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Hilferuf aus dem Irak: Immer mehr Christen müssen fliehen

26. Oktober 2006 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Zwölf katholische Zentren und mindestens fünf katholische Kirchen mussten vorübergehend schließen, berichtete ein Ordensmann.


Bagdad (www.kath.net / Zenit) Der irakische Redemptoristenpater Bashar Warda warnte vor kurzem in Königstein davor, dass sich im Irak die Lage insbesondere für die christliche Minderheit dramatisch zuspitze. Immer mehr Christen sähen sich aufgrund der Auseinandersetzung zwischen Schiiten und Sunniten gezwungen, aus der irakischen Hauptstadt zu fliehen – sogar aus Vierteln wie „Al Dora“, die als sicher gälten.

Viele suchten in sicherere Regionen des Landes Zuflucht, zum Beispiel im Kurdengebiet im Norden des Landes. Rund 700 Familien seien bereits in den Nordirak, nach Syrien oder Jordanien geflohen; zwölf katholische Zentren – darunter das „Babel College“, die einzige theologische Fakultät – und mindestens fünf katholische Kirchen hätten zumindest vorübergehend schließen müssen.

Der Ordenspriester berichtete am Hauptsitz von Kirche in Not, dass es immer wieder Anschläge gegen die Christen im Irak gebe. Ende August sind zwei chaldäisch-katholische Priester in Bagdad entführt worden, der mittlerweile frei gekommene Pfarrer Saad Sirup Hanna von der Gemeinde Sankt Jakob und P. Basil Yaldo, Rektor am Priesterseminar St. Peter. Viele Christen kehrten ihrer Heimat ganz den Rücken, beklagte der Priester.

Gegenüber ZENIT bezeichnete der Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, die irakische Hauptstadt Bagdad in der vergangenen Woche erneut als ein regelrechtes „Gefängnis“, aus dem die Christen auszubrechen versuchten.

Für Pater Warda gibt es für Bagdad allerdings einen Hoffnungsschimmer – in Form einer katholischen Schule, in der Christen (30 Prozent) und Muslime (70 Prozent) gemeinsam die Schulbank drückten. Das dort gebotene interreligiöse Ausbildungskonzept ginge voll auf, meinte der Priester. Es komme zu keinen größeren Spannungen.

Pater Joaquín Alliende, Kirchlicher Assistent von „Kirche in Not“, hat angesichts der steigenden Zahl von Christen, die im Irak Übergriffen der muslimischen Bevölkerungsmehrheit ausgesetzt sind, zu intensivem Gebet aufgerufen. Viele Christen müssten im Irak mit dem Schlimmsten rechnen, da sie von nichtstaatlichen Gruppierungen verfolgt würden.

Auch nach Angaben des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) hat sich die Christenverfolgung im Irak deutlich verschärft.

Das Christentum hat in Mesopotamien, dem antiken Zweistromland auf dem Gebiet des heutigen Irak, begonnen und sich von dort ausgebreitet. Bis zum 14. Jahrhundert waren die meisten Bewohner Christen. Bis zum Jahr 2003 gab es Schätzungen zufolge noch über eine Million Christen im Irak. Heute sollen es nur noch halb so viele.



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