18 Oktober 2007, 11:53
Eine Intervention Gottes
 
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Warum Psychoanalyse eine "Beichte ohne Gnade" ist und wir Input von oben brauchen: P. Johannes Lechner sprach beim Kongress "Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie".

Graz (www.kath.net) „Das Wesen des Sakramentes besteht darin, dass es eine Intervention Gottes ist.“ Das erklärte der frühere Prior der St.-Johannes-Gemeinschaft in Marchegg, P. Johannes Lechner fj, bei einem Workshop im Rahmen des Kongresses „Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie“, der vom 11. bis 13. Oktober in Graz stattfand. KATH.NET nahm an dem Workshop teil. Ein Bericht von Petra Knapp-Biermeier.

Gemeinsam mit dem Grazer Krankenhausseelsorger Bernd Oberndorfer sprach P. Johannes Lechner über das Wesen des Sakramentes. Ein Sakrament sei „eine Intervention Christi, ein Eingreifen von einem anderen mitten in meinem Leben, in meinem Menschsein in allen Etappen, von der Geburt bis zum Tod“, erläuterte Lechner.

„Kommunikation der Gnade“

Das Wesen des Sakramentes bestehe „in der Kommunikation der Gnade“. Gnade sei etwas, „das nicht von dieser Welt ist“ und deswegen eine Glaubensfrage. Lechner: „Das können wir mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht aufzeigen, dass in den Sakramenten so etwas wie Gnade wirkt. Es gibt keinen Gnadenmesser.“

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Gnade sei etwas, das „unverdient ist, reines Geschenk, etwas, das ich mir auch selbst nicht machen kann“, erklärte er: „Gnade ist das Unbezahlbare, das ich mir nicht kaufen könnte. Gnade hat etwas damit zu tun, dass man ,schön’ wird. Gnade nimmt das Hässliche weg, das moralisch Schwache, macht uns innerlich schön.“ Es sei „ein Geschenk, das wir nicht kontrollieren, nicht meistern, das über uns hinausgeht, auch über den Spender des Sakramentes.“

„Suche Gott im Gewöhnlichen!“

P. Johannes Lechner: „Wir stellen uns das Eingreifen Gottes in unserer Welt immer so außergewöhnlich vor. Dass Christus so ganz einfache Zeichen verwendet hat – Wasser, Brot, Wein, Öl – erinnert uns daran, dass das Eingreifen Gottes nicht in einem außergewöhnlichen Raum geschieht, sondern mitten in unserem Alltag, mitten in unserer leiblichen Existenz. Dort greift er ein!“

Und er appellierte: „Suche Gott nicht im Außergewöhnlichen, sondern im Gewöhnlichen! Er greift ein, mitten im Alltag, mitten in unserer leiblichen Existenz. Wir müssen nicht Platoniker werden, um auszuziehen aus dieser Welt, aus unserem Leib, aus all dem, was mir im Alltag begegnet. Nein, dort mitten drinnen zeigt sich Gott!“

Die Wirkung der Krankensalbung

Er könne als Priester bezeugen, „dass dort Dinge geschehen, die ich nicht erklären kann“. Er erzählte von einem 60-jährigen krebskranken Mann, den er begleitet hatte. Der Mann, der sein Leben lang nie zur Kirche ging, stand vor einer schweren Operation. „Er fragte ihn: ,Was soll ich jetzt tun?’“

Der Pater sprach mit ihm und spendete ihm schließlich die Krankensalbung. Die Wirkung war stark, berichtete er: „Die erste Wirkung der Krankensalbung war, dass auf einmal seine ganze Verzweiflung weg war – schlagartig. Er war auf einmal fröhlich mitten in seiner Krankheit, er war gelassen und heiter, er konnte auf einmal seine Situation annehmen. Eine Woche später fühlte er sich auch körperlich so frisch, dass er meinte, keine Operation zu brauchen. Es war keine körperliche Heilung, aber er ging mit so einer Gelassenheit und Stärke in die Operation hinein, und die Ärzte konnten es nicht erklären, wie er den Eingriff überlebt hat. Für ihn selber – nach seiner eigenen Interpretation – war es die Wirkung der Krankensalbung.“

Ein Leuchten in seinen Augen

Das zweite Sakrament, das P. Johannes Lechner ihm anbot, war die Beichte. Nach 50 Jahren beichtete der Mann das erste Mal, erzählte er. „Die Frucht dieser Beichte war ein Leuchten in seinen Augen, ein Strahlen in seinem Gesicht, ein Friede, ein ungemeiner Trost, eine Kraft, die er selbst sich nicht erklären konnte, weil er nicht unbedingt ein Weihwasserfrosch war. An diesen Früchten kann man sehr wohl merken: Hier gibt es Kommunikation von Gnade, eine Verwandlung des Menschen, eine Heilung. Dieser Mann ist nicht geheilt worden, er ist gestorben, zwei Jahre später.

