13 Oktober 2005, 12:48
Die Arznei der Unsterblichkeit
 
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Die Eucharistie, die göttliche Wegzehrung: 6. Teil einer Serie zur Eucharistiefeier von Pfarrer Christoph Haider.

Wien (www.kath.net) In wenigen Wochen geht das von Papst Johannes Paul II. ausgerufene „Jahr der Eucharistie“ zu Ende. Es endet mit der Weltbischofssynode in Rom, die von 2. bis 23. Oktober stattfindet. KATH.NET stellt aus diesem Anlass erneut eine Kurzserie zum Thema „Eucharistie“ vor.

Pfarrer Christoph Haider (Tirol) beleuchtet verschiedene Aspekte der Eucharistiefeier: Den Bußakt, die Gabenbereitung, das liturgische Kleid, Momente der Stille in der Messe, die Erhebung der Hostie, die Eucharistie als Arznei der Unsterblichkeit sowie „Herr, ich bin nicht würdig“.

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6. Teil der Serie zur Eucharistiefeier: Die Arznei der Unsterblichkeit

Im letzten Beitrag war von der Erhöhung Jesu die Rede, welche an zwei Stellen der Eucharistiefeier zeichenhaft dargestellt wird: bei der Wandlung und bei der Doxologie. Genau genommen kennt die Messfeier aber drei Erhebungen: Noch einmal wird uns der Leib des Herrn unmittelbar vor der Einladung zur heiligen Kommunion gezeigt: Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt!

Die Sünde ist aus der Sicht des Glaubens letzte und tiefste Ursache für den Tod. Der Tod, wie wir ihn kennen, nämlich als zerstörerische Macht, war von Gott für den Menschen nicht vorgesehen. Hätte der Mensch nicht gesündigt, wäre es nicht dazu gekommen. „Durch die Sünde aber kam der Tod in die Welt“ (vgl. Röm 5,12). Der Tod wurde zur allgemeinen und absolut sicheren Gegebenheit des menschlichen Daseins: Wer in dieser Welt geboren wird, wird sie als Toter verlassen.

Dass wir trotz des Todes und über den Tod hinaus Hoffnung auf ein ewiges Leben haben, liegt nicht in unserem Vermögen. Niemand kann sich die Auferstehung selbst erwerben, das vermag allein die Gnade Gottes. „Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn“ (1 Kor 15,57). Derselbe, der gekommen ist, um uns von der Sünde zu befreien, will uns auch aus der Macht des Todes retten.

In der Taufe macht Gott den Anfang, indem er uns die Gnade der „Wiedergeburt“ für das ewige Leben schenkt. Es ist wie bei einer Impfung vor einer langen und gefährlichen Reise. Die Taufe gibt uns erste ‚Impfstoffe’ gegen den ewigen Tod. Diese ‚Impfstoffe’ müssen im Laufe des Lebens nachgereicht werden, vor allem durch die Sakramente. Die heiligen Sakramente, unter ihnen besonders die Buße und die Eucharistie, sind Arzneimittel gegen die Sterblichkeit.

Christen waren sich immer bewusst, dass sie ohne die heilige Messe, ohne Eucharistie wenigstens am Sonntag, nicht überleben können. „Ohne die Herrenfeier am Sonntag können wir nicht leben“, bekannten die Märtyrer von Abitene (+304) vor dem heidnischen Richterstuhl. „Es ist nicht Positivismus oder Machtwille, wenn die Kirche uns sagt, dass zum Sonntag die Eucharistie gehört“ (Papst Benedikt XVI.). Es geht hier nicht um ein von außen auferlegtes Gebot, es geht um unser Überleben: Wenn wir nicht regelmäßig Christus und seine Gnade in uns aufnehmen, wenn wir uns nicht dauernd ‚impfen’ lassen gegen den Tod und seine Folgen, dann haben wir keine Garantie, dass wir das ewige Leben erreichen. Der Sonntag ist wöchentlicher ‚Impftag’, weil dort die Kraft des Auferstandenen am ursprünglichsten wirksam wird.

