20 Oktober 2005, 14:25
Damit die Eucharistie ihre volle Wirkung entfalten kann
 
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Zulassungsbedingungen für die Kommunion: 7. Teil einer Serie zur Eucharistiefeier von Pfarrer Christoph Haider + Gebet für Gläubige, die die Kommunion nicht empfangen können

Wien (www.kath.net) In wenigen Wochen geht das von Papst Johannes Paul II. ausgerufene „Jahr der Eucharistie“ zu Ende. Es endet mit der Weltbischofssynode in Rom, die von 2. bis 23. Oktober stattfindet. KATH.NET stellt aus diesem Anlass erneut eine Kurzserie zum Thema „Eucharistie“ vor.

Pfarrer Christoph Haider (Tirol) beleuchtet verschiedene Aspekte der Eucharistiefeier: Den Bußakt, die Gabenbereitung, das liturgische Kleid, Momente der Stille in der Messe, die Erhebung der Hostie, die Eucharistie als Arznei der Unsterblichkeit sowie „Herr, ich bin nicht würdig“.

7. und letzter Teil der Serie zur Eucharistiefeier: „Herr, ich bin nicht würdig“

Die Bezeichnung der Eucharistie als „Arznei der Unsterblichkeit“ deutet an, dass die Einnahme der heiligen Kommunion sorgsam bedacht werden muss. Das beste Medikament kann zum Schaden gereichen, wenn es nicht richtig verabreicht wird. Zudem bleibt zu bedenken, dass es ein „Jemand“ ist, der im Sakrament des Altars vom Menschen aufgenommen wird.

Wer kommuniziert, nimmt Christus in sich auf, der sich ihm durch den Dienst der Kirche schenkt. Der rechte Kommunionempfang hat demnach eine persönliche, aber auch eine kirchliche Dimension. Die Kirche verwaltet die Ausspendung der heiligen Eucharistie und bestimmt die Voraussetzungen für einen würdigen und fruchtbaren Kommunionempfang.

Bereits im Leben der Urkirche erfahren wir von ersten Schwierigkeiten, was den würdigen Kommunionempfang betrifft. In der jungen Gemeinde von Korinth fehlte es bei einigen Christen an der Unterscheidungsgabe gegenüber dem Leib des Herrn. Manche bedachten nicht, dass das Brot, das sie in der Eucharistie zu sich nehmen, der Leib des Herrn ist.

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Der heilige Apostel Paulus sah darin eine Verfehlung gegenüber dem Geber dieser heiligen Gabe, aber auch einen Mangel an Kirchlichkeit. Dem Apostel zufolge ist die Kommunion die tiefste und wirkmächtigste Herbeiführung der kirchlichen Einheit: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). Wer unwürdig kommuniziert, versündigt sich gegen den Herrn und seinen Leib, die Kirche.

„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt“ (1 Kor 11,27-29).

Was von Christus her als Brot des Lebens gedacht ist, kann durch ungeprüften Empfang das Gericht verursachen anstatt das ewige Leben zu schenken. Ohne das Wort „Arznei“ zu verwenden, meint der Apostel Paulus genau dies: Eine unwürdige Kommunion schadet dem Empfänger, so wie eine falsch eingenommene Medizin dem Menschen schaden kann.

„Deswegen sind unter euch viele schwach und krank, und nicht wenige sind schon entschlafen“ (1 Kor 11,30). Ein trauriger Befund! Wenige Jahre, nachdem Jesus diese Liebesgabe seines Herzens eingesetzt hat, gibt es schon Klagen über ein Abgleiten in Verirrungen. Was eine Speise des ewigen Lebens sein soll, wurde manchem zum „Krankheitserreger“ beziehungsweise „Todesbeschleuniger“.

Ein kirchengeschichtlicher Befund zeigt, dass die Kirche sich ständig mit zwei unterschiedlichen Abweichungen auseinander zu setzen hatte: Der unbedachte Kommunionempfang einerseits und das Fernbleiben vom Tisch des Herrn andererseits. Der heilige Chrysostomus, einer der großen Kirchenväter des kirchlichen Ostens, hielt mehrere bewegende Predigten zu diesem Thema.

Wer nicht weiß, dass seine Worte an Zuhörer des vierten Jahrhunderts gerichtet sind, könnte meinen, es wären Ansprachen eines Pfarrers oder Bischofs an eine moderne katholische Gemeinde im 21. Jahrhundert: Sobald festliche Anlässe kommen, strömen die Leute in Scharen zum Tisch des Herrn, nicht weil sie so gut vorbereitet sind, sondern weil alle hingehen. „Viele, sehe ich, empfangen den Leib Christi ohne weiteres und wie es sich gerade trifft, mehr nach Gewohnheit und Herkommen als mit Bedacht und Überlegung.“ Dann wieder bleiben die Gläubigen lange Zeit dem Tisch des Herrn fern, wiederum aus reiner Gewohnheit, so bemängelt Chrysostomus.