Er ist gestorben mit einer Zuversicht und Gelassenheit, mit einem solchen Frieden, wie ich das jedem Menschen nur wünschen kann. Das ist eine heilende Wirkung des Sakramentes – innere Heilung. Es hat eine Perspektive eröffnet, über sein irdisches Leben hinaus, zum ewigen Leben. Es ist eine Implantation des ewigen Lebens mitten in unserem Leben, das durch die Sakramente geschieht, und das ist wunderbar.“

Absolutes Beichtgeheimnis

Priester seien im Übrigen „an das absolute Beichtgeheimnis gebunden“, betonte er. Im Kontext des Kongresses sei es einmal „so herausgekommen, als müsste man zum Psychotherapeuten gehen, um dem Berufsgeheimnis zu unterliegen“. Lechner: „Katholische Priester sind absolut an das Beichtgeheimnis gebunden. Ein katholischer Priester wird ipso facto exkommuniziert, wenn er das Beichtgeheimnis bricht. Das ist absolut streng.“

Hinzu komme: „Außerdem haben wir eine ganz besondere Gnade des Vergessens, die mit der Gnade der Priesterweihe mitgegeben wird. Jesus selbst hat ein schlechtes Gedächtnis gehabt für unsere Sünden, weil ihn das eigentlich nicht interessiert. Was ihn interessiert, ist unsere Liebesfähigkeit, unsere Suche nach der Wahrheit, nicht unsere Sünden. Ich wüsste eigentlich gar nicht mehr, was die Leute gebeichtet haben in dieser Woche.“

Beichte ohne Gnade

Das Sakrament der Versöhnung sei „ein unheimlich starkes Zeichen der Selbstannahme“, unterstrich er. „Es sagt uns: ,Du bist geliebt, auch mit deinen unschönen Seiten.’“ P. Johannes Lechner wies auf den Unterschied zwischen Beichte und Psychotherapie hin und zitierte Papstprediger Raniero Cantalamessa, der einmal meinte: „Die Psychoanalyse ist wie eine Beichte, die keine Gnade spendet.“

„Ich denke, es ist ein wahres Wort“, sagte Lechner. „Die Therapie kann sehr hilfreich sein, kann einen Dienst leisten, um die Dinge aufzuzeigen, um eine größer Klarheit zu bekommen über sich selbst, zu sehen, wo man positive Ansätze hat um weiterzugehen. Aber vollziehen kann sie das nicht!

Denn wir alle wissen sehr gut, was wir tun sollen. Wir spüren in unserem Innersten, was nicht ganz richtig ist. Wir spüren, dass wir uns eigentlich ändern möchten, aber es ist so schwer… ich schaffe es nicht!“

„Input von oben“

Das eigentliche Problem gerade der westlichen Gesellschaft sei nicht, „dass die Menschen ihre Probleme nicht erkennen“, unterstrich er: „Die Menschen haben ein gutes Gespür. Das Problem ist, dass sie es nicht schaffen. Und ohne Gnade ist es auch nicht schaffbar. Wir brauchen wirklich Input von oben, von einem anderen. Nur von außen können diese Dinge gelöst werden. Wir können das nicht selbst lösen.“

Wichtig sei zu sehen: „Es gibt eine Tendenz im Menschen, die Dinge selber lösen zu wollen. Aber es gibt Bereiche, da können wir es selbst nicht lösen, ganz besonders wenn es um Schuld geht und um Sünde.

Das können auch keine anderen Menschen lösen, das kann nur Christus lösen, in der Kraft seines Kreuzes und seiner Auferstehung. Es geht um einen wirklichen Neuanfang. Es geht nicht um Vertröstung und darum zu sagen: Es war nicht so schlimm! Es geht um einen wirklichen Neuanfang.“

Sakramente sind keine Einengung

Gott wirke auch außerhalb der Sakramente, erklärte er auf eine Anfrage. „Gott ist nicht in seinem Wirken an die katholischen Sakramente gebunden. Er wirkt weit darüber hinaus. Er wirkt auch ohne Sakramente. Die Sakramente sind nicht eine Einengung oder eine absolute Festlegung des Wirkens Gottes.“

Dennoch: „Nach unserem katholischen Verständnis hat Christus die Sakramente eingesetzt, um durch sie in einer ganz besonderen Weise zu wirken. Deswegen kann ich auch nicht das Wirken Gottes an diesen Sakramenten vorbei sehen. Dort, wo das jemand annehmen und verstehen kann, ist es äußerst wichtig, dass er das in Anspruch nimmt.“ Das Sakrament gebe der Buße „eine sakramentale Gnade, die außerhalb des Bußsakramentes nicht erlebt wird“, betonte er.

Foto: (c) Klemens Hrovath







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