03 Juli 2006, 12:04
Paul Josef Nardini wird seliggesprochen
 
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Benedikt XVI. unterschreibt Dekret für Seligsprechung Paul Josef Nardinis - Kongregation für Selig- und Heiligsprechung hat eine mehr als 50 Jahre zurückliegende, medizinisch nicht erklärbare Heilung als Wunder anerkannt.

Regensburg (www.kath.net/pdr)
Papst Benedikt XVI. hat das Dekret zur Seligsprechung des Speyerer Diözesanpriesters und Ordensgründers Paul Josef Nardini unterschrieben. Zuvor hatte die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen bei ihrer letzten Versammlung im Mai eine mehr als 50 Jahre zurückliegende, medizinisch nicht erklärbare Heilung als Wunder anerkannt, das der Fürsprache Nardinis zugeschrieben wird. Das seit 15 Jahren laufende Untersuchungsverfahren ist damit in allen Instanzen positiv abgeschlossen. Voraussichtlich wird die Seligsprechung noch in diesem Jahr stattfinden. Die im vergangenen Jahr erlassenen neuen vatikanischen Normen ermöglichen es, dass die Seligsprechung im Bistum Speyer erfolgen kann - allerdings nicht mehr wie bisher durch den Papst, sondern einen bevollmächtigten Vertreter.

"Gott gibt jedem Menschen Chancen"

Schwester Radegund aus der Gemeinschaft der Mallersdorfer Schwestern hat sich ausführlich mit dem Leben des Gründers der Gemeinschaft, Paul Josef Nardini, befasst, der in Kürze seliggesprochen wird. Schwester Radegund spricht über ihre Einschätzungen bezüglich seiner Bedeutung und seines Charismas.

Frage: Wie ist die Gemeinschaft in den Seligsprechungsprozess eingebunden? Wie hat sie ihn bisher begleitet und mitverfolgt?

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Schwester Radegund: Seit Beginn des Prozesses, im Jahre 1990, haben die einzelnen Konvente täglich um die Seligsprechung gebetet. Die Schwestern wurden über den Verlauf der Seligsprechung, über die einzelnen Schritte und Ereignisse informiert und auf dem Laufenden gehalten. In Vorträgen während der jährlichen Exerzitien, die die Schwestern in Mallersdorf gemacht haben, wurde versucht, den Schwestern die Persönlichkeit Nardinis, seine Spiritualität, seine Ideen nahe zu bringen.

Frage: Können Sie die wichtigsten Lebensstationen von Paul Josef Nardini aufführen?

Schwester Radegund: Paul Josef Lichtenberger wurde am 25. Juli 1821 als uneheliches Kind einer Germersheimer Glasermeisterstochter in Germersheim am Rhein geboren. Er wurde zwei Jahre später, nachdem er "von seiner ganzen Familie verlassen und verstoßen worden war", wie er selber sagte, von einer Großtante, die mit dem italienischen Schuhmacher Anton Nardini verheiratet war, an Kindes statt angenommen. Von da an erhielt er den Familiennamen Nardini. Seine Adoptiveltern erzogen ihn mit großer Sorgfalt, schenkten ihm Geborgenheit und Liebe. Obwohl die Eltern zuerst dagegen waren, weil Paul Josef Schuhmacher werden sollte, erlaubten sie dem hervorragend begabten Jungen nach Beendigung der Volksschule den Besuch der Lateinschule in Germersheim, weil Nardini Priester werden wollte. In Speyer absolvierte er 1841 das Gymnasium mit Auszeichnung und studierte anschließend Philosophie in Speyer und 1843 Theologie in München, wo er 1846 "cum eminentia" - mit Auszeichnung - promovierte. 1846 wurde er am 22. August in Speyer zum Priester geweiht. Nach drei Monaten Kaplanszeit in Frankenthal bei Ludwigshafen wurde er Präfekt im Bischöflichen Konvikt. 1850 ernannte ihn der Bischof zum Pfarrverweser in Geinsheim. 1851 übernahm Nardini die Diasporapfarrei Pirmasens.

Frage: Wann vollzog sich die Gründung Ihrer Schwesterngemeinschaft?

Schwester Radegund: Zur Linderung der großen wirtschaftlichen und sozialen Not, unter der besonders die katholische Bevölkerung litt, gründete Nardini am 2. März 1855 eine Schwesterngemeinschaft, die er Arme Franziskanerinnen von der heiligen Familie nannte, heute bekannt als Mallersdorfer Schwestern. Er gab ihnen den Auftrag, den Armen das Evangelium zu verkünden aus der Kraft eines in Liebe tätigen und in Liebe sich hinopfernden Glaubens. Sie sollten sich vor allem der verlassenen Kinder und Jugendlichen und der hilfsbedürftigen Alten und Kranken annehmen. Am 27. Januar 1862 starb er, erst 40-jährig, an einer Lungenentzündung. Seine letzten Worte waren: "O mein Jesus, bald werde ich aufs innigste mit dir vereint! O Maria, mit deinem sterbenden Sohn, bitte für mich! - Jesus, Maria, Josef !" Nardini hat sich als Priester ganz im Dienste Jesu Christi für die Kirche und die notleidenden Menschen eingesetzt und aufgeopfert.

Frage: Welches war sein Lebensprogramm?

