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'Betende und kniende Theologie'

6. Februar 2006 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Bischof Algermissen (Fulda) verwies bei Hrabanus-Maurus-Akademie auf Hans Urs von Balthasar: "Die Theologie war, solange sie eine Theologie der Heiligen war, eine betende, eine kniende Theologie"


Fulda (www.kath.net/bpf)
Der Anspruch der Theologie auf Wissenschaftlichkeit werde nicht geopfert, wenn "sie ehrfürchtig auf das Wort Gottes hört, aus dem Leben der Kirche lebt und aus ihrem Lehramt Kraft schöpft". Dies betonte Bischof Heinz Josef Algermissen am Samstag, 4. Februar, bei der traditionellen "Hrabanus-Maurus-Akademie", dem Patronatsfest der Theologischen Fakultät Fulda, das in diesem Jahr ganz im Zeichen des 1150. Todestags des großen Heiligen steht. Die Spiritualität vermindere nicht den wissenschaftlichen Gehalt, sondern vermittle den theologischen Studien die Methode, durch die sie zu einer konsequenten Interpretation gelangen könnten.

Der hl. Hrabanus Maurus war laut Algermissen unter den Bedingungen seiner Zeit ein Theologe, "der seine Studien grundsätzlich in den Dienst der Kirche gestellt hat, weil er überzeugt war, daß die Theologie von einem ekklesiologischen Charakter geprägt sein muß". Die Theologie sollte nach Hrabanus' Verständnis eng mit der Spiritualität verbunden sein, um Tiefgang und Wirksamkeit zu besitzen. "Diese innere Haltung, die ich auch grundsätzlich in unserer Theologischen Fakultät erwarte, finde ich in unserer Zeit im theologischen Ansatz von Hans Urs von Balthasar (1905-1988) wieder", unterstrich der Oberhirte. Dieser habe in seinen "Skizzen zur Theologie" geschrieben: "Die Theologie war, solange sie eine Theologie der Heiligen war, eine betende, eine kniende Theologie. Darum ist ihr Gebetsertrag, ihre Fruchtbarkeit für das Gebet. so unabsehbar gewesen."

In seinem Schlußwort am Ende der Akademie dankte Bischof Algermissen Schwester Gabriele Maria Mierswa (Dietershausen) für ihren gelungenen Einblick in das Leben des profilierten Seelsorgers und Fuldaer Bischofs Adolf Bolte (1901-1974). "Sie haben mit Ihrer Abhandlung eine Lücke in der Geschichte unseres Bistums geschlossen; eine so detaillierte und gut recherchierte Darstellung seines Lebens und Wirkens fehlte bislang." So wie der Untertitel von Mierswas Buch "Bischof in einer Zeit des Umbruchs" es sage, könne man auch Hrabanus Maurus als "Abt und Bischof in einer Zeit des Umbruchs" kennzeichnen, dessen 1150. Todestag Anlaß zur Vergegenwärtigung gebe.

Mönch, Abt und Erzbischof, diese drei Berufungen markierten die entscheidenden Stationen des Lebens von Hrabanus Maurus. Zwischen seiner Geburt und seinem Tod in Mainz lagen gut 75 Lebensjahre, die er zumeist in der Abtei Fulda verbrachte. Er besuchte hier die Klosterschule und wurde in die Mönchsgemeinschaft aufgenommen. Als begabter Schüler schickte ihn sein Abt nach Tours, um unter der Anleitung von Alkuin seine theologische Ausbildung zu vervollkommnen. Die artes liberales (Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arith­metik, Geometrie, Astronomie und Musik) sollten zu einem besseren Verständnis der Heiligen Schrift und letztlich der Gotteserkenntnis dienen.

Hrabanus kehrte nach Fulda zurück und wurde Leiter der hiesigen Klosterschule, eine der hervorragendsten Bildungsstätten des fränkischen Reiches. Acht Jahre nach seiner Priesterweihe im Jahr 814 wurde Hrabanus Nachfolger des Abtes Eigil (822). Die folgenden 20 Jahre seiner Führung waren geprägt vom weiten Ausbau des Klosters und seiner Schule, der Sorge um die stetig wachsende Mönchsgemeinschaft, der Verwaltung des klösterlichen Grundbesitzes und dem mitunter schwierigen Verhältnis zu den weltlichen Herrschern durch die besondere Verpflichtung der Reichsabtei Fulda zum Königsdienst. Ludwig der Deutsche erhob ihn 847 zum Erzbischof von Mainz. Die Quellenüberlieferung zeugt davon, daß Hrabanus auch als Bischof der theologischen Wissenschaft verbunden blieb. Er ermahnte den Klerus eindringlich zur Bildung und Weiterbildung. Seine Teilnahme an Synoden diente dem Ringen um den rechten Weg der Kirche in der Lehre und ihrer Vermittlung.

"Dennoch blieb Hrabanus bei allem Einsatz dem monastischen Leben eng verbunden", betonte Bischof Algermissen. Aus einem Text, den er für seinen Grabstein verfaßte, sei zu schließen, daß das Mönchtum die Lebensweise war, die er für sich selbst als erstrebenswert empfand: seine Zelle sei ihm ein lieber Aufenthaltsort gewesen. Mit dem großen Gelehrten, der 856 in Mainz verstarb, könne sich Fulda eines Heiligen rühmen, der als Sammler und Vermittler des gesamten philosophischen, theologischen und naturwissenschaftlichen Wissens seiner Zeit gelte. "Für unsere Theologische Fakultät ist er Ansporn und Verpflichtung gleichermaßen", hob Algermissen hervor.



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