20 Juni 2006, 19:16
Fulda oder schlägt in Deutschland wieder ein katholisches Herz?
 
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Ein Bericht von Hans Augustin vom Kongress "Freude am Glauben"

Fulda (www.kath.net)
Was Fulda nicht war: ein Deutscher Katholikentag. Aber das war auch gar nicht beabsichtigt. Dennoch zeigte sich dort von 16. – 18. Juni 2006 ein beachtliches, durch sechs Jahre geduldig gepflegtes, katholisches Pflänzchen, das auf gutem Boden wächst. Und dem Motto gemäß „Freude am Glauben“ wurde tatsächlich so etwas wie Freude sichtbar.

Das Forum Deutscher Katholiken, als Veranstalter dieses Ereignisses, an dem ca. 1.800 Gäste begrüßt werden konnten, hat am ideologischen und emotionalen Umfeld des Weltjugendtages in Köln, 2005, im Sinne von Ermunterung und Aufruf daran teilzunehmen, unbestritten seinen Anteil. Denn vom Feuer des Weltjugendtages in Köln war bei der nicht zu übersehenden Anzahl engagierter und begeisterter Jugendlicher, immer noch einiges spürbar.

In diesem Jahr gab es speziell für sie ein Programmangebot, das von Lobpreis und Anbetung über Impulsreferate, Katechese und Workshops bis zur Straßenmission reichte. Auch wenn der Altersdurchschnitt der etwa 1800 Teilnehmer/innen sich so zwischen 50 und 60 Jahre lag.

Ein Bekenntnis ist gefragt Gemeinschaften wie Totus Tuus, Seligpreisungen, Regnum Christi, Cenacolo, Verbum Dei haben eine erfrischende Dynamik des Glaubens junger Menschen gezeigt. Das gibt berechtigt Anlaß zu Hoffnung einer Glaubenserneuerung und Neuevangelisierung. Sie haben ihr Christentum wieder in den öffentlichen Raum gebracht. Sie haben das umgesetzt was Dr. Püttmann in seinem Impulsreferat „Um meines Namens Willen - verfolgte Christen heute“ als Mangel bezeichnete: in einem christentumentwöhnten Mitteleuropa Bekenntnis abgelegt. Als Antwort auf die allseits gegenwärtige Bekenntnisfaulheit, -unwilligkeit und –feigheit.

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Für viele außerhalb des zivilen, europäischen Rechtsraumes, ist die Ausübung der christlichen Religion, eine Sache auf Leben und Tod. Beispiele dafür brachten Dr. Fouad Ibrahim, Ägypten und Vu Quoc Dung, Vietnam. Diese Christophobie spürte auch Dr. Gudrun Kugler-Lang in ihrem politischen Engagement als entschiedene Streiterin für „pro-life“ Österreich. Die mediale Hetze war mehr als Kreditschädigung und Ehrabschneidung.

Die Kirchen- und Glaubensschmähungen in Deutschland sind an der Grenze zur Blasphemie. Aber solange es sich um das Christentum handelt, gibt es da kein Problem, anders verhielte es sich, wenn es um den Islam ginge.

Was in den einzelnen Vorträgen angesprochen wurde, war das, worauf man längst gewartet hat, dass es ausgesprochen wird: die Korrektur der „Königsteiner Erklärung“ (30. August 1968) der DBK, eine Familienpolitik, die dem Namen gerecht wird, Familie als unersetzbares Modell einer Gesellschaft, denn die Folgen, vor denen in diesem Dokument der Bischöfe der Hl. Geist die Gesellschaft bewahren sollte, sind fatal, um nicht zu sagen desaströs.

Es bleibt zu hoffen, dass die beschworene Unterscheidung der Geister endlich greift und den Bischöfen klar wird, dass nun Handlungsbedarf besteht. Angesichts der tatsächlichen Lage der Gesellschaft.

