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'Frauendiakonat weder theologisch noch historisch zu begründen'

vor Minuten in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Interview mit dem Münchner Dogmatik-Professor Gerhard Müller


Rom (kath.net/Kipa)
Bei ihrer diesjährigen Vollversammlung hat die Internationale Theologenkommission im Vatikan in der vergangenen Woche unter Vorsitz von Kardinal Joseph Ratzinger über das Diakonenamt beraten. Dabei ging es auch um die Frage einer möglichen Zulassung von Frauen zu diesem Amt. Der Münchner Dogmatik-Professor Gerhard Müller erläutert gegenüber der Presseagentur Kipa die Ergebnisse der Beratungen, an denen er teilgenommen hat. Die Kommission ist ein beratendes Gremium der Glaubenkongregation.

Kipa: Die Idee eines Frauendiakonats wird in der Kirche heiss diskutiert. Auch die diesjährige Vollversammlung der Theologenkommission hat sich damit befasst. Was ist dabei herausgekommen?

Gerhard Müller: Unser Hauptthema war nicht die Zulassung von Frauen zum Diakonat, sondern die theologische Frage, was der Diakonat in der katholischen Kirche eigentlich ist. Wir haben versucht, das historisch, theologisch und pastoral zu untersuchen und sind dabei zu ziemlich eindeutigen Ergebnissen gekommen.

Wir wollten klären, in welchem Verhältnis das Diakonenamt zum Priesteramt steht, wie es sich davon unterscheidet, und auch welche Unterschiede es zum allgemeinen Apostolat aller Gläubigen gibt. Wir wollten herausarbeiten, was die theologische Eigenart dieses Teils des Weihesakramentes ist. Natürlich ergibt sich daraus auch eine Antwort auf diese Frage, ob also Frauen Zugang zu dieser Form des Weihesakramentes haben können. Und genau dies wird vermutlich in der Öffentlichkeit das meiste Interesse auf sich ziehen.

Kipa: Und welche theologischen Konturen hat die Kommission nun gefunden?

Müller: Grundlegend ist der Konzilstext "Lumen gentium", in dem versucht wird, das Weiheamt theologisch in die Lehre von der Kirche zu integrieren. Das Zweite Vatikanum hat ein verengtes Verständnis des Priestertums auf die Liturgie und die Konsekrationsvollmacht überwunden und das apostolische Amt von Bischof, Presbyter und Diakon umfassend von der Sendung zu Verkündigung, Heiligung und Leitung her neu begründet.

Ferner hat es die alte Lehre vom gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen wieder belebt, also dass alle Getauften an der Sendung der Kirche teilhaben und den Heilsdienst Christi in der Welt als Glieder der Kirche mit ausüben. Leider ist das bislang in der Kirche noch nicht hinreichend zur Kenntnis genommen wurde.

Das Konzil hat Priesteramt und Diakonenamt als Teile des einen Weihesakraments begriffen. Damit ist das Diakonat nicht eine Art Laienamt oder, wie man früher sagte, eine "niedere Weihe", sondern es gehört im eigentlichen Sinn zur Sendung der Apostel und ihrer Nachfolger und hat an deren Vollmachten und an den Diensten der Verkündigung, der Heiligung und der Leitung teil.

Kipa: Ergibt sich daraus zwangsläufig ein Ausschluss des Frauendiakonats, weil ja die Apostel ausschliesslich Männer waren?

Müller: In der Tat ergibt sich aus dieser systematisch-theologischen Überlegung, dass die Frage nach einem Frauendiakonat nicht anders beantwortet werden kann als die Frage nach der Möglichkeit einer Zulassung von Frauen zum Priestertum. Die negative Antwort wird übrigens auch untermauert durch die historische Forschung, denn die Dokumente über die Diakonissen, die seit dem dritten oder vierten Jahrhundert vorliegen, zeigen, dass deren Funktion in der Kirche etwas grundlegend anderes war als das, was wir heute unter dem Diakonat verstehen.

Zwar erhielten auch diese Frauen eine Art Weihe, aber das war eher eine Benediktion, eine Segnung, wie es sie auch bei der so genannten Äbtissinnenweihe gibt. Und es wurde auch damals schon klar unterschieden zwischen dem Diakonenamt und dem, was die Diakonissen taten. Die hatten etwa die Aufgabe, die Kircheneingänge für die Frauen zu bewachen oder bei der Taufe von Frauen einen Dienst als Anstandsdamen zu versehen. Das was heute eine Pastoralreferentin macht, ist hundertmal mehr als das, was damals eine Diakonissin tat.

Kipa: Manche Frauen, insbesondere in den deutschsprachigen Ländern hatten sich unter Hinweis auf die geschichtlichen Vorläuferinnen eine Zulassung zum Diakonat erhofft...

Müller: Aber es wäre keine Lösung gewesen, wenn wir jetzt eine vorkonziliare Theologie des Diakonats und des Priestertums wiederbelebt hätten, um dies zu ermöglichen. In gewisser Weise wäre es ja auch eine Diskriminierung, wenn man sagen würde, die Frauen sind zur niedrigsten Weihestufe zugelassen, zu den höheren aber nicht. Im Grunde ist dieses ganze Denken verfehlt. Die kirchliche Hierarchie ist eben keine Karriereleiter. Alle Christen sind aufgerufen, am Aufbau der Kirche mitzuarbeiten. Dieses alte Kirchenbild, wonach die Kirche identisch ist mit dem Klerus, sollte längst überwunden sein.

Kipa: Welche Schritte sind jetzt zu erwarten? Wird die Theologenkommission ein Dokument zum Diakonat veröffentlichen?

Müller: Das hängt letztlich vom Präsidenten, also von Kardinal Ratzinger ab. Es werden ja nicht alle Papiere der Kommission veröffentlicht, wir geben nur Empfehlungen ab. Ich vermute aber, dass es demnächst eine verbindliche Entscheidung des kirchlichen Lehramtes zur Frage des Frauendiakonats geben wird. Denn die Diskussion in unterschiedlichen kirchlichen Foren ist so weit fortgeschritten, dass ein klares Wort helfen könnte, Missverständnisse zu vermeiden.

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