plural zu lesen ist. Wenn wir von der pluralischen Auslegung auf die Glaubenden ausgehen, so wird doch das Geborensein aus Gott mit Begriffen beschrieben, die an der Geburt Jesu aus Maria der Jungfrau abgelesen sind.

Wenn wir hingegen, was wahrscheinlicher ist, die singularische Deutung auf Christus vorziehen, dann erscheint der jungfräuliche Ursprung Christi aus Gott als Anfang eines Geschehens, das sich später auch auf die Glaubenden ausdehnt.

Diese Verbindung zwischen Jungfrauengeburt und Taufe wird schon in der frühen Kirche gesehen. Sie findet sich am Ende des 2. Jahrhunderts beim hl. Irenäus, der sich auf besondere Weise der johanneischen Tradition verpflichtet weiß. Der Bischof von Lyon schreibt, dass der Sohn Gottes „als Reiner den reinen Schoß öffnete, den nämlich, der die Menschen für Gott wiedergebiert und den er selber rein gemacht hat“ (7).

In der Formulierung verbinden sich die Geburt des Gottessohnes aus Maria der Jungfrau und die Wiedergeburt des Christen in der Taufe. Maria und die Kirche werden in einer Perspektive zusammengeschaut. Die Niederkunft Mariens, die schon Ignatius von Antiochien als „Geheimnis“ beschreibt, erscheint hier als Zeichen unserer Wiedergeburt aus Gott im Sakrament der Taufe. Auch unser Geborensein zum göttlichen Leben ist ein Geheimnis der Gnade, für das wir Gott herzlich danken wollen, zumal bei unserem Besuch an der Krippe.

In einer programmatischen Rede zum 1600jährigen Jubiläum der Synode von Capua (392) entwickelt Papst Johannes Paul II. die Beziehung der Jungfräulichkeit in der Geburt zum Ostergeheimnis: „In der Liturgie hat die Kirche immer Weihnachten gefeiert im Blick auf Ostern, ebenso wie sie bei der Osterfeier der Geburt Christi gedacht hat, und sie erkennt in Maria die einzigartige Zeugin der Identität des Kindes, das von ihrem jungfräulichen Fleisch geboren wurde, und dem Gekreuzigten, der aus dem versiegelten Grab wiedergeboren ist …“ (8).

7. Die Kindheit Jesu und unser geistiges Kindsein

Das Kindsein Jesu ist nach den Weihnachtspredigten des hl. Bernhard von Clairvaux ein Zeichen der „Demut Gottes“, der die unscheinbare Menschennatur annimmt, um uns Menschen zu dienen und aus unserer Fesselung an das Böse zu befreien. Umso mehr sind wir Menschen eingeladen, das Reich Gottes anzunehmen mit der Bereitschaft eines Kindes: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie ein Kind, der ist im Himmelreich der Größte“ (Mt 18,3-4).

Der Sohn Gottes hat das Menschsein in seinem ganzen Werdegang von der Empfängnis bis zum Tod geheiligt und mit seinem unermesslichen göttlichen Leben durchdrungen. Er lädt uns ein, dass wir die Einfachheit und das unverkrampfte Vertrauen eines kleinen Kindes erwerben, um uns ihm zu öffnen, der für uns Kind geworden ist.

Das Kindsein Jesu ist uns eine kräftige Hilfe für das Wachstum in der Liebe zu Gott. Ein österreichischer Theologe, der ein ganzes lesenswertes Buch über die Kindheit Jesu verfasst hat, betont: „Als Kind konnte der Sohn Gottes leichter unser Herz, unser Vertrauen gewinnen. Vor einem Kind braucht ja niemand Angst zu haben. Das Kind weiß nichts von Hass und Groll, es kennt nur die Liebe, nach der es sich sehnt. Christus hätte gewiss auch als erwachsener, reifer Mann voll Kraft und Majestät erscheinen können, wie es am Ende der Zeiten bei seiner Wiederkunft der Fall sein wird. Wir hätten Ihn dann vielleicht mehr gefürchtet, aber wohl weniger geliebt. Ihm kam es aber bei seiner ersten Ankunft darauf an, uns die Furcht zu nehmen. So sprach der Engel zu den Hirten: ‚Fürchtet euch nicht! … Ihr werdet ein Kind finden …’ (Lk 2,10.12)“ (9).

Anmerkungen
1 Vgl. Benedikt XVI., Katechese vom 14.3.2007
2 Ignatius von Antiochien, Ad Eph. 19,1-3 (ed. J.A. Fischer, Die Apostolischen Väter, Darmstadt 71956, 156-159)
3 Ignatius von Antiochien, Ad Eph. 7,2 (ed. Fischer 146-149)
4 Basilius, De Spiritu Sancto 15,35
5 Gregor von Nyssa, De triduo inter mortem et resurrectionem Domini nostri Iesu Christi spatio (Gregorii Nysseni Opera IX, 292)
6 Zitiert in A. Rohrbasser (Hrsg.), Die Heilslehre der Kirche, Fribourg 1953, Nr. 817. Vgl. DS 3812; KKK 478
7 Adv. haer. IV,33,11
8 24.5.1992; La questione della perpetua verginità di Maria riguarda il mistero di Cristo, Nr. 5
9 Ferdinand Holböck, „Das Mysterium der Kindheit Jesu“: Leo Scheffczyk (Hrsg.), Die Mysterien des Lebens Jesu und die christliche Existenz, Aschaffenburg 1984, 86-94 (91). Vgl. Ders., Warum ist Gott ein Kind geworden? Christiana Verlag: Stein am Rhein 31982.

Die Weihnachtsbotschaft von Papst Benedikt als Video auf KATHTUBE:

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"Kirche muss sich sagen lassen, dass sie eine Täterorganisation ist" (21)

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Viganò: „Seid mutige Hirten und keine ängstlichen Schafe!“ (12)

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