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Lebendige Feier der Liturgie und solide Glaubensverkündigung

26. Oktober 2007 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Erzbistum Köln startet neue Seelsorgestrukturen: Jeder der zukünftig 180 Seelsorgebereiche wählt ab 2009 einen leitenden Pfarrer und einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat.


Köln (www.kath.net/PEK)
Bei der Weiterentwicklung der Seelsorge im Erzbistum Köln werden die Gemeinden auch zukünftig selbst entscheiden können, ob sie mit ihren Nachbargemeinden im Seelsorgebereich eine Pfarreiengemeinschaft bilden oder zu einer Einheit fusionieren. Unabhängig von dieser Entscheidung erhält im Rahmen der Strukturreform „Wandel gestalten – Glauben entfalten“ jeder der zukünftig 180 Seelsorgebereiche ab 2009 einen leitenden Pfarrer und wählt einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat. Bilden die Pfarreien eines Seelsorgebereichs eine Pfarreiengemeinschaft, übertragen sie ihre Einrichtungen und die damit verbundene Personalverantwortung an einen Kirchengemeindeverband, der die Verwaltung übernimmt. Diese zentralen Eckpunkte erläuterten Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp und Prälat Hans-Josef Radermacher, Leiter der Hauptabteilung Seelsorgebereiche, am Freitag auf einer Pressekonferenz in Köln.

Es gehe „um neue Wege, die Menschen mit der frohen Botschaft in Berührung zu bringen“ und dabei besonders auch Fernstehende zu erreichen, betonte der Erzbischof. Dem müssten auch die Strukturen dienen. „In den kommenden Wochen und Monaten werden wir gemeinsam überlegen, wie wir dieses Projekt mit Leben füllen.“ Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp betonte, das Herzstück der Neuordnung sei „nicht die Strukturentscheidung, sondern die Entwicklung des Pastoralkonzepts“. Deshalb dürfe sich das Erzbistum nicht mit langwierigen Strukturdebatten blockieren. Unabdingbar sei nun, „die nächsten Schritte gemeinsam mit den diözesanen Gremien, insbesondere aber auch mit den Seelsorgebereichen“ zu gehen.

Die Stellungnahme von Erzbischof Joachim Kardinal Meisner im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,wir geben heute den Startschuss für eine Weiterentwicklung der Seelsorge, die wir überschrieben haben mitdem Leitwort „Wandel gestalten – Glauben entfalten“. Damit soll vor allem eines deutlich werden:

1. Es geht um wesentlich mehr als eine Strukturentscheidung.

So wichtig Strukturen für die Arbeit der Kirche auch sind - Es geht um neue Wege, die Menschen mit derFrohen Botschaft in Berührung zu bringen, anders ausgedrückt: Wie kann es uns gelingen, Christus berührbarzu machen – auch und gerade für die Menschen, die der Kirche eher fern stehen?Wir haben inzwischen schmerzhaft gelernt, dass wir – anders als noch vor vierzig Jahren - keine Volkskirchemehr sind. Die Zahl der Glaubenslosen, der Orientierungslosen und religiös Entwurzelten nimmt zu, aberauch die Zahl der Fragenden, der Suchenden, die Zahl derjenigen, die spüren: Diese Welt mit ihren Plausibilitätenist nicht alles. Da die Situation nicht in allen Teilen des Erzbistums gleich ist, reicht es nicht mehr aus,wenn jeder Seelsorgebereich im Erzbistum flächendeckend das gleiche Angebot macht. Seelsorgebereiche,Gemeinden und Kirchorte müssen ihr je eigenes Profil entwickeln, um die Menschen an ihrem Ort mit Christusin Berührung zu bringen. Darum haben wir auch kein flächendeckendes Pastoralkonzept für das ganzeErzbistum vorgegeben, vielmehr stecken wir einen Rahmen ab, der vor Ort mit Leben gefüllt werden muss.Vor diesem Hintergrund habe ich auch – nach Beratung mit den verschiedenen Gremien - in der Strukturfrageentschieden: Die Seelsorgebereiche behalten die Wahlfreiheit, ob sie zu einer Pfarrei fusionieren oderob sie in einer Pfarreiengemeinschaft kooperieren. Dazu haben mir die diözesanen Gremien mehrheitlichgeraten. Zu der Struktur und den Gremien in diesen beiden Kooperationsmodellen wird Prälat Radermachergleich noch einige Erläuterungen geben. Lassen Sie mich an dieser Stelle nur folgendes betonen: dies ist ganzausdrücklich eine Entscheidung für eine weiterhin flächendeckende Seelsorge. Ob Fusion oder Pfarreiengemeinschaft,die Kirchorte und das Leben um den jeweiligen Kirchturm bleiben erhalten. Auch wenn wir dieOrganisationsstrukturen den Gegebenheiten anpassen, reden wir hier nicht einem Zentralismus des geistlichenLebens unserer Seelsorgebereiche das Wort. Welches Modell die Seelsorgebereiche auch wählen: ihreerste und wichtigste Aufgabe wird sein, ein Pastoralkonzept für den jeweiligen Bereich zu entwickeln. Nurwenn wir uns auf diesen Prozess einlassen, kann im gesellschaftlichen Wandel auch eine Chance für die Arbeitder Kirche liegen.