Die Zahlen der Abtreibungen der vergangenen dreißig, vierzig Jahre, die Auswirkungen der sog. Novellierungen des § 218 zur Straffreistellung der Abtreibung, die ethisch-moralischen Einwände un Erwägungen gegen Embryonenforschung – weil der Mensch ein zwar von Gott geschaffenes aber in der Erbsünde lebendes und agierendes Wesen ist – als eine Art Selbstschutz, die Beendigung der Verharmlosungen der Folgen der Abtreibung durch die „öffentliche Meinung“.

Barbara Dyba-Roth, sprach im Zusammenhang mit „ErsatzteilMedizin“ auch in ihrem Referat „Jeder Mensch – ein Liebesruf Gottes“ von einer besonderen Form des Kannibalismus: den eigenen Nachwuchs töten, damit die Eltern überleben können. Als Basis des Lebensschutzes kann nur die christliche Wertevorstellung dienen.

Das Gesellschaftsfähig-machen von Gebet und Vertrauen auf einen ganz persönlichen Gott und seinen Plan, den er mit jedem einzelnen und der Welt hat in Richtung Vollendung und Erlösung aus einer immer unerträglicheren und untragbareren Masse von Schuld.

Die weltweite Bedrängnis von Christen, eine Wirtschaft ohne christliche Verantwortlichkeit, ein Erziehungsgehalt, um daraus endlich einen pensionsberechtigten Beruf zu machen, mit höchsten fachlichen und emotionalen Ansprüchen. Kinderkriegen muß ohne den wirtschaftlichen und sozialen Abstieg möglich sein.

Dechant Pfarrer Winfried Abel formulierte in seinem Referat „Zukunft und Ziel: Heiligkeit“, daß Heiligkeit die einzige Form der Selbstverwirklichung sein kann. Das schönste Gebet ist immer noch das Gebet für den anderen.

Die Wirtschaft könnte ruhig einmal christlich denken und handeln Ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Unternehmern erfolgreich und zugleich sozial?“ – ließ in Teilen aufhorchen, besonders die Wortmeldungen von Michael Bommers und Wolfgang Grupp, die an die Vernunft und Verantwortung ihrer Unternehmerkollegen appellierten. Man solle, nach Grupp, nicht ständig dem Größenwahnsinn der Erweiterung und der Gewinnmaximierung zum Opfer zu fallen.

Bei den Überlegungen zur Verbesserung des Wirtschaftsstandortes Deutschland käme man an der Frage nicht vorbei, mit welchem Recht man Mensch außerhalb Europas davon abhalten könne, mit Maschinen, die sie in Deutschland gekauft hätten, auch für Deutschland zu produzieren?

In seinen Aussagen wurde deutlich, dass die Fusionierung von einzelnen Unternehmen zu einem Konzern, unweigerlich zu einem ruinösen Wettbewerb führen müsse. Denn dadurch – man könne das täglich in der Zeitung lesen – wären die Kapazitäten nicht mehr ausschöpfbar, das würde die Entlassung (sprich Freisetzung) von Arbeitskräften und die Insolvenz des Unternehmens nach sich ziehen, was im Endeffekt zulasten der Steuerzahler ginge. Damit müsse man endlich aufhören. Es gäbe auch eine Ethik der Investitionen, die nicht nur wirtschaftliche sondern auch moralische und kulturelle Entscheidungskriterien beinhalten müsse.

Zu den europäischen Überlegungen einer Steigerung der Wirtschaft – Grupp brachte sein Missfallen zum Begriff „Wirtschaftswachstum“ deutlich zum Ausdruck -, könne man heute, unter Verwendung des normalen Hausverstandes nicht mehr von Wachstum sprechen, sondern einfach vom Erhalt des wirtschaftlich Erreichten. Wenn ein Unternehmen, ein ähnliches positives Betriebsergebnis wie in den vergangenen Jahren hätte, auch dann könne man sagen, dass gut gearbeitet worden sei.