Um uns vom einen wie auch vom anderen Fehlverhalten zu bewahren, hat die Kirche im Laufe der Zeit Zulassungsbedingungen für den Tisch des Herrn ausgesprochen. Im Wesentlichen sind die heutigen Bedingungen identisch mit dem, was bereits die frühchristliche Praxis an Vorgaben kannte.

Justin der Märtyrer schreibt um das Jahr 150 und gibt damit apostolische Tradition wieder: „Diese Nahrung heißt bei uns Eucharistie. Niemand darf daran teilnehmen, als wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt. Denn nicht als gewöhnliches Brot und als gewöhnlichen Trank nehmen wir sie.“

Die Taufe als Ursakrament wird als Voraussetzung genannt. Sie ist das Reinigungsbad, welches für die eucharistische Vereinigung mit dem Herrn bereit macht. Die Taufe ist wie eine Pforte. Wer sie durchschritten hat, erfährt in der Eucharistie die Vollendung der christlichen Initiation, der Eingliederung in die Christus- und Kirchengemeinschaft. Ungetaufte können nicht zur Eucharistie zugelassen werden; sie müssen zuerst Christus im Glauben annehmen und im Wasser der Taufe ihm geweiht werden.

Auch die gläubige Zustimmung zur Kirche und zu ihrer Lehre ist eine Bedingung für den Sakramentenempfang. Man kann nicht den Leib Christi empfangen wollen, die Lehre Christi aber abweisen. Daraus erklärt sich auch der Grundsatz, dass Christen, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die heilige Kommunion nicht empfangen können – ausgenommen sind sehr seltene Ausnahmesituationen, wie etwa die Todesgefahr. Wer die Kommunion empfängt, empfängt im Sakrament nicht nur Christus, er vereinigt sich auch in höchst möglicher Weise mit der Kirche, dem mystischen Leib Christi. Ein Kommunionempfang an der Kirche vorbei ist weder möglich noch heilsam.

Wenn die Kirche die so genannte Interkommunion ablehnt, tut sie dies auch aus Ehrfurcht vor den Christen anderer Konfessionen. Würde ein evangelischer Christ in einer katholischen Messfeier zum Tisch des Herrn eingeladen, brächte man dadurch zum Ausdruck, dass er in der vollen Gemeinschaft mit der Kirche steht und Katholik ist. Dies aber kann ein evangelischer Christ sicher nicht wollen. Da gehört zuerst seine Zustimmung zum Glauben der katholischen Kirche verbunden mit der Aufnahme in sie, dann folgt, als Vollendung, die Kommuniongemeinschaft.

Innerkirchlich bedeutsam ist die von Justin erwähnte Zulassungsbedingung, „nach den Weisungen Christi“ zu leben. Hier dürften bei den heutigen Verhältnissen die größten Schwierigkeiten liegen. Zwei Bereiche ragen aus dem Vielerlei hervor, das in dieser Hinsicht aktuell ist. Verhältnismäßig viele Katholiken verspüren nicht das Bedürfnis, Sonntag für Sonntag die heilige Messe mitzufeiern. Wenn sie aber ab und zu zur Messe kommen, haben sie sehr wohl das Bedürfnis, zum Tisch des Herrn zu gehen.

Es scheint ihnen nicht bewusst zu sein, dass die Vernachlässigung der Sonntagsheiligung einen schwerwiegenden Mangel darstellt. Im Grunde genommen ist diese Haltung paradox und unverständlich: Man möchte mit dem Herrn im Sakrament eins sein, sucht aber nicht die Einheit mit seinen Geboten. Der Empfang des Leibes Christi ohne das Erfüllen des Gesetzes Christi ist aber sicher nicht im Sinne des Stifters und somit nicht heilsam.

Der zweite Bereich betrifft die verschiedensten irregulären Situationen, die das Sakrament der Ehe betreffen. Die einzelnen Sakramente können nie von ihrer Siebenzahl getrennt werden, sie sind aufeinander zugeordnet und miteinander unauflöslich verbunden; so auch Ehe und Eucharistie. In beiden Sakramenten geht es um die leibliche Hingabe zweier Personen. Wer sich nun einer anderen Person hingibt, so dass „die zwei ein Fleisch werden“ (Mt 19,5), kann dies nach kirchlicher Lehre nur innerhalb der sakramentalen Ehe tun. Für ein getauftes Mitglied der Kirche gibt es keine neutrale Zone, was das Ehesakrament anbelangt.