Im Frühjahr dieses Jahres habe ich einige Eckpunkte benannt, die zu den unverzichtbaren Konstanten einerkatholischen Gemeinde gehören:

- eine lebendige Feier der Liturgie
- solide Glaubensverkündigung
- missionarische Ausstrahlung
- Engagement für Jugend und Familie und
- caritatives Handeln

Jedem Seelsorgebereich ist es aufgegeben, diese fünf Säulen der Pastoral für den jeweiligen Lebensbereichauszugestalten.

2. Vor Ort müssen die Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit gemeinsam entwickelt werden.

Hier geht es ausdrücklich nicht um einen aufwändigen Prozess, in dem über Jahre ein Leitbild oder ein bisins Detail ausgefeiltes Konzept beraten wird. Ziel ist vielmehr, dass Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsamden Rahmen definieren, in dem sie in den nächsten Jahren zusammenarbeiten wollen, und vor allem dieSchwerpunkte der seelsorglichen Arbeit festlegen.

Lassen Sie mich dazu einige Beispiele nennen: Die Feier der Eucharistie ist die Lebensmitte jeder Gemeinde.Hier schenkt uns Gott den, den wir uns nicht machen können: Jesus Christus. Doch beschränkt sich die Liturgienicht darauf. Seit Jahren stellen wir fest, dass die Vielfalt der Gottesdienstformen wieder zunimmt. So hatsich zum Beispiel in der Folge des Weltjugendtages an mehreren Orten in unserem Erzbistum die Aktion„nightfever“ etabliert: Kirchen sind zu nächtlicher Stunde für junge Menschen geöffnet, es gibt Gelegenheitzum Gebet - auch zur Beichte - es gibt Musik, es gibt Gespräche, es gibt eine Atmosphäre, die viele jungeMenschen so zum ersten Mal erfahren. Wenn „nightfever“ hier im Kölner Dom stattfindet, machen HunderteJugendliche eine spirituelle Erfahrung. Das heißt nicht, dass sie deswegen anschließend jeden Sonntag zurKirche kämen, aber es ist ein Angebot, das sie mit Christus in Berührung bringt.

Ein anderes Beispiel sind Segensfeiern am Valentinstag. Es besteht kein Grund, diesen Festtag allein denBlumenhändlern zu überlassen. Wir stellen fest, dass auch hier viele junge Paare für religiöse Themen ansprechbarsind. Schon beim Weltjugendtag ist mir sehr deutlich geworden: Wir hätten die jungen Paare wesentlichstärker in den Blick nehmen müssen.

Es gibt Zeitpunkte, zu denen Menschen leichter ansprechbar sind als zu anderen, das sind die so genanntenLebenswenden. Das kirchliche Angebot zu Geburt und Taufe eines Kindes, zu Hochzeit und zum Tod vonMenschen sind für die Kirche immer wieder eine Chance, Menschen zu erreichen. Wir müssen diese Chancensehr gut nutzen. Und wir müssen dazu angemessene Formen entwickeln.

