22 September 2005, 19:14
Das liturgische Kleid
 
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3. Teil einer Serie zur Eucharistiefeier von Pfarrer Christoph Haider.

Wien (www.kath.net)
In wenigen Wochen geht das von Papst Johannes Paul II. ausgerufene „Jahr der Eucharistie“ zu Ende. Es endet mit der Weltbischofssynode in Rom, die von 2. bis 23. Oktober stattfindet. KATH.NET stellt aus diesem Anlass erneut eine Kurzserie zum Thema „Eucharistie“ vor.

Pfarrer Christoph Haider (Tirol) beleuchtet verschiedene Aspekte der Eucharistiefeier: Den Bußakt, die Gabenbereitung, das liturgische Kleid, Momente der Stille in der Messe, die Erhebung der Hostie, die Eucharistie als Arznei der Unsterblichkeit sowie „Herr, ich bin nicht würdig“.

3. Teil der Serie zur Eucharistiefeier: Das liturgische Kleid

In den laufenden Beiträgen zur Liturgie der Kirche werden kleine Momente der Messfeier beleuchtet, um als Aufhänger für größere Einsichten zu dienen. Wenden wir diese Vorgangsweise auf das Tragen liturgischer Gewänder an. Die meisten Formen und Namen liturgischer Kleider haben ihren Ursprung in Moden der ausgehenden griechisch-römischen Antike im Mittelmeerraum. Die Albe leitet ihre Herkunft aus der antiken Tunika ab. Die Kasel, das Messkleid, entwickelte sich aus der Casula, einem mantelartigen Umhang, ursprünglich eine Bekleidung für den Alltag, später, im dritten Jahrhundert, ein Festtagsmantel. Als im frühen Mittelalter neue Männermoden aufkamen, hielten die Kleriker der Kirche an den überlieferten Formen fest. Die Unterscheidung zwischen Alltagskleid und liturgischem Gewand hielt allmählich Einzug. Nicht zuletzt spielte eine Rückbesinnung auf das gottesdienstliche Kleid im Alten Testament eine Rolle. Das sakrale Kleid wurde symbolisch gedeutet. Biblische Ansätze dafür gab und gibt es genug.

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Für uns scheint besonders die Offenbarung des Johannes eine Fundgrube liturgischer Anregungen zu sein, soll doch die irdische Liturgie eine Vorstufe, ein Vorgeschmack der himmlischen Erfüllung sein. Keiner der neutestamentlichen Schriftsteller aber gibt uns mehr Einblick in die himmlische Liturgie als der Seher von Patmos. Das Lamm Gottes, das er vor dem Thron Gottes schauen durfte, hat als Gefolge eine große Schar aus allen Nationen und Völkern, die durch ihre "weißen Gewänder" (= Alben) auffallen. "Sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht" (Offb 7,14). Das Kleid, das vom Blut des Lammes rein gewaschen ist, ist in der irdischen Liturgie zunächst das Taufkleid. "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt" (Gal 3,27).

Wenn schon jeder Getaufte Christus angezogen hat, dann gilt dies ebenso und in besonderer Weise für die geweihten Amtsträger der Kirche. Da der Priester bei der Messe ,in persona Christi' handelt, soll er als ,anderer Christus' erkennbar sein. In erster Linie geschieht diese Erkennung durch das Streben des Priesters nach einem heiligmäßigen Leben und durch die gläubige Art und Weise, wie er die Messe feiert. Darüber hinaus trägt sein äußeres Erscheinungsbild dazu bei, in ihm Christus zu erkennen. Albengewänder sind nun für alle, die unmittelbar im Altarraum mitwirken, ein angemessener Ausdruck dafür, dass sie als Gläubige durch die Taufe zu einem priesterlichen Volk geworden sind. Der Priester jedoch soll sich noch einmal ein wenig unterscheiden wegen seines besonderen Priestertums.

