08 September 2005, 15:56
Der Blick zum Kyrios
 
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Der Bußakt ist weder Gejammer noch Selbstbeschau sondern stellt das Erbarmen Gottes in die Mitte. 1. Teil einer Serie zur Eucharistiefeier von Pfarrer Christoph Haider.

Wien (www.kath.net)
In wenigen Wochen geht das von Papst Johannes Paul II. ausgerufene „Jahr der Eucharistie“ zu Ende. Es endet mit der Weltbischofssynode in Rom, die von 2. bis 23. Oktober stattfindet. KATH.NET stellt aus diesem Anlass erneut eine Kurzserie zum Thema „Eucharistie“ vor.

Pfarrer Christoph Haider (Tirol) wird in den nächsten sieben Wochen verschiedene Aspekte der Eucharistiefeier beleuchten: Den Bußakt, die Gabenbereitung, das liturgische Kleid, Momente der Stille in der Messe, die Erhebung der Hostie, die Eucharistie als Arznei der Unsterblichkeit sowie „Herr, ich bin nicht würdig“.

Das Schlagen an die Brust - Aus Demut wächst Freude! Von Pfarrer Christoph Haider

Der Bußakt ist fester Bestandteil jeder Messfeier. Laut Messbuch kann er verschiedene Formen annehmen und länger oder kürzer ausfallen. Die Grundform des Bußaktes bildet das allgemeine Schuldbekenntnis, gefolgt von der Vergebungsbitte und abgerundet durch das Kyrie eleison. Eher seltener bekommt man in Gottesdiensten die alternative Form des Bußaktes zu hören, wo Priester und Volk im Wechsel beten: „Erbarme dich, Herr, unser Gott, erbarme dich. Denn wir haben vor dir gesündigt. Erweise, Herr, uns deine Huld. Und schenke uns dein Heil.“

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Auch hier schließt sich die Vergebungsbitte an, das Kyrie Eleison erklingt. Als dritte Variante sieht das Messbuch frei formulierbare Christus-Anrufungen vor, verbunden mit dem dreimaligen „Herr, erbarme dich (unser), Christus, erbarme dich (unser)“. An Sonntagen und besonders in der österlichen Zeit empfiehlt die Kirche anstelle des Bußaktes das so genannte „Asperges“, die Segnung des Wassers und dessen Aussprengen über die Anwesenden als Taufgedächtnis.

Leider haben sich da und dort in den Bußakt - offenbar vorwiegend im deutschen Sprachraum - fremde Elemente eingeschlichen. Frei gestaltete Bußrufe tönen mitunter wie moralische Appelle anstatt dass Christus in seinem Erbarmen angeredet wird. Weil diese abwegige Form relativ weit verbreitet ist, sei eine zufällige Kostprobe aus einem liturgischen Behelf wiedergegeben, um zu zeigen, wie man es nicht machen soll: „Verschlossen sind wir und misstrauisch - und wollen doch Glück und Leben für alle; so rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich! Kleingläubig sind wir und selbstbezogen - und sehen uns doch nach Gemeinschaft; so rufen wir zu dir: Christus, erbarme dich! Unsicher sind wir und kennen den Weg oft nicht - und wollen doch deine Wege gehen; so rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich!“

Die Blickrichtung stimmt hier nicht: Der Bußakt der Messe ist kein Gejammer und keine Selbstbeschau. Die Gottesdienstgemeinschaft blickt gemeinsam auf Christus und stellt sein reiches Erbarmen in die Mitte. Das sündige Ich soll ausgeblendet, der heilige Herr eingeblendet werden. Das jedenfalls ist der tiefere Sinn des griechischen „Kyrie eleison“. Das Gewicht liegt auf dem „Kyrie“, womit der erhöhte Herr gemeint ist.

Im römischen Kaiserkult wurde der siegreiche Feldherr mit „Kyrie eleison“ verherrlicht, wenn er sich der Bevölkerung zeigte, die vom ihm wie von einem Gott Wohltaten erbat. Im orientalischen Sonnenkult wurde mit demselben Ruf die göttliche Sonne bei ihrem Aufgehen begrüßt. Als die Christen dieses Gebet in ihre Liturgien aufnahmen, meinten sie genau dasselbe, nur in Bezug auf Christus. Der siegreiche göttliche Erlöser, der Aufgang aus der Höhe, wird gegrüßt.

