04 Januar 2007, 12:47
Mysteriöser Tod eines Studenten in Peking
 
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Der 24-jährige Bernhard Wilden wurde möglicherweise ermordet, sind seine Eltern überzeugt. Der deutsche Student war ein überzeugter Katholik und Lebensschützer, gehörte möglicherweise der Untergrundkirche an und war Mitglied im KATH.NET-Forum

Peking / Köln (www.kath.net)
Ein junger Kölner Student kam kurz vor Weihnachten in Peking bei einem Sturz von einem Hochhaus ums Leben. Bernhard Wilden wurde möglicherweise ermordet, davon sind zumindest seine Eltern überzeugt. Kurz vor seinem Tod gab der 24-Jährige an, er fühle sich bedroht.

Seit 2002 studierte Bernhard Wilden, überzeugter Katholik aus Köln, in Peking. Sein Studium der chinesischen Sprache, Geschichte und Kultur wurde von der chinesischen Regierung gefördert, seit Beginn des Master-Studiums kamen seine Eltern für sämtliche Kosten auf.

Bernhard spricht fließend chinesisch und legt die Prüfung zum Dolmetscher und Übersetzer ab. Er hat regelmäßigen Kontakt zu seinen Eltern, sie schreiben einander E-Mails und besuchen einander. Regina Wilden, Bernhards Mutter, schildert gegenüber KATH.NET den Hergang der jüngsten schrecklichen Ereignisse.

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„Ein oder zwei Wochen vor Weihnachten las ich irgendwo, dass in diesem Jahr die chinesischen Behörden besonders schlimm gegen Christen vorgehen und ich dachte mir: Hoffentlich wird der Bernhard davon nicht betroffen. Ich dachte nicht im Entferntesten, dass er in Lebensgefahr sei.“

Am 20. Dezember, drei Tage vor seinem Tod, schrieb Bernhard eine E-Mail an seine Mutter, die ihr sofort merkwürdig erschienen sei. „Ihr könnt damit aufhören, Filme zu drehen ... und alles andere“, war darin zu lesen. „Ich gehe nicht mehr ins Kino und verfolge die Nachrichten nicht mehr (außer manchmal Kath.net). Spart euch die Mühe und Kosten.

Ich sage euch voraus, dass ihr nichts finden werdet, selbst, wenn ihr mich bis zu meinem 90. Lebensjahr überwacht. Der Papst ist sicher auch informiert...? Wenn ja, könnt ihr ihm ausrichten, dass ich gar nicht sagen kann, wie leid mir das tut. Noch vieles hätte ich zu sagen, aber Worte können das nicht ausdrücken...“

Was mich betrifft, bin ich bereit, die Konsequenzen zu tragen, die für den normalen Fortgang des ,Weltgeschehens’ nötig sind. Zu einem Mörder will ich keinen von euch machen, aber ich bin zu einem Handel bereit, wie z.B. freiwilliger Hausarrest, allerdings hätte ich dort gerne keine medikamentöse Behandlung, großen Freiraum (also nicht z. B. vielstündige Verhöre), Achtung des genuinen katholischen Glaubens im Sinne des Papstes. Ich höre euer Angebot. Mir ist daran gelegen, euch und der Weltgemeinschaft keine Umstände zu machen.“

Regina Wilden ist besorgt: „Wir konnten und können diese E-Mail nicht einordnen – sie war ohne weitere Erklärung oder weitere Zusätze“ Sie antwortet ihrem Sohn und fragt, wie seine Nachricht zu verstehen sei. „Er hat dann in seiner Antwort an mich abgewiegelt und geschrieben, das sei nur wirres Zeug gewesen.“

Womöglich sei es eine Art imaginäre E-Mail an die chinesischen Behörden gewesen, vermutete sie heute. „Mit dem Wort ‚ihr’ könnte er vielleicht Leute gemeint haben, die ihn eventuell schon einmal kurz unter Arrest genommen oder befragt haben“, mutmaßt sie. „Vielleicht wollte er uns damit einen Hinweis geben – ich glaube auch, dass er allein mit den chinesischen Behörden fertig werden wollte und die Lage nicht realistisch eingeschätzt hat.“

