23 November 2007, 13:55
Dies verdunkelt den Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi
 
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Erzbischof Ranjith, der Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst: Handkommunion hat dazu beigetragen, dass der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi geschwunden ist – Kritik an Verwischung der Rollen der Kleriker und Laien im Altarbereich

Vatikan (kath.net/Fidesdienst)
Am 14. September ist das Motu Proprio Summorum Pontificum in Kraft getreten. Es wurde von Papst Benedikt XVI. am 7. Juli 2007 promulgiert und ist dem von Papst Johannes XXIII. 1962 revidierten Ritus des heiligen Pius V. gewidmet. Mit dem Motu Proprio besteht wieder die Möglichkeit, die Messe mit dem tridentinischen Messbuch zu feiern, ohne unbedingt den Bischof um Erlaubnis fragen zu müssen.

Obschon es offiziell nie abgeschafft worden war, mussten die Gläubigen, die das alte Messbuch benutzen wollten, die ausdrückliche Genehmigung des Bischofs einholen. Diese Möglichkeit war durch ein anderes Motu Proprio mit dem Titel Ecclesia Dei adflicta eingeräumt worden, das von Papst Johannes Paul II. am 2. Juli 1988 unterzeichnet worden war.

Mit dem neuen Motu Proprio ist jetzt eine solche Genehmigung nicht mehr notwendig. Jede „dauerhaft existierende Gruppe“ von Gläubigen kann den eigenen Pfarrer um die Möglichkeit bitten, die Messe nach dem alten Messbuch zu feiern.

Der Fidesdienst sprach darüber mit Erzbischof Albert Malcolm Ranjith, dem Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Fides: Exzellenz, worin besteht Ihrer Meinung nach die tiefere Bedeutung des Motu Proprio Summorum Pontificum?

Erzbischof Albert Malcolm Ranjith: Ich sehe in dieser Entscheidung nicht nur die Sorge des Heiligen Vaters für die Anhänger von Erzbischof Lefebvre, denen er den Weg zur Rückkehr in die volle Gemeinschaft der Kirche ebnen möchte, sondern auch ein Zeichen für die ganze Kirche, dass für ihre vom Konzil so sehr gewünschte tiefgehende Erneuerung einige theologisch-disziplinären Prinzipien beachtet werden müssen.

Mit scheint, dass der Papst ausdrücklich die mancherorts sichtbaren Versuchungen korrigieren möchte, die das Konzil als Bruch mit der Vergangenheit und als völligen Neuanfang betrachten. Es genügt, an seine Ansprache an die Römische Kurie vom 22. Dezember 2005 zu erinnern. Auch das Konzil dachte nicht so über sich selbst. In seinen lehrmäßigen, liturgischen und rechtlich-pastoralen Beschlüssen leistete das Konzil einen weiteren Beitrag zur Vertiefung und Erneuerung des reichen theologisch-geistlichen Erbes der Kirche in ihrer zweitausendjährigen Geschichte. Mit dem Motu Proprio möchte der Papst eindeutig feststellen, dass jeder Versuch fehl am Platz ist, diese ehrwürdigen Überlieferungen zu verachten. Die Botschaft ist klar: Fortschritt ist gut, aber nicht auf Kosten der Geschichte oder ohne die Geschichte. Auch die Liturgiereform muss allem treu sein, was von Anfang an bis heute geschehen ist, ohne etwas auszuschließen.

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Auf der anderen Seite dürfen wir nie vergessen, dass die göttliche Offenbarung für die katholische Kirche nicht nur von der Heiligen Schrift, sondern auch von der lebendigen Überlieferung der Kirche herrührt. Dieser Glaube unterscheidet uns eindeutig von anderen Erscheinungsformen des christlichen Glaubens. Die Wahrheit ist für uns, was sozusagen aus diesen beiden Polen, aus der Heilige Schrift und aus der Überlieferung, hervorströmt. Diese Position ist meiner Meinung nach sehr viel reichhaltiger als andere Sichtweisen, denn sie respektiert die Freiheit des Herrn, uns auch durch das, was in der Zukunft geschieht, zu einem tieferen Verständnis der geoffenbarten Wahrheit zu führen. Natürlich wird der Prozess der Unterscheidung für das, was aus den beiden Polen hervorströmt, durch das kirchliche Lehramt geschehen. Was wir aber festhalten müssen, ist die Bedeutung, die der Überlieferung zukommt. Die dogmatische Konstitution Dei Verbum hat diese Wahrheit eindeutig bekräftigt (DV 10).