Wie uns von Jesus berichtet wird, dass sein Obergewand bei seinem Kreuzesopfer ein Besonderes war, dass es "von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war" (Joh 19,23), so kann und soll auch sein Diener bei der sakramentalen Vergegenwärtigung dieses Opfers ein eigenes geistliches Gewand, das Messkleid, tragen. Ein Bischof gab auf die Frage, warum denn die Priester und Bischöfe bei der Messe herausragend schöne Gewänder tragen, die Antwort: "damit ihre Sündhaftigkeit zugedeckt wird, während sie in der Person Christi am Altar stehen".

Das ist eine treffliche Erklärung, sie deckt sich inhaltlich mit einer Aussage von Charles de Foucauld: "Der Priester ist eine Monstranz. Seine Aufgabe ist es, Jesus zu zeigen. Er selbst muss sich zurücknehmen und zulassen, dass man nur Jesus sieht." Natürlich wird diese Zeigefunktion für den Größeren, für Christus, nicht allein und nicht zuerst durch das Kleid abgedeckt, aber sie drückt sich eben auch im Äußeren aus. Das Christliche ist die Religion der Menschwerdung Gottes, deshalb ist Liturgie immer auch sinnenfällige Darstellung des Heils in menschlichen Gebärden und Zeichen.

Bleiben wir, um das Gemeinte zu verdeutlichen, beim Bild der Monstranz: So manche gotische oder barocke Monstranz, aber auch die moderne Monstranz, mit der Papst Benedikt XVI. die hunderttausenden Jugendlichen am Weltjugendtag bei ihrer Vigil auf dem Marienfeld bei Köln gesegnet hat, ist ein richtiger Blickfang. Auf den ersten Blick verschwindet die Hostie fast im Gold und in der edlen Form.

Doch bei näherem Zusehen erblickt das im Glauben geschulte Auge zusehends Christus in der Monstranz, bis schließlich nur mehr Christus allein übrig bleibt. Die Schönheit des Gefäßes soll dazu dienen, die Gegenwart des Herrn in der Brotsgestalt für uns zum Leuchten zu bringen. Ähnlich verhält es sich mit dem liturgischen Kleid: Ein unvoreingenommener gläubiger Blick stört sich im Gottesdienst nicht an schönen, würdigen Gewändern des Papstes, der Bischöfe, der Priester und Diakone.

Im Gegenteil, die Schönheit des Kleides kann dienlich sein, "in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht" (II. Vatikanisches Konzil) leichter die Gegenwart des Herrn zu erkennen. Schon öfters konnte ich persönlich erleben, dass Menschen sich nach einem Weihnachts- oder Ostergottesdienst für das Tragen des edlen Messgewandes bedankten, das ich eigentlich nur dem Drängen der Messnerin zuliebe angezogen hatte. Offenbar sieht das gläubige Volk Gottes die Kleiderfrage etwas anders als so manche Priester, die am liebsten nur in grauen Mantelalben die Messe feiern.

Es geht nicht um den Priester als Menschen, sondern darum, erkenntlich zu machen, was er Kraft seiner Weihe ist und tut. Nicht ihm, sondern dem festlichen Anlass gibt sein Festgewand mehr Würde und Bedeutung. Das habe ich einmal erfahren, als ich bei einer Erstkommunionfeier ein viel einfacheres Messkleid genommen hatte als im Vorjahr. Schade, bedauerte ein Kind, für ihren schönsten Tag hätte sie sich das gleich schöne Kleid erwartet als ein Jahr zuvor, als die große Schwester Erstkommunion hatte.

Unsere Zeit, die oft so arm ist an echter Wärme, so übervoll an Technologie, überflutet mit Informationen, braucht in der Liturgie wieder stärkere Symbole; keinen Prunk, aber echte und würdige Ausdrucksformen, die das Herz und die Sinne erheben. Alle Ehre aber im Gotteshaus gebührt dem Herrn: "Denn du allein bist der Heilige, du allein der Herr, du allein der Höchste: Jesus Christus, mit dem Heiligen Geist, zur Ehre Gottes des Vaters" (Aus dem Gloria-Hymnus).

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