Jede geschlechtliche Vereinigung außerhalb des christlichen Ehebundes widerspricht dem Bund mit Christus, in den wir durch unsere Taufe eingetreten sind. Es sind zwar sehr viele, die heute davon betroffen sind, die Kirche aber bleibt ihrem Glauben treu, wenn sie daran festhält: Wer sich leiblich ohne Ehesakrament mit einem Partner, einer Partnerin vereinigt, kann in diesem Zustand sich nicht in der heiligen Kommunion mit dem Leib Christi vereinigen. Das betrifft also freie Verbindungen und außereheliche Verhältnisse genauso wie bloß standesamtlich Verheiratete, ob in erster oder zweiter Ehe.

Es stellt sich die Frage, ob die Kirche mit dieser hohen Auffassung von den Sakramenten nicht vielen ihrer Mitglieder die nötigen Gnadenmittel vorenthält: Wenn schon die Eucharistie Arznei der Unsterblichkeit ist, wie kann sie dann Gläubigen verweigert werden? Hierzu ist zu sagen, dass es eigentlich keine einzige menschliche Situation gibt, wo die Kirche kategorisch die heilige Kommunion für immer ausschließt.

Durch das Bußsakrament können die meisten Hindernisse beseitigt werden. Freie Verbindungen können durch das Ehesakrament geordnet werden und selbst geschiedene Wiederverheiratete könnten in die Kommuniongemeinschaft aufgenommen werden, wenn sie sich entschließen, fortan auf das Ein-Fleisch-Werden mit jenem Partner zu verzichten, der vor Gott nicht der ihrige ist.

Weil die Kirche immer um die Schwachheit ihrer Glieder wusste und weiß, erwartet sie als Mindestmaß von einem Katholiken, dass er „durch das Bußsakrament vorbereitet, wenigstens einmal im Jahr die Eucharistie empfängt, wenn möglich in der österlichen Zeit“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1389). Der Rückgang der Beichtpraxis bei gleichzeitiger Zunahme der Kommunionhäufigkeit ist sicher eine pastorale Sorge, die die Kirche zur Zeit bewegt. Die Wiederentdeckung des Bußsakramentes wird wesentlich zum fruchtbaren Kommunionempfang beitragen.

Wer aus seiner momentanen Lebenssituation, die der kirchlichen Lehre nicht entspricht, nicht ausbrechen und deshalb seine „Osterpflicht“ nicht erfüllen kann, soll sich wenigstens in Sehnsucht nach der heiligen Kommunion mit Christus vereinigen und ihn bitten, er möge ihm im entscheidenden Moment seines Lebens die Gnade geben, das Sakrament der Unsterblichkeit zu empfangen.

Beim Gebet „Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“ wird der Herr auf jeden Fall hinhören, ob nun jemand sehnsüchtig nach der heiligen Kommunion Christus ‚unter sein Dach’ aufnimmt, oder ob er ihn auch sakramental in der heiligen Hostie empfangen kann. Der geistliche Kommunionempfang muss auf jeden Fall dem sakramentalen voraus gehen, damit das Heiligste aller Sakramente, die Eucharistie, ihre volle Wirkung entfalten kann.

Ende der Serie

Gebet für Gläubige, die die heilige Kommunion nicht empfangen können

Herr Jesus Christus, in der heiligen Kommunion schenkst du dich deinen Gläubigen und machst sie zu lebendigen Gliedern deiner Kirche.
Ich möchte mich gerne mit dir vereinigen.
Nimm mich auf in die Gemeinschaft mit dir.
Schenke mir alle notwendigen Gnaden für mein Leben. Erfülle mich mit deinem Heiligen Geist und seinen reichen Gaben.

Lass mich deine Wahrheit über mein Leben immer besser erkennen und auf deine barmherzige Liebe vertrauen.
Schenke mir und meinen Lieben alle Früchte dieses heiligen Messopfers.
Gib mir Stärke, Mut und Ausdauer, Glauben Hoffnung und Liebe.
Nimm alle, die ich dir in meiner Familie anvertraue, unter deinen göttlichen Schutz und führe sie zum Heil.

Mach mich eines Tages wieder bereit, dich in der heiligen Kommunion auch leiblich zu empfangen.
Den Schmerz, dich derzeit nicht im heiligsten Sakrament aufnehmen zu können, opfere ich dir auf.
Lass alles zum Segen werden für mich und viele andere.
Heilige Gottesmutter Maria, ich möchte wie du Jesus nahe sein. Schenke mir deinen Sohn als geistliche Gabe. Amen.

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