3. Wir müssen die Lebenswelt der Menschen besser kennen.

Die Entwicklung des Pastoralkonzepts ist für die Seelsorgebereiche eine wirkliche Chance, neue Wege zugehen. Und ich sage ganz ausdrücklich: Wege, die wir jetzt noch nicht kennen. Um diese Wege zu finden undzu entwickeln, müssen wir die Lebenswelt der Menschen besser kennen.Auch dazu ein Beispiel: Die Erzieherinnen einer sehr aktiven, katholisch profilierten Einrichtung haben inden letzten Jahren eine Menge Bildungsveranstaltungen angeboten, die jedoch von den Eltern überhauptnicht angenommen wurden. Eine genaue Analyse des Standortes und der Menschen, die im Einzugsbereichdieser Einrichtung wohnen, hat gezeigt: in diesem Lebensraum leben nicht die Menschen, die solche Veranstaltungenwahrnehmen. Im Nachbarstadtteil wäre das vermutlich ein ausgezeichnetes Angebot gewesen, inder besonderen Situation dieser Einrichtung aber zeigten die Eltern kein Interesse. Noch einmal: Wir müssendie Menschen, für die wir da sein wollen, besser kennen.

Ein erstes Fazit lautet: Wir müssen die Perspektive unserer pastoralen Bemühungen wechseln, wir müssennoch viel stärker als bisher die Menschen in den Blick nehmen, die selten oder gar nicht zur Kirche gehen. Wenn wir für diese Menschen missionarisch Kirche sein wollen, reicht es nicht, über unsere bisherige Arbeitbesser zu informieren, vielmehr müssen wir viele neue Wege gehen. Natürlich kann das für uns niemals heißen,dass wir unsere Botschaft verwässern oder dem Zeitgeist anpassen. Nein, wir müssen das Evangeliumeinfach, klar, verständlich und vor allem überzeugt verkünden, und zwar in Wort und Tat. Und wir müssenuns immer neu bewusst machen, was der Heilige Vater auf die Frage „wie viele Wege gibt es zu Gott?“ geantwortethat: Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.

Nehmen Sie den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Vielerorts wird sehr viel Arbeit in den Pfarrbrief investiert.Adressat eines solchen Pfarrbriefes darf aber nicht nur der binnenkirchliche Kreis sein. Wenn eine Gemeindesich die Arbeit macht, eine solche Publikation an alle Katholiken zu verteilen, dann muss ein solchesHeft auch Themen enthalten, die für alle Leser interessant sein können. Die Botschaft, die wir zu verkündenhaben, ist immer die gleiche, aber sie zu verkünden, gibt es so viele Möglichkeiten, wie es Menschen gibt.In Düsseldorf haben engagierte Laien ein neues Magazin entwickelt: es heißt THEO. Dabei handelt es sichnicht um eine Kirchenzeitung, es ist auch kein Ersatz oder eine Konkurrenz zu unserer Bistumszeitung. Es istauch kein Projekt des Stadtdekanates oder des Katholikenrates, sondern die Initiative einer Gruppe engagierterLaien, die diese Zeitschrift verantwortet und so Menschen erreicht, die religiös interessiert sind, aber vielleichtnie einen Pfarrbrief lesen würden. Diesen Menschen müssen wir eine Chance geben.

Lassen Sie mich an dieser Stelle etwas zu den Menschen in unseren Gremien sagen. In den vergangenenWochen ist von vielen befürchtet worden, wir würden Menschen, die sich freiwillig in Pfarrgemeinderätenund Kirchenvorständen engagieren, gleichsam aus ihren Ämtern drängen.

Sie dürfen mir glauben: Ich habe diese Frage sehr ernst genommen. Erstens wäre es verheerend, in einerZeit, in der immer weniger Menschen bereit sind, sich freiwillig zu engagieren, Ehrenamtliche vor den Kopfzu stoßen. Zweitens weiß ich aus Gesprächen und Begegnungen – namentlich im Rahmen meiner Visitationen–, mit wie viel Energie, Phantasie und Einsatz Menschen sich in unseren Gemeinden engagieren. Ihr Einsatzist für uns als Kirche unverzichtbar.

