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Alter römischer Messritus bald wieder für alle genehmigt?

28. September 2005 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Die allgemeingültige Genehmigung der Tridentinischen Messe würde kanonische und liturgische Fragen aufwerfen, aber keine grundlegenden theologischen Bedenken mit sich bringen, sagt Kardinal Jorge Medina Estevez.


Rom (www.kath.net / CWNews) Papst Benedikt XVI. könnte bald allen Priestern in der Welt genehmigen, die Messe nach dem Tridentinischen Ritus zu feiern. Das vermutet Kardinal Jorge Medina Estevez in einem Interview mit „I Media“.

Der ehemalige Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung warnt jedoch vor zu schnellen Entscheidungen. Bevor sich die traditionelle Piusbruderschaft ganz mit dem Heiligen Stuhl versöhnen könne, müssten ernsthafte Aspekte in Lehrfragen geklärt werden - etwa in puncto Liturgie, sagt der geborene Chilene. Er vermutet, dass eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden könnte, die solche Fragestellungen diskutiert.

Papst Benedikt hatte am 29. August den Obersten der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, empfangen. Dieser schlug dem Heiligen Vater als ersten Schritt in Richtung Versöhnung vor, allen Priestern das Recht zuzuerkennen, die Heilige Messe so zu feiern, wie Papst Pius V. nach dem Konzil von Trient festgesetzt hatte, nämlich nach dem Tridentinischen Ritus. Zwar sieht Kardinal Medina „kein Problem“ darin, die Erlaubnis der Lateinischen Messe weiter auszudehnen, er glaubt aber, ein solcher Schritt würde „nicht die fundamentalen Probleme mit der Piusbruderschaft lösen“.

Den Leitern der Piusbruderschaft sei durchaus bewusst, dass „Papst Benedikt um die vollkommene Einheit aller Katholiken – aller Christen – besorgt ist, vor allem jener, die die Beschlüsse und Positionen des Erzbischof Lefebvre aufrechterhalten“, erklärt er. Deshalb könne man nicht sagen, „dass das Treffen mit dem Heiligen Vater unerwartet kam“. Kardinal Medina ist Mitglied der von Papst Johannes Paul II. eingesetzten Kommission „Ecclesia Dei“, die sich der Belange all jener Katholiken annimmt, die an der Lateinischen Messe festhalten - zum Beispiel eben der Piusbruderschaft.

Zudem sind dem Treffen Ende August „viele weitere Kontakte“ zwischen Vatikanischen Beamten und Vertretern der Gruppe um Erzbischof Lefebvre vorausgegangen, berichtet Kardinal Medina. Er selbst etwa sprach während seiner Amtszeit als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung mit dem traditionalistischen Führer. Und auch Kardinal Dario Castrillon Hoyos, Präfekt der Kongregation für den Klerus, traf sich mehrmals mit Bischof Fellay.

Dabei wurden die verschiedenen Strömungen in der Piusbruderschaft deutlich: Während einige Mitglieder der traditionalistischen Gruppe nicht flexibel seien, zeigten sich andere einem Dialog mit Rom eher zugeneigt, sagt der Kardinal. Wenn manche Traditionalisten die „Novus Ordo”-Messe als „häretisch“ oder „ungültig“ bezeichnen, schaffen sie „eine extrem schwierige Situation“, erklärt er. Der Vatikan wird seiner Ansicht nach darauf drängen, dass Mitglieder der Bruderschaft die Gültigkeit der nachkonziliaren Messe anerkennen. Das würde auch für die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils gelten.

Er selbst hofft, „dass nach und nach die Möglichkeit, die alte Form des Römischen Ritus zu feiern, eröffnet wird.“ Grundsätzlich aber gelte: Jeder Ritus ist gültig. Sowohl das Messbuch vom Heiligen Pius V. als auch das von Paul VI. „seien beide absolut orthodox“, sagte er. Jeder Ritus spreche „verschiedene Sensibilitäten“ an. Das Hochgebet des alten Ritus sei besonders wertvoll in seiner Betonung auf „dem Opfercharakter der Messe: ein wesentlicher Aspekt der Eucharistiefeier“, bemerkte er.

Die allgemeingültige Genehmigung der Tridentinischen Messe würde kanonische und liturgische Fragen aufwerfen, aber keine grundlegenden theologischen Bedenken mit sich bringen, glaubt der Kardinal. Wenn er selbst – als Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung – gebeten werde, die Messe im Tridentinischen Ritus zu feiern, dann tue er es – und zwar „ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen.“



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