29 November 2006, 12:48
,Maria, Mutter der Kirche, begleite uns immer auf unseren Wegen’
 
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Der zweite Tag des Papstbesuch begann mit einem geistlichen Highlight im Marienwallfahrtsort Ephesus. KATH.NET-Exklusiv: Die Predigt im Wortlaut.

Ephesus (www.kath.net) Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch am späten Vormittag im türkischen Marienwallfahrtsort Ephesus beim so genannten „Marienhaus“ eine Heilige Messe im Freien gefeiert, an der viele hunderte Gläubige teilgenommen haben. Die Homilie hielt er in italienischer Sprache.

Ephesos ist eine Kleinstadt in der heutigen Türkei in der Nähe der türkischen Ägäis und nicht weit entfernt von Patmos. Der Heilige Paulus hat der Gemeinde einen eigenen Brief gewidmet, den Brief des Paulus an die Epheser.

Ephesos wird weiters im Neuen Testament in der Johannes-Apokalypse bei den sieben Gemeinden erwähnt und war Bischofssitz, wo der Apostel Johannes gewirkt hat. Im Jahr 431 tagte in der Stadt das Konzil von Ephesos, das 3. Ökumenische Konzil.

Es gibt eine lange Tradition, dass die Muttergottes bis zu ihrer Aufnahme in den Himmel in Ephesos gelebt hat. Im 12. Jahrhundert wird auch im Westen zum ersten Mal das kleinasiatische Ephesus als Sterbeort Mariens erwähnt. Patriarch Michael der Syrer hängt dieser Ansicht an, da in den verstümmelt erhaltenen Konzilstexten von Ephesus aus dem Jahre 431 vom Theologen Johannes und der jungfräulichen Gottesmutter die Rede ist.

Bekannt wird Ephesos wiederum im 19. Jahrhundert, als die 2004 selig gesprochene deutsche Seherin Anna Katharina Emmerich in ihren von Clemens von Brentano niedergeschriebenen Visionen mitteilte, dass Maria in Ephesus gelebt hat und dort gestorben ist.

Französische Lazaristenpatres haben lange nach dem Tode der Seherin an Ort und Stelle gesucht und 1891 ein Haus und ein Kirchlein ausgegraben, dessen Fundamente auf das erste Jahrhundert nach Christus zurückgehen.

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Die Predigt von Papst Benedikt XVI. im Wortlaut

Liebe Brüder und Schwestern!

In dieser Eucharistiefeier preisen wir den Herrn für die göttliche Mutterschaft Mariens, ein Geheimnis, das in Ephesus beim Ökumenischen Konzil im Jahr 431 feierlich bekannt und verkündet worden ist. Zu diesem Ort, der der christlichen Gemeinde so viel bedeutet, kamen meine ehrwürdigen Vorgänger, die Diener Gottes Paul VI. und Johannes Paul II., als Pilger. Letzterer besuchte das Heiligtum am 30. November 1979, nur etwas über ein Jahr nach Antritt seines Pontifikats.

Ein weiterer Vorgänger war in diesem Land nicht als Papst, aber als päpstlicher Gesandter, im Jänner 1935 bis zum Dezember 1944, der selige Johannes XXIII., Angelo Roncalli, dessen Andenken noch immer große Verehrung und Liebe hervorruft.

Er schätzte und bewunderte das türkische Volk sehr. Hier würde ich gerne einen Eintrag zitieren aus seinem „Tagebuch einer Seele“: „Ich liebe die Türken, ich schätze die natürlichen Qualitäten dieser Menschen, die ihren eigenen Platz reserviert haben im Fortschritt der Zivilisation.“ (pp 233-4). Er hinterließ den Menschen auch die Erbschaft seines christlichen Optimismus, der verwurzelt war in einem tiefen Glauben und einer unablässigen Verbindung mit Gott.

Im gleichen Geist wende ich mich an diese Nation und auf eine besondere Weise an die „kleine Herde“ der Christen, die in ihrer Mitte lebt, um ihnen ein Wort der Ermutigung zuzusprechen und die Zuwendung der ganzen Kirche zu bekunden. Mit großer Liebe grüße ich alle hier Anwesenden, die Gläubigen von Izmir, Mersin, Iskenderun und Antakia, und alle von verschiedensten Teilen der Welt, ebenso wie jene, die nicht an dieser Feier teilnehmen können, aber im Geiste mit uns verbunden sind.

Ich grüße besonders Erzbischof Ruggero Franceschini von Izmir, Erzbischof Giuseppe Bernadini, den emeritierten Erzbischof von Izmir, Bischof Luigi Padovese, die Priester und die Gläubigen. Danke für eure Anwesenheit, euer Zeugnis und euren Dienst an der Kirche in diesem gesegneten Land, wo die christliche Gemeinde schon in ihren Anfängen großes Wachstum erlebte, eine Tatsache, die durch zahllose Pilgerreisen, die bis heute in die Türkei gemacht werden, widergespiegelt wird.