Außerdem ist die Kirche eine Wirklichkeit, die über das Niveau einer rein menschlichen Erfindung hinausreicht. Sie ist der mystische Leib Christi, das himmlische Jerusalem und das auserwählte Geschlecht Gottes. Sie überschreitet deshalb die irdischen Grenzen und jede zeitliche Beschränkung und ist eine Wirklichkeit, die ihre irdische, hierarchische Erscheinung bei weitem überragt. Deshalb muss in ihr das Empfangene in Treue weitergegeben werden. Wir sind weder Erfinder der Wahrheit noch ihre Herren; wir sind nur diejenigen, die sie empfangen haben und denen die Aufgabe zukommt, sie zu bewahren und anderen weiterzugeben. So hat es der heilige Paulus im Zusammenhang mit der Eucharistie zum Ausdruck gebracht: „Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe“ (1 Kor 11,23).

Die Achtung der Überlieferung ist also bei der Suche nach der Wahrheit nicht unserem freien Ermessen überlassen; sie ist ihr Fundament, das angenommen werden muss. In der Kirche ist die Treue zur Überlieferung deshalb eine wesentliche Haltung der Kirche selbst. Das Motu Proprio muss meiner Ansicht nach auch in diesem Sinn verstanden werden. Es ist ein möglicher Anstoß zu einer notwendigen Kurskorrektur. In einigen Entscheidungen der nach dem Konzil durchgeführten Liturgiereform wurden nämlich Richtlinien erlassen, welche einige Aspekte der Liturgie verdunkelt haben, die in der früheren Praxis besser zum Ausdruck gekommen sind, weil die liturgische Erneuerung von einigen als etwas verstanden wurde, das ex novo geschehen müsse. Doch wir wissen genau, dass dies nicht die Absicht der Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium war, die darauf hinweist, dass „die neuen Formen aus den schon bestehenden gewissermaßen organisch herauswachsen“ müssen (SC 23).

Fides: Ein Kennzeichen des Pontifikats von Benedikt XVI. scheint das Bestehen auf einer richtigen Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu sein. Geht das Motu Proprio Summorum Pontificum Ihrer Meinung nach in diese Richtung? Wenn ja, in welchem Sinn?

Erzbischof Albert Malcolm Ranjith: Bereits als Kardinal hatte der Papst in seinen Schriften einen gewissen Geist der Euphorie abgelehnt, der in einigen theologischen Kreisen aufgekommen war. Dieser angebliche „Geist des Konzils“ war für ihn in Wirklichkeit ein wahrer „Ungeist“, ein „Konzils-Ungeist“. Ich zitiere wörtlich, was der Papst in diesem Buch unterstreicht: „Einem solchen Schematismus eines Vor und eines Nach in der Geschichte der Kirche, der überhaupt nicht gedeckt ist durch die Dokumente (des Zweiten Vatikanischen Konzils), die nichts anderes tun, als die Kontinuität des Katholizismus bekräftigen, heißt es entschieden entgegenzutreten“.

Eine solche falsche Auslegung des Konzils und des geschichtlich-theologischen Weges der Kirche hat aber alle kirchlichen Bereiche, einschließlich der Liturgie, beeinflusst. Eine gewisse Haltung, die einerseits die ekklesiologischen und theologischen wie auch die liturgischen Entwicklungen des vergangenen Jahrtausends leichtfertig zurückwies und andererseits die vermeintliche mens der Kirche der ersten Christen in naiver Weise verherrlichte, beeinflusste in nicht geringem Maß die liturgisch-theologische Reform in der Zeit nach dem Konzil.

Die kategorische Ablehnung der vorkonziliaren Messe als Relikt aus einer nunmehr „überkommenen“ Zeit war das Ergebnis dieser Mentalität. Viele haben die Dinge so gesehen, doch, Gott sei Dank, nicht alle. Die Konzilskonstitution über die Liturgie Sacrosanctum Concilium rechtfertigt eine solche Haltung in keiner Weise. Sowohl in den allgemeinen Prinzipien als auch in den vorgelegten Normen ist das Dokument nüchtern und dem treu, was das liturgische Leben der Kirche ausmacht. Es genügt, die Nummer 23 dieses Dokuments zu lesen, um sich von diesem Geist der Nüchternheit zu überzeugen.