Arbeit sei eben keine Ware, sondern auch eine Sache der Würde. Nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Gewinnbeibehaltung durch Optimierung der Produkte (= Steigerung der Qualität) und die Beziehungen zu den Mitarbeitern (= Motivation) sei ein Lösungsansatz. Sozial ist, was Arbeit schafft. Es gibt einen Markt- und Personenwert eines Produktes.

Auch wenn das auf den ersten Blick so aussieht wie eine „Restaurierung früherer kapitalistischer Strategien“ geht es um eine bedarfsgedeckte Wirtschaft. Denn neue Produkte bedeuten eine Verdrängung älterer Produkte aber vor allem eine Verdrängung von Unternehmen mittels Preisdumping.

Und grundsätzlich gelte es auch einmal abzuklären, was Wachstum bedeute. Und nach Aussage des Impulsreferenten Univ.-Prof. Dr. Lothar Roos: Eine Lösung der wirtschaftlichen Probleme, sei durch Wachstum nicht mehr möglich. Ein Widerspruch in sich: Wachstum in und für eine sterbende Gesellschaft.

Nach den Worten des verstorbenen Papstes Johannes Paul darf man an der Ausweitung eines vertretbaren Wohlstandes auch den Schöpfungsplan heranziehen: macht euch die Erde untertan (aber vernichtet sie nicht).

Endlich akzeptieren, dass es so etwas wie Sünde gibt. Klaus Berger, Professor für Neues Testament aus Heidelberg, illustrierte in jesuitischer Art in Form des Dialogs zwischen Zweifler und Verteidiger das Thema „Hindernisse auf dem Weg – Sünde, Haß und Vorurteile“. In altbekannten Widerreden gegen Glaube, Kirche und Schilderungen aus dem NT, setzte Berger einfach die Wahrheit der Gegenwart in Bezug zur Wahrheit des Evangeliums, des Sinns der Erlösung. Gott habe, so Berger, in Jesus ein Gesicht bekommen. Und in diesem Gesicht begegnet uns zuerst der Mensch Jesus, aus dessen Mund – in menschlicher Sprache – das Wort Gottes zu hören ist.

Zum Thema Kinderlosigkeit bemerkte Berger, sie sei die Sünde schlechthin. Denn das Leben sie ein Geschenk von Gott, mit einem Geschenk gehe man nicht so um, dass man es zerstört und wir wären dazuberufen, das Geschenk (umsonst habt ihr erhalten, und umsonst sollt ihr weitergeben) weiter zu geben. Wie weigern uns hartnäckig, diesen tiefen Sinn zu verstehen.

Die Ehe, so Berger, sei das Abbild der Treue Gottes zu seinem auserwählten Volk. Auch unter den Bedingungen der Wüste, der Bedrohungen gegen Leib und Leben.

Prof. Ziegenaus referierte in seinem Vortrag „Durch Leiden und Tod zur Auferstehung“ die von Naturwissenschaft und Forschung ins Abseits gedrängte Tatsache des Leidens und seine transzendentale Bedeutung. In der Gesamtheit des Lebens seien Tod und Leiden untrennbare Bestandteile. Das wahre Verständnis von Leben sei ohne das Erkennen und Annehmen von Leiden nicht möglich.

Man darf sich freuen – auch am Glauben

Neben der eucharistischen Andacht mit Bischof Friedhelm Hofmann, Würzburg, zum Auftakt des Symposions „Freude am Glauben“, feierten die Teilnehmer am Samstag im Hohen Dom zu Fulda ein Pontifikalamt mit Bischof Arborelius Anders aus Stockholm und zum Abschluß der Tagung mit Kardinal Francis Arinze aus Rom. Eine verdiente Würdigung der Initiative des Forums Deutscher Katholiken für einen Neubeginn aus dem Evangelium zu leben.

KATHPEDIA: Forum Deutscher Katholiken

Fotos: (c) catholicism-wow/

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