
22. August 2026 in Aktuelles
Leo XIV. rief in San Marino zu Berufung, Sakramenten, sozialer Verantwortung und kirchlicher Einheit auf, Jugend, Familie, Liturgie und Gemeinschaft. Von Armin Schwibach
San Marino (kath.net/as) Beim Pastoralbesuch in der Republik San Marino begegnete Papst Leo XIV. in der Basilika des heiligen Marinus der Diözesangemeinschaft von San Marino-Montefeltro. Am Eingang der Basilika empfingen ihn Bischof Domenico Beneventi und der Rektor Don Marco Mazzanti. Nach der Anbetung des Allerheiligsten Sakraments und der Verehrung der Reliquien des heiligen Marinus von Rimini wandte sich der Papst an Priester, Ordensleute, Vertreter des kirchlichen Lebens und die Gläubigen der Diözese. Er verstand die Begegnung als einen Abschnitt auf dem gemeinsamen Weg der Kirche hinter Christus.
Zu Beginn erinnerte Leo XIV. an den Patron der Diözese und an die Geschichte der christlichen Gemeinschaft. Er erklärte, er freue sich, „in dieser Basilika, die dem heiligen Diakon Marinus, eurem Patron, geweiht ist“, mit den Anwesenden zusammenzutreffen. Er grüßte den Bischof, die Priester, die Ordensleute und alle Vertreter des kirchlichen Lebens. Die Begegnung sollte nach seinen Worten als „eine Rast auf unserem gemeinsamen Weg in den Spuren Christi“ verstanden werden. Die Geschichte von San Marino-Montefeltro sei mit dem Zeugnis der Heiligen Marinus und Leo verbunden. Vor achtzehn Jahrhunderten hätten sie mit der Verkündigung des Evangeliums in diese Wirklichkeit neue Perspektiven und Werte hineingetragen. Leo XIV. griff dabei eine Formulierung Benedikts XVI. auf, wonach sie „die Entstehung einer Kultur und einer Zivilisation bewirkten, die auf die menschliche Person als Abbild Gottes ausgerichtet war“. Marinus und Leo seien zunächst Laien und Steinmetze gewesen und erst später in unterschiedlichem Maß zum geweihten Dienst berufen worden. Sie hätten die Botschaft des Evangeliums in ein gemeinschaftliches und politisches Modell übersetzt, das von den christlichen Grundsätzen der Freiheit, des gegenseitigen Respekts und der Gemeinschaft geprägt gewesen sei. Dieses Modell habe, so Leo XIV., bis in die Gegenwart fortgewirkt.
Daran knüpfte der Papst seine Betrachtung über den Weg der Diözese an. Er wandte sich zunächst an die Jugendlichen und erinnerte an den Besuch Benedikts XVI. vor fünfzehn Jahren. Dessen Aufforderung lautete: „Bleibt nicht bei den teilweisen, unmittelbaren Antworten stehen, die im Augenblick leichter und bequemer sind, die einige Augenblicke des Glücks, der Begeisterung, des Rausches schenken können, euch aber nicht zur wahren Freude am Leben führen.“ Benedikt XVI. habe damals hinzugefügt: „Euer Herz ist ein Fenster, das auf die Unendlichkeit geöffnet ist!“ Leo XIV. nahm dieses Bild auf und forderte die Jugendlichen auf: „Haltet dieses Fenster offen!“. Die jungen Menschen sollten mit dem Blick der Seele den Wegen folgen, die in ihnen durch die großen Wünsche nach Schönheit, Güte und Leben angelegt seien. Wenn sie diese Wege aufmerksam betrachteten und auf ihre Stimme hörten, würden sie nach den Worten des Papstes „nach oben führen, zur Begegnung mit Gott, dorthin, wo Er euch sucht und auf euch wartet“. Mit Gottes Hilfe könnten ihre Träume dann die Kraft erhalten, in die Geschichte einzugreifen und sie zu verändern.
Damit verband Leo XIV. einen zweiten Auftrag an die Jugendlichen: „Nehmt eure Sendung in der Welt mit Begeisterung an!“. Zunächst gehe es darum, die je eigene Berufung zu erkennen und ihre Größe zu verstehen. Die Berufung sei für jeden Menschen einmalig. Danach müsse man sich für diese Berufung einsetzen und „ohne Einschränkung den ganzen Reichtum der Gaben einsetzen, die Gott euch geschenkt hat“. Der Papst forderte dazu auf, keine Angst vor anspruchsvollen Entscheidungen zu haben. Dazu zählte er die Ehe, die Weihe, den priesterlichen Dienst, das Berufsleben sowie das gesellschaftliche und politische Engagement. Die Jugendlichen sollten sich auf die Verantwortungen vorbereiten, die vor ihnen lägen, und sich in Projekte der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit einbringen. Auf diese Weise könnten auch sie „ein Zeugnis des Friedens geben, das zur Welt spricht“, wie es das Motto des Pastoralbesuchs formulierte.
