
26. Jänner 2026 in Weltkirche
Theologe Johannes Hartl: „In Frankreich berät die Kirche sich auch, allerdings über andere Themen als beim deutschen ‚synodalen Weg‘. Es geht um die Frage, wie man mit der Masse an überwiegend jungen Taufbewerbern umgehen soll“. Von Petra Lorleberg
Paris (kath.net/pl) Das Erzbistum Paris beruft für die gesamte Kirchenprovinz Paris für 2026 bis 2027 ein Provinzialkonzil ein, um auf den beispiellosen Anstieg der Konversionen von Erwachsenen und Jugendlichen in ganz Frankreich zu antworten. Die Vorbereitungen für dieses „concile provincial“ laufen schon eine geraume Zeit, am 25. Januar (Fest der Bekehrung des hl. Paulus) wurde der offizielle Startschuss gegeben. Darüber berichten französische und internationale katholische Medien.
„Das Thema ist überaus erfreulich und motivierend“, sagte Pfr. Maiximilien de La Martinière, Generalsekretär dieses Provinzialkonzils, gegenüber der englischsprachigen Zeitschrift OSV News. „In meiner eigenen Gemeinde haben wir in den letzten Jahren in jeder Osternacht etwa 15 Jugendliche oder junge Erwachsene getauft. Letztes Jahr waren es 23, und mittlerweile haben wir 50 Katechumenen unter den 800 Sonntagsbesuchern. Das verändert die Gemeinde. Viele Gemeinden erleben ähnliche Entwicklungen.“ Diese Bewegung beginne, „einen echten Einfluss auf das Leben der Katholiken in Frankreich zu haben.“
Die Methodik dieses Provinzialkonzils ähnelt der einer Synode, berichtet OSV News weiter. Auch Jugendbewegungen, darunter Pfadfinder, Schulseelsorge und katholische Universitäten, werden teilnehmen. Nach der Konsultationsphase beginnt am 31. Mai eine Versammlung von 400 Personen einen einjährigen Prozess des Austauschs und der Synthese. In den folgenden Monaten reisen die Bischöfe nach Rom, um ihre Schlussfolgerungen und Empfehlungen vorzustellen.
Die zuständigen Bischöfe des Ballungsraums Île-de-France, der kirchenrechtlich eine Kirchenprovinz darstellt und der neben dem Erzbistum Paris weitere Bistümer umfasst, haben auch eine eigene Website dafür initiiert (siehe Link). Dort wird über das Provinzialkonzil erklärt: Zum ersten Mal organisiert die Kirchenprovinz Île-de-France ein eigenes Provinzialkonzil. Obwohl es natürlich kleiner als das Zweite Vatikanische Konzil ist, wird es als historisches Ereignis für die Region betrachtet. Das Hauptziel ist die Transformation der Pfarreien: Sie sollen "katechumenaler" werden, also offener und fähiger, Menschen, die Christen werden wollen, aufzunehmen und zu begleiten.
Die drei Phasen des Provinzialkonzils gemäß Selbstdarstellung:
Kernbotschaft: Es handelt sich um ein „Konzil der Nähe“, bei dem jeder Christ der Region (z. B. durch Gebet oder Beteiligung) mitwirken kann, um die Zukunft der Kirche vor Ort mitzugestalten.
Hintergrund: Das Kirchenrecht sieht neben dem „Ökumenischen Konzil“, das die gesamte katholische Weltkirche betrifft (Beispiel: II. Vatikanum), auch Konzilien von Teilkirchen vor. Partikularkonzilien/Provinzialkonzilien gibt es bereits seit der frühen Christenheit. Außerdem gibt es im Kirchenrecht auch die selten genutzt Möglichkeit zu Plenar- oder Nationalkonzilien, dabei versammeln sich die Bischöfe eines bestimmten Landes.
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In Frankreich berät die Kirche sich auch, allerdings über andere Themen als beim deutschen "synodalen Weg". Es geht um die Frage, wie man mit der Masse an überwiegend jungen Taufbewerbern umgehen soll. https://t.co/uWqqQGAp5w
— Johannes Hartl (@DrJohannesHartl) January 25, 2026
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