Bei einigen Neuerungen wurden wichtige Elemente der Liturgie samt den entsprechenden theologischen Erwägungen aufgegeben: jetzt ist es notwendig und wichtig, diese Elemente wieder aufzugreifen. Der Papst sieht im von Papst Johannes XXIII. revidierten Ritus des heiligen Pius V. einen Weg, die Elemente wiederaufzugreifen, die durch die Reform verdunkelt worden sind. Er hat gewiss viel über seine Entscheidung nachgedacht. Wir wissen, dass er sich in dieser Frage mit verschiedenen Gruppen der Kirche beraten und trotz einiger gegensätzlicher Positionen beschlossen hat, die Feier dieses Ritus zu gestatten. Dieser Schritt ist nicht, wie manche meinen, ein Zurück in die Vergangenheit. Er ist vielmehr notwendig, um das Gleichgewicht zwischen den ewigen, transzendenten und himmlischen sowie den irdischen und gemeinschaftlichen Aspekten der Liturgie wieder ganz herzustellen. Er wird dazu beitragen, um vielleicht auch ein Gleichgewicht zwischen dem Sinn für das Heilige und das Mysterium sowie den äußerlichen Gesten und sozio-kulturellen Haltungen und Verpflichtungen, die aus der Liturgie hervorgehen, herzustellen.

Fides: Als Kardinal bestand Joseph Ratzinger sehr darauf, dass man das Zweite Vatikanische Konzil von seinem ersten Dokument, also von der Konstitution Sacrosanctum Concilum her verstehen müsse. Weshalb haben sich die Konzilsväter Ihrer Meinung nach zuerst mit der Liturgie befasst?

Erzbischof Albert Malcolm Ranjith: Hinter dieser Entscheidung stand zuerst sicher das Bewusstsein, dass die Liturgie für die Kirche von grundlegender Bedeutung ist. Sie ist sozusagen die Mitte, um die sich alles dreht, denn das, was gefeiert wird, ist das, was geglaubt und was gelebt wird. Das meint der bekannte Grundsatz: Lex orandi, Lex credendi. Deshalb geht jede echte Reform der Kirche über die Liturgie. Die Konzilsväter waren sich dieser Bedeutung bewusst. Auf der anderen Seite war die Liturgiereform ein Prozess, der bereits vor dem Konzil begonnen hatte, vor allem durch das Motu Proprio Tra le sollecitudini des heiligen Pius X. und die Enzyklika Mediator Dei von Pius XII.

Der heilige Pius X. bezeichnete die Liturgie als „erste Quelle“ des wahren christlichen Geistes. Vielleicht waren auch die bereits bestehenden Strukturen und die Erfahrung derer, die sich dem Studium und der Einführung einiger liturgischer Reformen widmeten, für die Konzilsväter Ansporn dazu, die Liturgie zum ersten Gegenstand der Konzilssitzungen zu machen. Papst Paul VI. gab die Auffassung der Konzilsväter wieder, als er sagte: „Wir möchten euch an die Einhaltung der Rangordnung der Werte und Pflichten erinnern: Gott an die erste Stelle; das Gebet als unsere erste Pflicht; die Liturgie als erste Quelle des uns geschenkten göttlichen Lebens, als erste Schule unseres geistlichen Lebens, als erstes Geschenk, das wir dem christlichen Volk machen können…“ (Paul VI., Ansprache zum Abschluss der zweiten Konzilsperiode, 4. Dezember 1963).

Fides: Viele sehen die Veröffentlichung des Motu Proprio Summorum Pontificum als einen Versuch des Papstes, die Kirche den schismatischen Anhängern Lefebvres anzunähern. Trifft dies Ihrer Ansicht nach zu? Geht das Motu Proprio auch in diese Richtung?

Erzbischof Albert Malcolm Ranjith: Ja, aber nicht ausschließlich. Der Heilige Vater führt bei der Erklärung der Motivationen seiner Entscheidung im Text des Motu Proprio und im Begleitschreiben an die Bischöfe auch andere wichtige Gründe an. Natürlich wird er auch die immer dringlichere Bitte verschiedener Gruppen, insbesondere der Gesellschaft des heiligen Pius X. und der Priesterbruderschaft des heiligen Petrus sowie verschiedener Laienvereinigungen, um die Freigabe der Messe des heiligen Pius V. berücksichtigt haben. Dass der Weg zur vollkommenen Integration der Anhänger Lefebvres eröffnet wurde, war auch insofern wichtig, als in der Vergangenheit oft falsche Urteile gefällt wurden, was zu unnötigen Spaltungen in der Kirche geführt hat, die heute fast unüberwindbar geworden sind. Der Papst erwähnt diese mögliche Gefahr im Begleitschreiben an die Bischöfe.