Die innere Verknüpfung von Eucharistieempfang und Verheißung der Auferstehung ist kein nachträgliches Konstrukt der Theologen. Diese Verbindung ist biblisches Urgestein. Der Evangelist Johannes hat das sechste Kapitel seines Evangeliums der Eucharistie gewidmet. Es enthält die große eucharistische Rede Jesu in der Synagoge von Kafarnaum. Bei aufmerksamer Lektüre fällt der zweimalige Hinweis auf: die Eucharistie ist Unterpfand der Auferstehung (vgl. Joh 6, 44.54). Sehr deutlich sagt Jesus: „Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag“ (Joh 6,53-54).

Bei den alten Kirchenschriftstellern finden wir diese Aussagen vertieft und entfaltet wieder. Gregor von Nyssa (+ nach 394) vergleicht in einer Katechese den Zustand des sterblichen Menschen mit einer tödlichen Vergiftung. Nur durch ein Gegenmittel kann diese todbringende Macht gebrochen werden. „Was ist nun diese Speise?“ fragt der heilige Gregor.

Er antwortet: „Kein anderer als jener Leib, der den Tod überwunden und uns das Leben gebracht hat. Denn wie nach den Worten des Apostels ein wenig Sauerteig die ganze Teigmasse sich ähnlich macht, so bildet jener von Gott mit Unsterblichkeit ausgestatte Leib den unsrigen nach sich selbst um und verwandelt ihn.“ Der heilige Kirchenvater erklärt dann weiter, wie das Brot und der Wein durch Gottes Wort in den Leib des auferstandenen Christus verwandelt werden, „damit auch der Mensch durch sein Einswerden mit dem Unsterblichen der Unsterblichkeit teilhaftig werde.“

Eine Verstehenshilfe für die Eucharistie als „Arznei der Unsterblichkeit“ kann uns ein kleiner Exkurs in die Dogmengeschichte sein; und zwar geht es um die theologischen Vernunftgründe für das Dogma der Aufnahme Mariens in den Himmel. Warum hatte die Gottesmutter Maria dieses Privileg, dass sie in der Stunde ihres Todes von Gott mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, ohne dass ihr Leib die Verwesung schauen musste?

Ein Grund, der in den Predigten der Kirchenväter immer wieder genannt wurde, ist die biblische Lehre, dass Maria von Gott zur Mutter des Herrn erwählt war. Kein Mensch der Welt war Christus so verbunden wie Maria, seine Mutter. Sein Leib stammt aus ihrem Leib, sein Blut von ihrem Blut. Wie der Leib der Gottesmutter ihn bis zu seiner Geburt getragen und genährt hat und somit zu einem Heiligtum Gottes geworden ist, so sollte ihr Leib auch nach dem Tod heilig bleiben und der Verwesung entzogen werden.

Was Maria Kraft ihrer Berufung war, nämlich Gottesträgerin, müssen wir erst allmählich werden. In der heiligen Eucharistie nehmen wir Christus in uns auf. Eigentlich würde eine einzige heilige Kommunion ausreichen, um uns ganz mit Christus eins werden zu lassen. Von seiner Seite aus wäre das möglich. Aber wegen unserer menschlichen Schwachheit brauchen wir die Wiederholung. Wir müssen immer wieder „den unsterblichen Leib Christi aufnehmen, um ganz nach seiner göttlichen Natur umgeformt zu werden“ (vgl. hl. Gregor von Nyssa).

Niemand kann sich selber in den Himmel aufnehmen. Wenn wir aber wie Maria Christus mehr und mehr in uns tragen, wird er an uns künftig tun, was er an Maria schon vorweggenommen hat. In der Stunde unseres Todes oder wenigstens nicht weit davon entfernt soll der Herr eines Tages unsere ‚Wegzehrung’ werden: Eine letzte ‚Impfung’ wird das sein, damit der Todesstachel uns nicht schaden kann. Weil aber niemand von uns um diese Stunde weiß, soll die Eucharistie wenigstens jeden Sonntag, am besten auch wochentags, unsere Arznei sein. Dann sind wir immer für den Übergang bereit.

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