12 Oktober 2007, 12:38
‚Die längste Antifa-Sitzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen’
 
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Der Rauswurf von Eva Herman bei "Kerner" kennzeichnet den Tiefpunkt deutscher Redefreiheit – ein Kommentar von Eckhard Nickig/Idea.

Berlin (www.kath.net)
Der Schriftsteller Martin Walser nannte 1994 die freie Rede in Deutschland angesichts des Tugendterrors der „politischen Korrektheit“ ein halsbrecherisches Risiko. Anlass war die gescheiterte Präsidentschaftskandidatur des sächsischen CDU-Politikers Steffen Heitmann, von dem ein paar unverdächtige Äußerungen zum Frauenbild und zum Dritten Reich solange uminterpretiert wurden, bis daraus „verbale Brandsätze“ wurden.

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Das ZDF lieferte in der Talk-Sendung „Johannes B. Kerner“ am 9. Oktober den Beweis, dass es um die freie Rede inzwischen noch schlechter bestellt ist. Kerner hielt Tribunal über Herman und ihre angeblichen positiven Äußerungen zu den Familienwerten im Nationalsozialismus. Tatsächlich entpuppte sich die Medienfassung des Zitats nach Einspielung des Originals als falsch und das Original schlimmstenfalls als unverständlich.

Herman geht, Komiker kommt

Doch Kerner behandelte Herman wie bei der Inquisition. Immer wieder insistierte er, ob sie ihren Fehler nicht endlich zugeben wollte. Nach einer knappen Stunde hoffte er wohl, dass die Unschuldige weichgekocht war, und wollte ihr nochmals ein Geständnis abpressen. Doch Herman blieb standhaft und wandte sich zudem gegen den Unsinn, jeden Vergleich mit dem Dritten Reich unter Strafe zu stellen.

Das Vergleichen wollen ihr ausgerechnet Gegner verbieten, die sie selbst permanent als „Eva Braun“ verunglimpfen. Hermans Weigerung war zuviel für die Runde, worauf der Moderator sie hinauswarf. Dass ein mittelmäßiger Komiker noch im Herausgehen von Frau Herman deren Platz besetzte, kann als Sinnbild genommen werden: Die Meinungsführer schütteln unbequeme Existenzfragen ab und wenden sich lieber wieder der Spaßkultur zu.

Ein Geschichtsprofessor hatte sich nicht entblödet, Herman mit Belehrungen über das Dritte Reich zu konfrontieren, die jeder Sechstklässler kennt, und bekanntzugeben, dass er die Frage „Hat Eva Herman recht?“ an seiner Universität als Prüfungsfrage eingeführt habe.

Der Moderator Kerner schämte sich nicht, einen kritischen Satz aus Hermans Buch über Individualismus mit einem Satz des NS-Ideologen Alfred Rosenberg in Zusammenhang zu bringen, in dem auch dieser den hemmungslosen Individualismus beklagt. Der Publizist Hendrik M. Broder merkte auf „Spiegel online“ zu Recht an, dies sei ungefähr so, als wolle man Nichtraucher und Vegetarier zu Verbündeten von Adolf Hitler machen. Broder nannte die Sendung „die längste Antifa-Sitzung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“.

Paranoide Reaktion

Zuvor hatte bereits ein Minister in Hessen die Schirmherrschaft für den katholischen Kongress „Freude am Glauben“ niedergelegt, nur weil Eva Herman dort als Rednerin auftrat. Wie ist es nur möglich, dass die Eliten derart paranoid auf eine Frau reagieren, die lediglich konservative Familienwerte einfordert und das Wohl von Kindern in den Mittelpunkt stellt.

Ist es das kollektive schlechte Gewissen über die Kollateralschäden der Selbstverwirklichung der letzten 30 Jahre? Ist es die Angst, sich auch nur einen Millimeter von der herrschenden Meinung zu entfernen und selber zur Unperson zu werden? Politisch korrekte Meinungsführer in Medien und Politik schließen auf beängstigende Weise die Reihen. Deutschland rückt ein Stück näher an das heran, was Martin Walser die „gestoppte Demokratie“ nannte.

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