Schwester Radegund: "Nichts soll mich von Jesus scheiden, weder Freude noch Leid, weder Angst noch Qual. Ihm will ich anhangen in demütigem Gehorsam, tiefer Selbstverleugnung und in brennender Liebe. Er ist mein Wendepunkt, der Brennpunkt meines Herzens." Nardini hatte nie etwas anderes erstrebt, als "Gott immer mehr zu erkennen, ihm allein anzuhangen, an ihm allein Geschmack zu finden, (.) ihm, der sich ganz für ihn hingegeben, seine ganze Liebe, alle seine Jugendkraft zu weihen, und so im wahrsten Sinn mit seiner heiligen Gnade ein Brandopfer der himmlischen Liebe zu werden. Wie glücklich wäre ich, wenn ich mich ganz in hingebender Demut in seinem heiligen Liebesfeuer aufzehren könnte". "Liebe ist unser Leben. Liebe ist unsere Bestimmung. Liebe ist das einzige, was Gott von uns fordert."

Frage: Wie ging der Priester mit Rückschlägen um, mit denen er ja auch konfrontiert war? Woher nahm er die Kraft dazu?

Schwester Radegund: Er wollte nur den Armen und Notleidenden helfen und war überzeugt, dass er als Werkzeug Gottes handeln musste. Er versicherte dem Bischof: "Ich will ja nichts haben, als in meinem armen Pirmasens leben, wirken und sterben". Er war von einem unerschütterlichen Gottvertrauen beseelt. Er fühlte sich als Werkzeug in der Hand Gottes! In einem anderen Brief schreibt er an den Bischof: "Jeden Tag tut derjenige, der alle Geschöpfe erhält, seine milde Hand zum Segen auf; denn anders kann ich nicht denken. Ich bin es nicht, ich werde nur wie in einem gewaltigen Strom mitgerissen und muss als schwaches und unwürdiges Werkzeug dienen." Und wieder in einem anderen Brief an den Bischof vom 16. Januar 1855 schreibt er: "Ich glaube, ein jeder Priester hat schon durch die bischöfliche Handauflegung Beruf hierzu" - er bezieht sich auf die Gründung einer Schwesterngemeinschaft und legt dem Bischof seinen Plan vor - "wenn Zeit und die von Gott gefügten Umstände es fordern. Ich verkenne durchaus nicht die vielen Schwierigkeiten, ja ich mache mir alle Hindernisse recht klar, die eintreffen können; aber ich habe ein um so größeres Vertrauen auf Gottes Hilfe und Beistand und ich glaube, ja ich bin überzeugt, das Werk darf nur mutvoll in dem demütigen Gefühl unseres eigenen Nichts, aber mit unbegrenztem Vertrauen auf Gott und mit einem großen apostolischen Opfergeist unternommen werden." Kraft zu dieser Haltung schöpfte er aus einem intensiven Gebetsleben und aus seiner tiefen Freundschaft mit Christus.

Frage: Welches ist sein Charisma?

Schwester Radegund: Nardini war ein Priester von unbegrenztem Gottvertrauen, erfüllt mit wahrhaft apostolischem Opfergeist, der nicht an sich denkt, nur für die Sache des Herrn und für die Armen und Notleidenden kämpft, in echter Demut, im Wissen um die eigene Begrenztheit. "Wo ich bin, bin ich ganz" - totaler Einsatz für das, was er als richtig und notwendig erachtet. Ein weiteres Kennzeichen: Er lebt, was er glaubt. Er sieht im anderen, im notleidenden Bettler den Mitbruder, der leidet, der niedergedrückt ist, dem er helfen will und muss, weil er im Bettler Christus sieht, der sagt: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan". Nardini ist überzeugt: "Die Hunger und Not stillende Gabe darf nicht, wie bisher geschehen und noch geschieht, dem bettelnden armen Mitbruder wie einem Hunde zur Beschwichtigung vorgeworfen" werden. "Der ohnedies so schwer heimgesuchte Arme wird dadurch nur noch mehr niedergedrückt und erbittert. Es muss vielmehr die Gabe mit Liebe, mit christlicher Liebe gereicht werden, es müssen mit der leiblichen Gabe auch geistige Liebesgaben verbunden, mit den Werken der leiblichen Barmherzigkeit auch die der geistigen Barmherzigkeit vereinigt" werden; es muss "unser so tief gesunkenes armes Volk wieder getröstet, geistig erhoben, sittlich ermuntert werden; es muss, mit einem Worte, den Armen das Evangelium gepredigt werden, nicht bloß im Worte, sondern in der Kraft eines in Liebe tätigen und aus Liebe sich hinopfernden Glaubens".

Frage: Was kann der Ordensgründer jungen Menschen in heutiger Zeit sagen?

Schwester Radegund:

Einmal bezogen auf seine Biografie: Ein junger Mensch soll sich Ziele setzen, nicht aufgeben, wenn Schwierigkeiten herankommen, selbst wenn sie unüberwindlich scheinen: Er wollte unbedingt Priester werden, obwohl dieses Ziel unerreichbar schien, denn er war ein uneheliches Kind, stammte aus ärmsten Verhältnissen, sein Stiefvater hatte kein Verständnis für ein Studium. Trotzdem setzte er sich das Ziel und erreichte es! Dann bezogen auf seine Herkunft: Gott hat gezeigt, dass jedes Leben lebenswert ist, dass auch ein Kind, das in eine düstere Zukunft hineingeboren wird, eine Zukunft hat, sogar etwas bewegen, Positives bewirken kann. Es gibt kein "lebensunwertes Leben". Man muss jedem Menschen eine Chance geben, das heißt: Gott gibt jedem Menschen Chancen. Das könnte auch ungewollt schwangeren Frauen Mut machen, ihr Kind auszutragen und anzunehmen, weil dieses Kind vielleicht einen wichtigen Auftrag für Menschen zu erfüllen hat.

KATHPEDIA: Paul Josef Nardini

Mallerstorfer Schwestern

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