09 September 2005, 09:51
Warum Oriana Fallaci beim Papst war
 
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Benedikt XVI. scheut keine Auseinandersetzung mit Intellektuellen. Weihbischof Rino Fisichella über das Treffen des Papstes mit der Schriftstellerin und Islam-Kritikerin.

Rom (www.kath.net / zenit) Der Besuch der italienischen Journalistin und Schriftstellerin Oriana Fallaci bei Papst Benedikt XVI. am 27. August in Castel Gandolfo hat in Italien große Verwunderung und Kritik hervorgerufen. Weshalb der Papst die umstrittene, als große Islam-Kritikerin bekannte 76-jährige Italienerin dennoch zu einer Privataudienz empfing, das hat kürzlich der römische Weihbischof Rino Fisichella der Öffentlichkeit erklärt.

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“Niemand sollte überrascht sein, wenn der Heilige Vater Oriana Fallaci empfängt und mit ihr redet – außer vielleicht diejenigen, die böse Absichten haben“, sagte der 57-jährige Bischof in der Montag-Ausgabe der italienischen Tageszeitung "Il Corriere della Sera". Die italienische Journalistin Fallaci, die heute in New York lebt und seit Jahren an Krebs leidet, hält der Weihbischof von Rom, der zudem Rektor der römischen Lateranuniversität ist, für eine "Interpretin unserer Zeit, die vor einer drohenden Gefahr warnt und die darum gebeten hat, vertraulich mit dem Papst sprechen zu dürfen" Und der Papst habe einfach eingewilligt.

Fallaci sei zwar keine gläubige Frau, aber ein Mensch, der sehr viel nachgedacht habe. In diesem Zusammenhang verwies Weihbischof Fisichella auf ein Interview, in dem die Italienerin dem damaligen Kardinal Ratzinger ausdrücklich zu seiner "großartigen" Einladung an die Ungläubigen gratuliert hatte, so zu leben, als ob Gott tatsächlich existiere.

Das Treffen der dem Islam sehr kritisch gegenüberstehenden Journalistin und dem Papst, von dem die Presse erst Tage später informiert wurde, habe keinen politischen Charakter gehabt, betonte Weihbischof Fisichella. Es habe sich vielmehr um eines der vielen Zusammenkünften mit gelehrten Frauen und Männern gehandelt, die Kardinal Ratzinger stets gehabt habe.

Und auch Benedikt XVI. werde es so halten. In diese Kategorie fielen unter anderem die Treffen mit Jürgen Habermas, Paolo Flores d'Arcais oder Marcello Pera, dem italienischen Senatspräsidenten. Das Treffen mit Fallaci sei rein privater Natur gewesen, weil es sich die Italienerin so gewünscht habe.

Weihbischof Fisichella sagte außerdem, er hoffe, dass Fallaci, "eine brillante Schriftstellerin und ausgezeichnete Journalistin, Benedikt XVI. einmal in die lange Liste jener großen Persönlichkeiten aufnehmen wird, die sie interviewt hat“.

Bei ihrem Besuch in Castel Gandolfo schenkte Oriana Fallaci dem Heiligen Vater ihre Bücher "Die Wut und der Stolz", "Oriana Fallaci interviewt Oriana Fallaci" und "Die Kraft der Vernunft". In letzterem Werk bezeichnet sie sich als Atheistin und geht scharf mit dem Islam ins Gericht. Deshalb wurde sie vom Präsidenten der Gemeinschaft der italienischen Moslems wegen "eindeutig beleidigender Äußerungen gegenüber dem Islam" angezeigt.







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