Fides: Wo liegen Ihrer Meinung nach die dringendsten Probleme bei der richtigen Feier der heiligen Liturgie? Welche Erfordernisse muss man besonders unterstreichen?

Erzbischof Albert Malcolm Ranjith: Ich glaube, dass der Papst in der wachsenden Nachfrage nach der Freigabe der Messe des heiligen Pius V. Zeichen einer gewissen geistlichen Leere gesehen hat, die durch die Art und Weise verursacht wurde, in der die Liturgie in der Kirche bislang gefeiert wird. Diese Schwierigkeit kommt einerseits von gewissen Richtlinien der nachkonziliaren Liturgiereform, die dazu tendierten, wesentliche Aspekte des Glaubens einzuschränken oder, besser gesagt, zu verwischen, und andererseits von willkürlichen Haltungen, welche die liturgische Ordnung der Reform selbst nicht beachten, wie man überall beobachten kann.

Ich glaube, dass einer der Gründe, weshalb einige wichtige Elemente des tridentinischen Ritus bei der Durchführung der nachkonziliaren Reform durch gewisse liturgische Kreise aufgegeben wurden, in einem Abgehen oder einer Unterbewertung der Entwicklungen im zweiten Jahrtausend der Geschichte der Liturgie zu suchen ist. Einige Fachleute der Liturgie betrachteten die Entwicklung dieser Periode eher negativ. Diese Einschätzung ist falsch, weil man innerhalb der lebendigen Überlieferung der Kirche nicht dies oder jenes aussuchen kann, was mit unseren vorgefertigten Auffassungen übereinstimmt. Die Überlieferung ist - auch in einem allgemeinen Sinn in den Bereichen der Wissenschaft, der Philosophie oder der Theologie - stets etwas Lebendiges, das sich weiterentwickelt und auch in den Höhen und Tiefen der Geschichte voranschreitet.

Für die Kirche ist die lebendige Überlieferung eine der Quellen der göttlichen Offenbarung, sie ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses. Dies gilt auch für die liturgische Überlieferung. Die Entwicklungen der Liturgie im zweiten Jahrtausend haben ihren eigenen Wert. Die Konstitution Sacrosanctum Concilium spricht nicht von einem neuen Ritus oder von einem Bruch, sondern von einer Reform, die organisch aus dem bereits Bestehenden hervorgeht. Deshalb schreibt der Papst: „In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch. Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein“ (Schreiben an die Bischöfe, 7. Juli 2007). Wenn man das, was im ersten Jahrtausend geschehen ist auf Kosten des darauf folgenden Jahrtausends anhimmelt, ist dies eine wenig wissenschaftliche Haltung. Die Konzilsväter haben eine solche Einstellung nicht gekannt.

Ein zweite Problematik ist die Krise des Gehorsams gegenüber dem Heiligen Vater, die in gewissen Kreisen festzustellen ist. Wenn eine solche Haltung der Autonomie unter einigen Geistlichen, auch in den höchsten kirchlichen Rängen, sichtbar wird, ist dies gewiss nicht zum Nutzen der erhabenen Sendung, die Christus seinem Stellvertreter anvertraut hat.

Man hört, dass in einigen Ländern und Diözesen von den Bischöfen Richtlinien erlassen worden sind, welche die Intention des Papstes praktisch annullieren oder entstellen. Diese Einstellung stimmt nicht mit der Würde und Erhabenheit der Berufung eines Hirten der Kirche überein. Ich sage nicht, dass alle so sind. Die meisten Bischöfe und Geistlichen haben den Willen des Papstes mit dem gebührenden Sinn für Ehrfurcht und Gehorsams angenommen. Dies ist wirklich lobenswert. Leider sind aber Stimmen des Protestes von einigen laut geworden.

