28 April 2007, 11:14
Afrika möchte Not an Priestern in Europa lindern
 
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"Dann werden in Deutschland lieber Kirchen geschlossen anstatt aus Polen, Indien, Nigeria oder anderen Ländern Priester aufzunehmen." Obiora Ike fordert zu mehr Verständnis des Heilsplans Gottes auf.

Berlin (www.kath.net / KiN)
Am Sonntag begeht die Kirche den Weltgebetstag um geistliche Berufe. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Botschaft zu diesem Tag deutlich herausgestellt, wie wichtig die Erfahrung der kirchlichen Gemeinschaft ist, um den Ruf Gottes zu hören und ihm zu folgen. Jede göttliche Berufung diene dem Aufbau der kirchlichen Gemeinschaft.

In afrikanischen Ländern, wie Nigeria, gibt es zahlreiche Priester- und Ordensberufungen. Vor allem die Priester wollen auch in Europa tätig sein, wo es einen Mangel an Geistlichen gibt. Dieses Angebot wird nur halbherzig angenommen.

Prälat Obiora Ike war Generalvikar im nigerianischen Bistum Enugu, kennt aber aufgrund seines Studiums in Deutschland sehr gut die hiesigen Verhältnisse. Mit ihm sprach Volker Niggewöhner vom internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT über die Skepsis in Deutschland, Priester aus anderen Ländern und Kontinenten aufzunehmen.

Die Länder in Afrika werden vor allem als Empfängerstaaten weltweiter Unterstützung angesehen. Papst Johannes Paul II. vertrat einen anderen Standpunkt. Er hatte den afrikanischen Christen mehr zugetraut und sie ermuntert, eine aktive Rolle im Dienst am Heilsplan Gottes zu übernehmen. Sind die zahlreichen Berufungen auf Ihrem Kontinent eine Frucht dieses Vertrauens in die missionarischen Fähigkeiten der afrikanischen Kirche?

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OBIORA IKE: Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Früher sind Missionare aus Irland, Deutschland und anderen Staaten nach Afrika gekommen. Doch jetzt ist die Stunde Afrikas: Wir wollen das Geschenk, das wir durch den christlichen Glauben empfangen haben, weitergeben. Papst Benedikt XVI. hat kürzlich betont, in der Kirche müssten die missionarischen Geschenke geteilt werden.

Das heißt: Die Länder, in denen es viele Priester- und Ordensberufe gibt, sollen andere Länder an diesem Segen teilhaben lassen. Die Kirche ist dort, wo die Eucharistie gefeiert wird. Hier ist Jesus Christus gegenwärtig. Jeder Priester, gleich welcher Hautfarbe und Nation, ist eingesetzt, um die Messe zu feiern.

Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben deutlich gemacht, dass wir teilen müssen. In Nigeria haben wir so viele Priester, so dass wir unseren Reichtum bereits mit anderen afrikanischen Ländern teilen. Wir haben unter anderem Priester nach Südafrika und in den Tschad entsandt, um dort die katholische Kirche zu unterstützen. Es wurde sogar eine eigene Missionsgesellschaft gegründet, deren Mitglieder in den USA schwarze Mitbewohner seelsorglich betreuen.

Ihr Angebot, Priester in andere Länder zu entsenden, ist aber nicht nur mit offenen Händen angenommen worden.

Wir mussten tatsächlich zu unserem Bedauern erleben, dass unsere Hilfe abgewiesen worden ist, obgleich der Mangel an Priestern vielerorts groß ist. Ich frage: Wie kann ein Bischof oder ein Vorgesetzter das Angebot von ausländischen Priestern ablehnen, die diesen Dienst leisten könnten? Sind wir da auf dem richtigen Weg?

Wenn Afrika viele Priester hat, die in anderen Ländern auch tätig sein wollen, dann wäre dieses Geschenk doch anzunehmen, oder nicht? Vor hundert Jahren gab es keinen afrikanischen Priester. Die ersten Priester kamen vor allem aus Europa. Wir haben durch sie den Glauben empfangen.

Und jetzt wollen wir helfen, doch viele Leute lehnen das ab. Das verstehe ich nicht. Der Geist der Kirche ruft zum Teilen auf: Eucharistie, Gaben und Personal. Wenn es zu wenige Priester gibt, wie zum Beispiel in Deutschland, dann werden lieber Kirchen geschlossen anstatt aus Polen, Indien, Nigeria oder anderen Ländern Priester aufzunehmen.