Das liturgische „Kyrie eleison“ war von Anfang an ein Lobpreis auf die Erbarmungen des Herrn. Wie wohltuend ist diese Kursänderung, wenn anstelle einer Nabelschau mit Zeigefingersätzen ganz einfach der Herr angeschaut wird, wie er sich unser gerade erbarmt. Wenn also schon frei formuliert sein darf, dann soll der Herr in seinem Erbarmen angeredet werden – durchaus auch mit Bezug zum Tag oder zum Festgeheimnis.

Nun aber zurück zum Schuldbekenntnis, dem „Confiteor“, dem eigentlichen Ort, wo wir uns wirklich eingestehen, welch großer Unterschied zwischen uns sündigen Menschen und dem heiligen Gott besteht. Es gibt kein Einswerden mit Gott ohne das Loswerden von der Sünde. Bevor der Mensch eintritt in die Sphäre des heiligen Gottes, muss er den Schmutz seiner Seele ablegen. Buße und Eucharistie gehören zueinander wie die Stufe und der Gipfel.

Wer zu Christus in der Eucharistie, in seiner sakramentalen Höchstform, hinaufsteigen will, wird dies immer wieder über die sakramentale Vorstufe, die Beichte, tun. Papst Benedikt XVI. stellte am Weltjugendtag diese Verbindung her: „Mit der Liebe zur Eucharistie werdet Ihr auch das Sakrament der Versöhnung neu entdecken, in der Gottes verzeihende Güte immer wieder einen Neubeginn in unserem Leben möglich macht.“

Der Bußakt der Messe ersetzt die Beichte nicht. Aber er ist eine treffliche Möglichkeit, um den Bußcharakter des christlichen Lebens in uns wach zu halten. Heutzutage wird doch von der Kirche, speziell vom Papst, ein öffentliches „mea culpa“ für die Sünden der Kirchengeschichte erwartet. Diejenigen, die das von der Kirche fordern, haben vielleicht nie oder selten miterlebt, dass Katholiken dies bei jeder Messe tun können, und zwar viel wirksamer und vollständiger: Wir entschuldigen uns nicht vor der Öffentlichkeit für Sünden, die gar nicht wir selbst getan haben, sondern wir geben vor Gott und allen Brüdern und Schwestern öffentlich zu, dass wir täglich sündigen, ganz persönlich.

Bei jeder Messfeier geschieht Schuldbekenntnis, aber nicht vor dem Tribunal der Welt, sondern im Angesicht des gekreuzigten Christus, der einmal unser Richter sein wird. Wir sind wohl die einzige Gesellschaft dieser Welt, die ihre Versammlungen regelmäßig mit „mea culpa“ beginnt. Weil der Priester unterschiedslos in den Bußakt am Anfang der Messe einbezogen ist, bekennt auch er sich vor allen Anwesenden und mit ihnen als „sündigen Diener“ (vgl. Erstes Hochgebet).

Nachdem in einigen Gegenden Europas wenig Menschen und fast immer nur die gleichen zur Messe kommen, kommt mancher Priester in die Versuchung, den Bußritus auf das Minimum zu verkürzen bzw. nur mehr die Alternativformen ohne Schuldbekenntnis zu verwenden. Der Grund liegt wohl in einer gewisse Scham, diesem ‚kleinen Rest’ von Getreuen auch noch ein Sündenbewusstsein einzureden, während der Rest der Welt sich ohne Sünde fühlt.

Bei größeren Feierlichkeiten mit etwas mehr Andrang entfällt der Hauptteil des Bußaktes, das Schuldbekenntnis, deshalb gern, weil man ja eine frohe Feiergemeinde sein möchte, die „unser Leben sei ein Fest“ singen und nicht Zerknirschung zelebrieren möchte. Päpstliche Liturgien, sei es bei Heiligsprechungen am Petersplatz oder bei Weltjugendtagen mit hunderttausenden Teilnehmern, beginnen wie selbstverständlich mit „Confiteor“ - „Ich bekenne...“ Das ist gut so. Der Papst geht uns mit gutem Beispiel voran. Bußgesinnung tut der Freude keinerlei Abbruch; im Gegenteil: Aus Demut wächst Freude!

Das sinnenfällige Zeichen des Klopfens an die eigene Brust sagt mehr als viele Worte. Die dreimalige Wiederholung des Klopfens bei „durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.“ intensiviert die Zeichensprache und hilft, die Bußgesinnung zu verinnerlichen. Im christlichen Gottesdienst wird kein Finger auf die anderen gerichtet.

Vor Gott gilt es ‚den Balken im eigenen Auge’ zu sehen... „durch meine große Schuld.“ Wie gut biblisch doch die katholische Liturgie ist! Bis in kleine Details orientiert sie sich an Vorgaben der Heiligen Schrift: „Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! (Lk 18,13)

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