Zugleich kann man nicht ignorieren, dass eine solche Entscheidung notwendig geworden ist, weil die heilige Messe, wie der Papst sagt, „vielerorts nicht der Ordnung getreu gefeiert, sondern geradezu als eine Ermächtigung oder gar als Verpflichtung zur ‚Kreativität’ aufgefasst wurde, die oft zu kaum erträglichen Entstellungen der Liturgie führte“. „Ich spreche aus Erfahrung“, so fährt der Papst fort, „da ich diese Phase in all ihren Erwartungen und Verwirrungen miterlebt habe. Und ich habe gesehen, wie tief Menschen, die ganz im Glauben der Kirche verwurzelt waren, durch die eigenmächtigen Entstellungen der Liturgie verletzt wurden“ (Schreiben an die Bischöfe). Diese Missbräuche hatten zur Folge, dass die Nostalgie für die Messe des heiligen Pius V. größer wurde. Zudem wurde die Lage schlechter durch eine weithin mangelnde Bereitschaft, die normativen Dokumente des Heiligen Stuhls sowie die Instruktionen und Einführungen zu den liturgischen Büchern zu lesen und zu befolgen. Die Liturgie scheint immer noch nicht zu den vorrangigen Anliegen bei der Weiterbildung der Geistlichen zu zählen.

Wir müssen gut unterscheiden. Die nachkonziliare Reform ist nicht im Ganzen negativ. Es gibt viele positive Aspekte unter den Reformen, die umgesetzt worden sind. Doch gibt es auch Änderungen, die missbräuchlich eingeführt worden sind und trotz ihrer schädlichen Auswirkungen auf den Glauben und auf das liturgische Leben der Kirche weiter beibehalten werden.

Ich spreche hier zum Beispiel von einer Änderung, die in der Reform durchgeführt, aber weder von den Konzilsvätern noch von der Konstitution Sacrosanctum Concilium vorgeschlagen worden ist: die Handkommunion. Sie hat in gewisser Weise dazu beigetragen, dass der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie geschwunden ist. Diese Praxis und die Abschaffung der Kommunionbänke vor dem Altarraum und der Kniebänke in den Kirchen sowie die Einführung von Praktiken, die die Gläubigen dazu zwingen, während der Wandlung zu sitzen oder zu stehen, verkürzen die wahre Bedeutung der Eucharistie und den Sinn der tiefen Anbetung, welche die Kirche dem Herrn, dem eingeborenen Sohn Gottes, schuldet. Mancherorts wird die Kirche, das Haus Gottes, zudem als Saal für brüderliche Begegnungen, Konzerte oder interreligiöse Feiern benutzt. In einigen Kirchen wird das Allerheiligste fast versteckt oder in eine kaum sichtbare und wenig geschmückte Kapelle verbannt. Dies alles verdunkelt den so zentralen Glauben der Kirche an die wirkliche Gegenwart Christi. Für uns Katholiken ist die Kirche vor allen Dingen die Wohnung des Ewigen.

Ein weiterer ernsthafter Irrtum ist das Verwischen der jeweils spezifischen Rollen der Kleriker und der Laien am Altar. Der Altarraum wird deshalb zu einem Ort des Durcheinander, wo zu viel Bewegung herrscht, so dass er nicht mehr „der Ort“ erfahren wird, wo der Christ das Staunen und den Glanz von Christi Gegenwart und Heilswirkens spüren kann. Die Einführung von Tänzen, Musikinstrumenten und Gesängen, die nur wenig Liturgisches an sich haben, entspricht in keiner Weise dem sakralen Raum der Kirche und der Liturgie. Ich möchte auch gewisse Predigten erwähnen, die politisch-sozialen Charakter haben und oft wenig vorbereitet sind. Dies alles entstellt die Feier der heiligen Messe und macht sie zu einem choreographischen oder theatralischen Gebilde, das nicht mehr Ausdruck des Glaubens ist. Es gibt auch andere Aspekte, die mit der Schönheit und dem Staunen über das am Altar Gefeierte wenig übereinstimmen. Mit dem Novus Ordo geht nicht alles schlecht, aber vieles muss noch geordnet werden, damit weitere schädliche Auswirkungen auf das Leben der Kirche verhindert werden. Ich glaube, unsere Einstellung zum Papst, zu seinen Entscheidungen und zu seiner Sorge um das Wohl der Kirche sollte allein jene sein, die der heilige Paulus den Korinthern empfahl: „Alles geschehe so, dass es aufbaut“ (1 Kor 14,26).

Diskussion im Forum

KATHPEDIA: Malcolm Ranjith

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