Mutter Gottes- Mutter der Kirche

Wir haben eine Stelle aus dem Evangelium des heiligen Johannes gehört, der uns dazu einlädt, den Augenblick der Erlösung zu betrachten, als Maria, verbunden mit ihrem Sohn in der Darbringung seines Opfers, ihre Mutterschaft auf alle Männer und Frauen ausgedehnt hat, und besonders auf die Jünger Jesu.

Ein bevorzugter Zeuge dieses Geschehens war der Verfasser des vierten Evangeliums, der einzige der Apostel, der zusammen mit der Mutter Jesu und anderen Frauen auf Golgotha blieb. Marias Mutterschaft, die mit ihrem „fiat“ in Nazareth begann, erfüllt sich am Fuße des Kreuzes.

Obwohl es wahr ist, wie der heilige Anselm sagt, dass „von dem Moment ihres ,fiat’ an Maria begonnen hatte, uns alle in ihrem Mutterschoß zu tragen“, begann die mütterliche Berufung und Sendung der Jungfrau gegenüber denen, die an Christus glauben, als Jesus zu ihr sagte: „Frau, siehe dein Sohn!“ (Joh 19,26). Vom Kreuz auf seine Mutter und den geliebten Jünger an ihrer Seite herab schauend, erkannte der sterbende Christus die ersten Früchte der Familie, die er in der Welt gebildet hatte, den Beginn der Kirche und der neuen Menschheit.

Aus diesem Grund sprach er Maria als „Frau“ an, nicht als „Mutter“, jenen Begriff, den er verwenden würde, um ihr den Jünger anzuvertrauen: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,27). Dadurch erfüllte der Sohn Gottes seine Sendung: Aus der Jungfrau geboren, um unsere menschlichen Gegebenheiten in allem zu teilen außer der Sünde, ließ er bei seiner Rückkehr zum Vater das Sakrament der Einheit des menschlichen Geschlechtes in der Welt zurück (Lumen Gentium, 1): Die Familie „vereint durch die Einheit des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“ (Heiliger Cyprian, De Orat.Dom, 23: PL 4, 536), in deren Herzen sich dieses neue Band zwischen der Mutter und dem Sohn befindet. Marias göttliche Mutterschaft und ihre kirchliche Mutterschaft sind daher untrennbar miteinander verbunden.

Mutter Gottes – Mutter aller Einheit

Die erste Lesung zeigt das, was das „Evangelium“ des Apostels aller Heiden genannt werden könnte: Alle Männer und Frauen, einschließlich der Heidenvölker, sind in Christus dazu berufen, das volle Geheimnis der Erlösung zu teilen. Der Text beeinhaltet auch den Ausdruck, den ich als Motto für meine apostolische Reise gewählt habe: „Er, Christus, ist unser Friede.“ (Eph 2,14).

Inspiriert vom Heiligen Geist sagt uns Paulus, dass Christus uns nicht nur den Frieden gebracht hat, sondern dass er unser Friede ist. Und er begründet diese Aussage, indem er auf das Geheimnis des Kreuzes verweist: Im Vergießen „seines Blutes“, im Opfer seines Fleisches zerstörte Jesus die Feindschaft „in sich“ und erschuf „in sich selbst einen neuen Menschen statt der zwei“ (Eph 2,14-16).

Der Apostel erklärt, wie auf wahrhaft unvorhergesehene Weise der messianische Friede in der Person Christi und seinem rettenden Geheimnis gekommen ist. Er erklärt es, indem er während seiner Gefangenschaft an die christliche Gemeinde, die dort in Ephesus lebte, schreibt: „An die Heiligen in Ephesus, die an Christus Jesus glauben“ (Eph 1,1), wie die Begrüßung seines Briefes sagt.

Der Apostel wünscht ihnen: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (Eph 1,2). Gnade ist die Kraft, die die Menschen und die Welt verwandelt; der Friede ist die reife Frucht dieser Verwandlung. Christus ist Gnade, Christus ist der Friede.

Paulus weiß, dass er gesandt wurde, um ein Geheimnis zu verkünden, einen göttlichen Plan, der nur in der Fülle der Zeit durch Christus ausgeführt und offenbart worden ist; nämlich damit „die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium“. (Eph 3,6).

Dieses Geheimnis ist vollendet, in der Heilsgeschichte, in der Kirche, den neuen Völkern, in denen, nun, da die alte trennende Wand zerschlagen wurde, Juden und Heiden sich vereint finden. Wie Christus selbst ist die Kirche nicht nur Instrument der Einheit, sondern auch ihr wirksames Zeichen. Und die Jungfrau Maria, die Mutter Christi und der Kirche, ist die Mutter dieses Geheimnisses der Einheit, das Christus und die Kirche untrennbar kennzeichnet und aufbaut, in der Welt und durch die ganze Geschichte.