4. Taufe und Firmung sind Auftrag zum Engagement in der Kirche.

Ich wage aber die Behauptung, dass diese Menschen sich nicht, nur weil sie ein Wahlmandat haben, fürdie Kirche einsetzen. Nein, sie engagieren sich vor allem, weil sie von Christus berührt sind. Denn die ersteund entscheidende Qualifikation für ein freiwilliges Engagement in der Kirche ist nicht eine Wahl, sondernTaufe und Firmung. Jeder Christ und jede Christin ist aufgerufen, sich am Auftrag der Kirche zu beteiligen.Im caritativen Bereich beobachten wir oft den Effekt, dass Kirchengemeinden sich aus der sozialen Arbeit mitVerweis auf die professionellen Angebote der institutionellen Caritas zurückziehen. So wertvoll diese professionelleArbeit ist, sie ersetzt nicht das persönliche Engagement der Getauften. Hier geht es um das Zeugniseines jeden Menschen. Das Gleiche gilt im Engagement für das Leben unserer Seelsorgebereiche. Wir müssenversuchen, Menschen mit den unterschiedlichsten Charismen zu ermutigen, sich zu beteiligen. Zur Mitarbeitin einem Gremium wie Pfarrgemeinderat oder Kirchenvorstand ist zweifellos ein ganz spezielles Charismanötig. Es gibt aber darüber hinaus sehr viele Menschen, die sich auch außerhalb dieser Gremienstruktur segensbringendund verantwortlich einbringen und engagieren. Ich betone noch einmal das Wort verantwortlich.Es ist keineswegs unser Ziel, die verantwortliche Mitgestaltung des Gemeindelebens zu beschneiden. Ichbin aber der festen Überzeugung, dass dies auch mit einer klareren und einfacheren Gremienstruktur möglichist. Insbesondere kann es dann besser als bisher gelingen, auch Menschen einzubinden, die sich nur einebestimmte Zeit oder für ein bestimmtes Projekt engagieren wollen. In der Vorbereitung des Weltjugendtagesist uns das mit den Kernteams sehr gut gelungen.

Eine weitere Frage, die mir in diesem Zusammenhang oft gestellt worden ist, betrifft die Zeitschiene von„Wandel gestalten“. Wir haben uns entschieden, die Neuordnung der Seelsorgebereiche in einem ehrgeizigenzeitlichen Rahmen umzusetzen, damit wir unsere Arbeit nicht auf Jahre mit Strukturdebatten lähmen, sonderndirekt beginnen, uns mit den wesentlichen inhaltlichen Fragen zu beschäftigen.

5. Wir wollen mehr Zeit für die Seelsorge haben. Dafür müssen wir von Verwaltungsaufgaben entlasten.

Zeitgleich mit „Wandel gestalten“ habe ich den Herrn Generalvikar beauftragt, ein Projekt auf den Weg zubringen, das die Pfarrer von Verwaltungstätigkeiten entlasten soll. So haben wir zum Beispiel geprüft, wo wiraufwändige Genehmigungsverfahren vereinfachen können, wie die Unterstützung der Gemeinden durch dieRendanturen verbessert werden kann und welche Verwaltungstätigkeiten der Pfarrer an andere Hauptamtlichein der Pastoral abgeben kann. Ich bin überzeugt, dass auch die klare Leitungsstruktur unserer Seelsorgebereicheeiniges vereinfachen wird. Wir haben zukünftig in jedem unserer 180 Seelsorgebereiche einen leitendenPfarrer, einen Pfarrgemeinderat und einen Kirchenvorstand bzw. in der Pfarreiengemeinschaft eineVerbandsvertretung. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese sehr klare Gremienstruktur erstens die Kooperationfördern wird und zweitens die ehrenamtlichen Gremienmitglieder stärker als bisher in Leitungsentscheidungeneinbindet.

Ich sagte es schon am Anfang, die heutige Entscheidung ist erst der Auftakt unseres Projekts „Wandel gestalten– Glauben entfalten“. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir gemeinsam überlegen,wie wir dieses Projekt mit Leben füllen. Zu den nächsten Schritten wird gleich mein Generalvikar noch etwassagen. Schon für die kommende Woche haben wir Sitzungen sowohl des Priesterrates als auch der Vollversammlungdes Diözesanrates vorgesehen. Es ist – in großer Offenheit – das gemeinsame Bemühen, Perspektivenfür die Zukunft zu schaffen, erkennbar. Unser Projekt „Wandel gestalten“ ist mit dem Untertitel „Perspektive2020“ versehen. Es soll uns – bis mindestens zum Jahr 2020 – weitere Strukturdiskussionen ersparen,so dass wir wirklich Zeit haben, Perspektiven für die zukünftige Seelsorge zu entwickeln. Ich bin dankbar,dass sich die Gremien in unserem Erzbistum mit mir auf den Weg in die Zukunft machen, damit wir im ErzbistumKöln Christus neu berührbar machen können.


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