Viele Afrikaner können es nicht verstehen, wenn Kirchen geschlossen und verkauft werden. Natürlich können Kriege Kirchen zerstören. Aber wenn Kirchen verkauft werden und an ihrer Stelle Diskos oder Hotels entstehen, ist das für uns nicht nachvollziehbar.

Wir bauen einfach neue Kirchen. Wir beten um ein baldiges Umdenken. Schließlich geht von Pfingsten die Botschaft aus: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet die Frohe Botschaft! Es heißt nicht: Schließt die Kirche, obgleich die Menschen die Botschaft Jesu hören wollen.

Die Akzeptanz, ausländische Priester als Seelsorger zu erhalten, ist nicht überall gleich groß. Wie erwidern Sie die Kritik, dass diese nicht richtig Deutsch sprechen oder aus einem anderen Kulturraum stammen?

Viele kirchliche Institutionen haben darauf hingewiesen, es gäbe die Notwendigkeit zum Teilen. Das gilt auch für Priester aus Afrika und anderen Kontinenten. Die Begründung, die Priester aus anderen Ländern könnten kein Deutsch sprechen ist fadenscheinig.

Natürlich müssen die Priester Deutsch lernen. Ich selbst spreche auch Deutsch. Innerhalb eines Jahres ist die deutsche Sprache meines Erachtens zu erlernen. Nicht nachvollziehbar ist das Argument der Ablehnung, dass die Mentalitäten unterschiedlich sind.

Auch Europäer sind nach Afrika gekommen und haben dem Kontinent ihren Stempel aufgedrückt. Ich möchte klar und deutlich sagen: Wir sind zwar alle verschieden, aber wir bilden alle eine Welt.

Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Deutschland-Besuch davon gesprochen, dass es bei uns eine große Hilfsbereitschaft gäbe, wenn es darum geht, soziale Projekte zu unterstützen. Bittet man aber um Hilfe für pastorale, also seelsorgliche Projekte, dann fehle oft das Verständnis dafür, selbst bei Bischöfen. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

Wir Afrikaner sind für jedes Geschenk dankbar, das wir empfangen. Wir schätzen das Hilfswerk KIRCHE IN NOT als verlässlichen Partner in unserer Arbeit vor Ort. Aber wir haben durchaus auch schlechte Erfahrungen in Deutschland gemacht. Papst Benedikt XVI. hat völlig Recht. Die Bischofskonferenz Nigerias hat sogar festgelegt, dass an bestimmte Institutionen kein Antrag mehr zu stellen ist.

Dort wurden Bitten zur Unterstützung der Seelsorge prinzipiell abgelehnt. Die Kirche ist aber für die Afrikaner ein Zentrum: Hier wird das Brot geteilt, hier finden HIV-infizierte Menschen Hilfe, hier wird Trinkwasser verteilt.

Wenn es keine Kirchen gäbe, würde eine Anlaufstelle für sie fehlen. Die Kirche ist der Schlüssel zur Gemeinde, zur Gesellschaft, zur Kommunität und zur Nächstenliebe. Aus persönlicher Erfahrung kann ich Ihnen Folgendes berichten: Um ein Priesterseminar in der Diözese Enugu bauen zu können, habe ich mit dem Bischof eine Deutschlandreise gemacht und mehrere Bischöfe besucht.

Diese befürworteten unser Vorhaben und sicherten uns Unterstützung zu. Die entsprechenden Dienststellen lehnten aber unsere Bitte ab. Von den Bischöfen hieß es: Wir helfen Euch. Auf unseren Antrag hin wurde uns gesagt: Das können wir nicht fördern. Wir ließen uns nicht entmutigen und griffen zur Selbsthilfe.

Das Priesterseminar ist nun fertig gebaut, anderenfalls hätten wir 300 Priesteramtskandidaten nach Hause schicken müssen. Uns ist sehr daran gelegen, gute Priester auszubilden. In den deutschsprachigen Ländern herrscht eine ausgesprochen große Hilfsbereitschaft. Und dafür sind wir dankbar. Aber wir sind keine Bettler.

Wir wollen teilen und wollen helfen. Die Güter dieser Welt gehören allen Menschen, so lesen wir auch in der katholischen Soziallehre. Es kann aber nicht sein, dass ein Prozent Nigerianer das Gesamtvermögen unseres Landes besitzen und die anderen 99 Prozent nichts davon haben. Das ist nicht richtig! Und es kann auch nicht sein, dass sich die Güter dieser Erde auf der Nordhalbkugel verteilen und die Menschen auf der Südhalbkugel leer ausgehen. Das ist ungerecht!

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