20 Dezember 2005, 10:32
Mehr Deutsche glauben an Schutzengel als an Gott
 
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Zwischen Skepsis und Aberglaube bewegen sich die Deutschen anno 2005. Wenig gefragt sind Gottesdienst und Gebet, dafür blühen die "bunten Blumen der Spiritualität".

Hamburg (www.kath.net / idea) „Die Glaubenswelt der Deutschen präsentiert sich als Mischung aus christlichen Werten, Skepsis gegenüber der Kirche und schierem Aberglauben.“ So faßt die Zeitschrift GEO (Hamburg) die Ergebnis einer Umfrage zusammen, die das Meinungsforschungsinstitut forsa (Berlin) im Auftrag des Magazins durchgeführt hat. Für die Umfrage wurden bundesweit 1000 Menschen im Alter ab 14 Jahren befragt.

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Danach glauben mehr Bundesbürger an Schutzengel (66 Prozent) als an Gott (64 Prozent). Genau die Hälfte ist überzeugt, dass es Wunder gibt, etwa Wunderheilungen. Jeder sechste Deutsche (16 Prozent) glaubt an die Unbefleckte Empfängnis Mariens.

Wenig gefragt bei den meisten Deutschen sind Gottesdienst und Gebet.

Bei 59 Prozent lag der letzte Gottesdienstbesuch mehr als einen Monat zurück, bei 34 Prozent mehr als ein Jahr. Fast jeder zehnte Deutsche (11 Prozent) hat noch nie an einem Gottesdienst teilgenommen. 28 Prozent gingen der Umfrage zufolge im vorhergehenden Monat mindestens einmal zur Kirche. Weniger als die Hälfte der Deutschen betet regelmäßig oder gelegentlich (45 Prozent).

Ein Drittel redet nie mit Gott, und 20 Prozent tun es selten. Wenig Hoffnung haben die Deutschen auf ein Weiterleben im Jenseits: 47 Prozent sind der Meinung, daß „mit dem Tod alles endet“. 27 Prozent glauben an ein „Leben in einer anderen Welt“ und elf Prozent an Wiedergeburt (Reinkarnation).

„Je mehr wir zu wissen glauben, desto weniger glauben wir an das Wissen“

Titelthema der aktuellen GEO-Ausgabe ist die Frage: „Warum glaubt der Mensch?“ Eine Antwort lautet: „Der moderne Mensch glaubt, weil er sich mit wissenschaftlichen Erklärungen das Leben nicht erklären kann.“ Der Mensch des 21. Jahrhunderts rebelliere gegen die ‚mechanisierte Versteinerung’ einer zu rational begriffenen Welt. „Je mehr wir zu wissen glauben, desto weniger glauben wir an das Wissen.“

Die „bunten Blumen der Spiritualität“ blühten wie nie zuvor. Die Spätmoderne sei ein Supermarkt vielfältiger Glaubens- und Heilsangebote. Jeder Mensch könne heute auch ohne die Institution Kirche über sein privates Himmelreich verfügen. „Geborgenheit sucht der einzelne nicht mehr nur bei einem christlichen Gott, sondern im Glauben ans Allerlei: an Schutzengel, Zauberer, Orakel, an buddhistische Reinkarnation und schamanistische Naturbeseelung, an evangelikales Charisma und positives Denken.“

Religiöse Orientierung führt zu gesünderem Leben

Im Blick auf gesundheitliche Wirkungen des Glaubens heißt es: „Gläubige Menschen rauchen weniger, trinken weniger Alkohol und nehmen seltener Drogen. Sie erfahren soziale Unterstützung in Pfarrgemeinden und genießen bessere Krankenpflege in ihren Familien.“

Glaube befähige offenbar auch, emotionale Belastungen besser zu bewältigen, die eigenen Nöte ins Gebet zu nehmen, Streß abzubauen und das Immunsystem weniger zu beanspruchen. Evolutionspsychologisch betrachtet sei Religion „die einzig funktionierende Gemeinschaftsform, die in der Lage ist, Egoismus zu reduzieren“.

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