05 März 2006, 08:57
Die Titel des Papstes
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'BenediktXVI'
Der Westen ist Benedikt XVI. nicht mehr genug. Das zeigt die Aufgabe des päpstlichen Titels "Patriarch des Westens". Von Paul Badde / Die Welt.

Rom (www.kath.net / welt) Papst Benedikt XVI. will kein „Patriarch des Westens“ mehr sein und verzichtet künftig auf diesen von seinen Vorgängern verwendeten Titel. Zum besseren Verständnis dieser Nachricht ist ein kleiner Ausflug in die Geschichte notwendig, zuerst ins Jahr 380. Damals machte Kaiser Theodosius I. das christliche Credo von Nizäa zum Pflichtbekenntnis aller Untertanen Roms.

Werbung
christenverfolgung

Zwölf Jahre später ließ derselbe Kaiser jeden heidnischen Kult verbieten. Zwei Jahre später vereinigte er noch einmal das ganze Römische Weltreich, bevor das Imperium nach seinem Tod 395 endgültig in zwei Teile auseinander brach. Im oströmischen Reich, auf dessen Territorium die Christenheit entstanden war, lagen damals die altehrwürdigen Patriarchensitze von Antiochia, Alexandria, Jerusalem und Konstantinopel.

Es waren nicht zuletzt machtpolitische Erwägungen, warum Kaiser Theodosius II., ein Enkel Theodosius I., auch dem römischen Bischof den Titel eines Patriarchen verlieh. Seitdem galt der Nachfolger Petri neben den Patriarchen im Osten jedenfalls auch als „Patriarch des Abendlandes“, der sich vor allem mit seinem Kollegen in der Kaiserstadt Konstantinopel um den Primat stritt.

Diesen Titel hat Benedikt XVI. nach mehr als 1500 Jahren im neuen päpstlichen Jahrbuch nun plötzlich ersatzlos von der Liste der bisher neun Titel der Päpste streichen lassen. Ähnliche Bestrebungen hatte es schon im Mittelalter gegeben, in dem Roms Päpste nicht mehr gern auf einer Stufe mit den östlichen Patriarchen gesehen werden wollten. Die Bezeichnung besaß ja auch nie eine theologische Begründung.

Das aber kann nur ein Beleg dafür sein, dass der deutsche Papst die Tilgung des Titels nun in jene Reihe leiser Signale einfügt, durch die er sein erstes Amtsjahr bisher geprägt hat. Es ist der Anspruch eines neuen Selbstbewusstseins ebenso wie die Aufgabe einer alten unnötigen Konkurrenz. Vor allem aber ist die Aufgabe des Titels der Verzicht auf eine alte Beschränkung. Der Westen ist Benedikt XVI. nicht mehr genug.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben


 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

Fürstin Gloria zieht Unterschrift von Protestschreiben zurück! (71)

Kardinal Burke: Ich werde nicht Teil eines Schismas sein (64)

"Hohmann sollte lieber die antikirchliche Haltung der AfD kritisieren" (53)

St. Martin-Reiter nennt das Fest „christlich“ und fliegt deshalb raus (48)

Protest gegen „sakrilegische und abergläubische Handlungen“ (45)

Das Logo unter der Lupe (43)

Abschlussmesse der Synode: Schale als Symbol für Pachamama? (40)

Mexikanischer Bischof meint: Pachamama-Ehrung ist keine Götzenanbetung (37)

"Es war nie meine Absicht, Papst Franziskus persönlich anzugreifen" (37)

Ist in der Kirche noch Platz für den Glauben? (37)

Ackermann: Entschädigung für Missbrauchsopfer aus Kirchensteuergeldern (30)

‘Sünden gegen die Umwelt’ könnten Teil kirchlicher Lehre werden (24)

Von Götzen und billigen Ablenkungsmanövern (22)

Papst wünscht Stärkung der Laien (20)

(K)eine Gay-Trauung in der Diözese Graz-Seckau? (20)