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Verheirateter anglikanischer Konvertit als neuer Kardinal?

10. Jänner 2006 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Vielleicht tritt er bald in die Fußstapfen von Kardinal Newman: Der 84-jährige Graham Leonard war 30 Jahre lang anglikanischer Bischof, ehe er 1992 katholisch wurde.


London (www.kath.net) Kardinal John Henry Newman könnte bald einen prominenten Nachfolger bekommen. Ein verheirateter langjähriger anglikanischer Bischof, der zum Katholizismus konvertierte, könnte in den Kardinalsrang erhoben werden, meldete die Londoner „Times”.

Der Weg des heute 84-jährigen Graham Leonard ist tatsächlich außergewöhnlich: Er war 30 Jahre lang Bischof der anglikanischen Kirche in London, ehe er 1992 zur katholischen Kirche konvertierte. 1995 wurde er zum Priester geweiht.

Ausschlaggebend für seinen Entschluss war die Entscheidung der anglikanischen Gemeinschaft, auch Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Auch heute sieht er Entwicklungen in der anglikanischen Kirche noch sehr kritisch. Es gebe die Tendenz zu „individuellen und privaten Interpretationen des Glaubens“, die an „momentane Situationen“ geknüpft seien, sagte er der australischen Zeitschrift AD2000.

Viele Mitglieder der anglikanischen Kirche folgten dem Beispiel von Graham Leonard, der im Jahr 2000 von Papst Johannes Paul II. den Titel „Monsignore“ verliehen bekam. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1995 empfing der Papst ihn auch zur Privataudienz.

Auch für Papst Benedikt XVI. ist Leonard kein Unbekannter: Er hatte in seiner Zeit als Kardinal Kontakt mit Leonard, damals anglikanischer Bischof von London. Er begleitete auch seinen Weg in die katholische Kirche.

Sollte Monsignore Leonard tatsächlich in den Kreis der Purpurträger aufgenommen werden, wäre es der erste verheiratete Kardinal: Ihm zur Seite stehen Ehefrau Priscilla sowie die beiden Söhne Mark und James.

Es gab nur einen ähnlichen Fall in der Geschichte: Henry Edward Manning trat nach dem Tod seiner Ehefrau 1818 in die katholische Kirche ein und wurde 1830 zum Kardinal ernannt.

In London bemühen sich indessen mehrere Politiker, Leonards Verdienste der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Leonard sei als Bischof 1992 führend gewesen beim „Exodus nach Rom“, würdigte die ehemalige Ministerin Ann Widdecombe ihn. „Er hat unermüdlich daran gearbeitet, dass die katholische Kirche besser verstanden wird.“

„Wie schon Newman ist auch Monsignore Leonard eine wichtige theologische Figur“, sagt Paul Murphy, Staatssekretär für Nordirland. Er habe in Diskussion über den Weg der Anglikaner nach Rom Anfang der 90er Jahre einen „maßgeblichen Einfluss“ gehabt, sagte er.



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