
16. Oktober 2026 in Aktuelles
Der erste wirkliche Personalwechsel von Leo XIV. hat symbolischen Charakter, heißt es in einem Kommentar des "National Catholic Register".
Rom (kath.net / pk) Die Ernennung von Kardinal Mauro Gambetti zum Erzbischof von Chieti-Vasto in Italien ist der erste wirkliche Personalwechsel im Pontifikat Leos XIV. Gambetti – seit 2021 Erzpriester des Petersdoms – wird in das eher unbedeutende italienische Bistum Chieti-Vasto versetzt, das seit 2004 von Erzbischof Bruno Forte geleitet wird.
Er hätte wiederernannt oder an eine andere Stelle im Vatikan versetzt werden können, was aber nicht geschehen ist, heißt es in einem Kommentar des „National Catholic Register“. Forte habe zu Beginn des Pontifikats von Papst Franziskus als aufsteigender Stern gegolten.
Er war Sondersekretär der Familiensynode und unter anderem Verfasser eines umstrittenen Textes während der Synodensitzung 2014, der die Tür für eine Aufnahme Homosexueller öffnete. „Erzbischof Forte verkörperte die Synode im Sinne von Papst Franziskus, und vor zwölf Jahren zeichnete sich eine glänzende Laufbahn ab, die Kardinalswürde schien greifbar nah.“
Forte sei unvorsichtig genug gewesen, „Interna der Synode preiszugeben, die unter anderem eine gewisse Gerissenheit Papst Franziskus’ sichtbar machten“. Nun tritt an seine Stelle Kardinal Gambetti, der „mehr als jeder andere“ die Regierungsweise von Papst Franziskus verkörpert habe.
„Unter Kardinal Gambetti hörte der Petersdom auf, mehrere Messen parallel zu feiern. Stattdessen wurde die Konzelebration gemeinschaftlicher Messen gefördert. Der Zugang zur Basilika wurde zwischen Pilgern und Touristen aufgeteilt. Neben den vom Vatikan Beschäftigten wurden auch verschiedene Berater eingestellt, darunter solche der Fabbrica di San Pietro – der Dombauhütte von St. Peter.“
Auffällig sei, dass der Papst nicht sofort einen Nachfolger Gambettis als Leiter des Petersdoms ernannt habe. „Offenbar will der Papst, bevor er einen Nachfolger benennt, die Finanzen der Basilika, des Kapitels und der Dombauhütte von St. Peter einer Prüfung unterziehen“, meint der Kommentator.
Er ist der Überzeugung, dass Papst Leo „eine der umstrittensten Verwaltungen der letzten Jahre des Pontifikats von Franziskus“ reformieren wolle. „Der Nachfolger Kardinal Gambettis könnte den Beginn eines neuen Kapitels markieren und wahrscheinlich einen Wendepunkt im leoninischen Pontifikat.“
Mehrere Leiter von Dikasterien werden bald ausgetauscht, etwa der mittlerweile 76-jährige Kardinal Arthur Roche, der das Dikasterium für den Gottesdienst leitet. Roche habe ebenso wie sein Stellvertreter Erzbischof Vittorio Viola die Position von Franziskus gegen die traditionalistische Welt unterstützt. „Leos Entscheidung über seinen Nachfolger wird daher ideologisches Gewicht haben.“ Laut vom NCR kolportierten Gerüchten sollen beide gehen.
Papst Leo habe es „bisher sehr gut verstanden, die Karten neu zu mischen. Die Präfekten, die Leo bislang ausgewählt hat, sind von zweierlei Art: Die Kleriker sind in der Regel fleißig, bescheiden und nicht unbedingt charismatisch, gelten aber als integer. Die Laien waren bisher ausnahmslos Frauen, von Schwester Alessandra Smerilli bis zur Präsidentin und CEO von EWTN News, Maria Montserrat Alvarado, die im November ihr Amt als Präfektin des Dikasteriums für die Kommunikation antreten wird.“
Der Abgang Kardinal Gambettis markiere „den Moment, in dem Leo XIV. beginnt, sein Team zusammenzustellen und dem Pontifikat seine eigene persönliche Handschrift aufzudrücken“, schließt der Kommentar. „Papst Franziskus hat viele Fragen ungelöst hinterlassen, und Leo XIV. hat sich vorerst vor allem auf kirchliche Angelegenheiten konzentriert.“
Auf wirtschaftlichem Gebiet habe er Kontinuität bevorzugt, bei Personalentscheidungen habe er für die kirchlichen Ämter unauffällige Besetzungen beibehalten und Normalität gesucht. Für die eher operativen Ressorts, etwa die Kommunikation, hat er stärker operative und manageriale Profile gesucht. „Diese Tendenzen spiegeln den Charakter des Pontifikats noch nicht vollständig wider, sondern zeigen nur einen Papst, der um besonnene Entscheidungen bemüht ist.“
Er sei „ein Papst mit eigenen Zügen, der nichts gegen das vorige Pontifikat hat, der aber dennoch seine eigene Dimension in der Leitung der Kirche sucht. Er lässt sich weder als progressiv noch als konservativ einordnen. Er ist schlicht Leo. Es ist eine persönliche Synthese, zu der Handlungen gehören wie die Abberufung des Erzpriesters des Petersdoms – und in anderen Situationen das Unterlassen von Handlungen.“
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