Lasst und um Frieden flehen für Jerusalem und die ganze Welt.

Der Apostel der Heiden sagte, dass Christus „die beiden Teile vereinigte“ (Eph 2,14). Diese Worte beziehen sich genau auf die Beziehung zwischen Juden und Heiden im Geheimnis des ewigen Heiles, und doch können sie analog ausgeweitet werden auf die Beziehung zwischen den Menschen und Zivilisationen heute in der Welt.

Christus „kam und verkündete den Frieden“ (Eph 2,17), nicht nur zwischen Juden und Nicht-Juden, sondern zwischen allen Nationen, weil sie alle ihren Ursprung im selben Gott haben, dem einen Schöpfer und Herren des Universums.

Gestärkt durch Gottes Wort, lasst uns hier in Ephesus, einer Stadt gesegnet von der Gegenwart der allerseligsten Maria, die auch von den Moslems geliebt und verehrt wird, ein besonderes Gebet an den Herrn richten um Frieden zwischen den Völkern.

Von diesem Teil der anatolischen Halbinsel, einer natürlichen Brücke zwischen den Kontinenten, lasst uns den Frieden und die Versöhnung herabflehen, über all diese, die in dem Land wohnen, das „heilig“ genannt wird, und als solches von Christen, Juden und Moslems betrachtet wird: Es ist das Land Abrahams, Isaaks und Jakobs, bestimmt dazu, das Zuhause von Menschen zu sein, die ein Segen für alle Nationen sein werden. (cf Gen 12,1-3). Frieden für das ganze Menschengeschlecht! Möge Jesajas Prophezeihung sich bald erfüllen:

„Er spricht Recht im Streit der Völker, / er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern / und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, / und übt nicht mehr für den Krieg.“ (Jes 2,4). Wir alle brauchen diesen universellen Frieden, und die Kirche ist nicht nur gerufen, der prophetische Bote zu sein, sondern noch mehr, das „Zeichen und Instrument“ dieses Friedens zu sein.

Vor dem Hintergrund des universellen Friedens wird die Sehnsucht nach voller Gemeinschaft und Übereinstimmung zwischen allen Christen noch tiefer und stärker. Bei der heutigen Feier sind katholische Gläubige verschiedener Riten anwesend, und das ist ein Grund, um Gott froh zu preisen.

Diese Riten sind nämlich ein Ausdruck der Vielfältigkeit, mit der die Braut Christi geschmückt ist, vorausgesetzt, dass wir zusammen kommen in Einheit und im gemeinsamen Zeugnis. Beispielhaft muss die Einheit unter den Mitgliedern der Bischofskonferenz sein, in der Gemeinschaft und im gemeinsamen pastoralen Engagement.

Magnificat

In der heutigen Liturgie haben wird als Antwortpsalm den Lobpreis der Jungfrau von Nazareth beim Treffen mit ihrer älteren Cousine Elisabeth (Lk 1,39). Unsere Herzen werden ebenfalls von den Worten des Psalmisten getröstet: „Es begegnen einander Huld und Treue; / Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ (Ps 85,10).

Liebe Brüder und Schwestern, bei diesem Besuch möchte ich gemeinsam mit der gesamten Weltkirche meine persönliche Liebe und geistige Verbundenheit der christlichen Gemeinschaft in der Türkei übermitteln, einer kleinen Minderheit, die mit vielen Herausforderungen und täglichen Schwierigkeiten konfrontiert ist.

Mit großem Vertrauen lasst uns gemeinsam mit Maria das Magnificat als Lob und zur Danksagung an Gott singen, ein Gott, der mit großem Wohlgefallen auf die Demut seiner Diener sieht (Vgl. Lk 1,48). Lasst uns gemeinsam voller Freude singen, auch wenn wir Schwierigkeiten und Gefahren ausgesetzt sind, wie wir durch das Zeugnis des römischen Priesters Don Andrea Santoro gesehen haben, an dem ich bei dieser Feier erinnern möchte.

Maria lehrt uns, dass die Quelle unserer Freude und unserer einzigen sicheren Hilfe Christus ist, und sie wiederholt seine Worte: „Fürchtet euch nicht“ (Mk 6,50) und „Ich bin mit euch“ (Mt 28,20). Vertrauen wir uns seinen starken Armen an (vgl. Lk 1,51). Maria, Mutter der Kirche, begleite uns immer auf unseren Wegen! Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns! Aziz Meryem Mesihi’in Annesi bizim icin Dua et. Amen.

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