Am 21. Dezember ruft Bernhard seine Mutter an, was er sonst nie tut. Er sagt, dass er sich bedroht fühlt, die Eltern sollen ihn doch in Peking abholen. Regina Wilden antwortet, es sei nicht möglich, so schnell ein Visum zu bekommen und rät ihm, am nächsten Tag nachhause zu fliegen. Bernhard sagt zu. Ein Flugticket nach Hause hat er immer, dafür haben seine Eltern gesorgt.

Am 22. Dezember wendet sich Bernhard erneut per E-Mail an seine Eltern: Er könne das Flugticket nicht finden, schreibt er. Und: „Ich glaube, dass ich schon seit vielen Jahren beobachtet werde, was durch eine Kette von Ereignissen immer weiter verstärkt wurde, so dass jetzt ein Heer von Geheimdienstmitarbeitern um mich herum ist.“

Zwei Tage später, am Heiligen Abend gegen neun Uhr abends, stehen zwei Polizisten und ein Priester vor der Haustüre von Familie Wilden. „Ich habe gleich gewusst, dass mein Sohn tot ist“, sagt Regina Wilden.

Ihr Mann, Gerhard Wilden, recherchiert in Peking bei der Polizeibehörde nach. Über die Todesursache heißt es nur: „Der Leichnam wurde aufgefunden.“ In der Sterbebescheinigung des „Forensic Medical Examination Center“ ist zu lesen: „Bernhard Wilden starb an einem akuten traumatischen hämorrhagischen Schock durch Sturz aus großer Höhe.“

Wilden besucht auch das winzige Studentenzimmer seines Sohnes. Er findet den Pass und das Handy. Nicht auffindbar sind das Flugticket sowie Bernhards Tagebuch. Was seine Eltern eigenartig finden, denn Bernhard hat schon immer Tagebuch geführt. „Er hat zuletzt im März 2005 ein neues angefangen.“ Es gab außerdem weder einen Abschiedsbrief noch Kampfspuren.

Einen Selbstmord halten die Eltern für ausgeschlossen. „Er war nicht depressiv. Im Gegenteil: Ihm ging es gut, er war zufrieden und er hatte seinen Glauben. Warum sollte er sich das Leben nehmen?“ Diese Einschätzung teilt auch Pfarrer Zhang von der „South Cathedral of Beijing“, die Bernhard Wilden regelmäßig besuchte.

Bernhards Mutter ist überzeugt, dass Bernhards Tod etwas mit seinem Glauben zu tun hat. Er habe Postkarten mit dem Bild des Papstes nach Peking gebracht und Souvenirs vom Weltjugendtag in Köln. Und vor allem: „Er verkündet seinen papsttreuen Glauben. Vielleicht gehört er auch der papsttreuen Untergrundkirche an.“

Gegenüber KATH.NET resümiert sie: „Wir leben in einer Zeit, in der es für viele offenbar nicht mehr vorstellbar ist, dass ein Mensch Werte und einen Glauben hat und dass er dafür eintritt bis zur letzten Konsequenz, auch wenn ihm nicht bewusst war, dass diese auf ihn zukommen wird“, meint sie.

„Wenn durch den Tod von Bernhard auch nur ein paar Menschen zum Nachdenken angeregt werden, wie wichtig die Menschenwürde, die Meinungsfreiheit und unsere Religion ist, so wäre sein Tod nicht so ganz sinnlos gewesen.“

Bernhard Wilden (Bernhard82) war seit vielen Jahren Mitglied im KATH.NET-Forum:

R. I. P. Bernhard Wilden - Die KATH.NET-Community trauert um "Berhard82"

Foto: (c) kath.net/privat

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