Im Anschluss richtete Leo XIV. den Blick auf die Erziehung im Glauben. Er dankte den Priestern, Katecheten und allen Erziehern, die sich auf unterschiedlichen Wegen um das menschliche und christliche Wachstum der Kinder und Jugendlichen bemühten. Ihre Arbeit sei verborgen, aber von Bedeutung, weil sie den Eltern helfe, die für die Erziehung ihrer Kinder im Glauben zuerst verantwortlich seien. Die Familie bezeichnete der Papst als „den ersten Ort der Glaubensbildung, den natürlichen Schoß, in dem das Evangelium von Kindheit an gelernt und täglich eingeatmet wird“. Deshalb müsse die Pastoral eine Verbindung zwischen Familien und kirchlichen Gemeinschaften fördern. Leo XIV. sprach von einem „Erziehungspakt“, durch den sich die Eltern einbezogen fühlten, selbst den Glauben neu entdeckten und die Freude erhielten, ihren Kindern die christlichen Werte weiterzugeben, deren Träger sie seien. Auch die Inhalte der Glaubenswege rückte der Papst in den Mittelpunkt. Besonders die Wege der christlichen Initiation sollten zunächst „die Schönheit und den Geschmack des Lebens aus der Taufe und den Sakramenten“ vermitteln. Daraus sollten in den Gemeinschaften Wege der Heiligkeit entstehen und bei allen Gläubigen das Bewusstsein für ihre prophetische, priesterliche und königliche Würde wachsen. Im Blick auf die Liturgie verwies Leo XIV. auf das Zweite Vatikanische Konzil. Man solle die Liturgie sorgfältig pflegen und die Gläubigen dazu bilden, sie gemeinschaftlich zu leben, „als das gemeinsame Handeln eines einzigen lebendigen Leibes“. In diesem Leib schöpfe jedes Mitglied Kraft vom Tisch des Herrn, um das Licht des Evangeliums auf die Wege der Welt zu tragen.
Von der sakramentalen Mitte des kirchlichen Lebens führte Leo XIV. zur Sendung der Kirche in der Gesellschaft: „Wir glauben, dass das Evangelium ein Weg der Freiheit für die Männer und Frauen aller Zeiten ist“. In Jesus Christus und seinem Wort fänden die tiefsten Fragen, Freuden und Wunden der Menschheit Sinn und eine endgültige Antwort. Deshalb bestehe die größte Gabe, die Christen den Menschen machen könnten, die ihnen auf ihrem Weg begegneten, darin, ihnen zu helfen, Christus zu begegnen. Es gehe um „den menschgewordenen Gott, der für uns gestorben und auferstanden ist“, und darum, in ihm das Heil zu finden. Die christliche Caritas müsse aus dieser Mitte heraus alle ihre Formen annehmen. Sie solle sich ohne Einschränkung den Menschen zuwenden, dabei aber immer deren „letztes und ganzheitliches Wohl“ im Blick behalten. Damit verband der Papst die Sorge um die gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart.
Die Welt sei von vielen Konflikten verwundet. Gewalt, Abschottung und Angst vor dem anderen nähmen zu. Angesichts dieser Entwicklungen könne die Antwort der Christen nach Leo XIV. nur darin bestehen, noch entschiedener den Weg des Evangeliums zu gehen. Dieses Evangelium bilde die Grundlage einer Gesellschaft, die „auf der Achtung vor der eigenen Freiheit und der Freiheit der anderen und vor allem auf der Achtung vor dem heiligen Willen Gottes“ aufgebaut sei. Das Evangelium lehre und gebiete Aufmerksamkeit für die Schwachen, Vergebung, Gemeinschaft und Solidarität. Mit diesem Gedanken nahm der Papst auch ein Wort Johannes Pauls II. auf, der 1982 in San Marino von einer solchen Gesellschaft gesprochen hatte.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Leo XIV. den kleinen Gemeinschaften in den abgelegeneren Gebieten des Territoriums. Dort stellten sich Menschen gemeinsam den Folgen der Abwanderung und dem Mangel an Dienstleistungen. Dabei hielten sie nach seinen Worten „den Sinn für Familie und Gemeinschaft lebendig“. Diese Erfahrungen seien Zeugnisse einer Form menschlicher Nähe, aus der die Gesellschaft lernen könne. Leo XIV. verglich sie mit „kleinen Flämmchen“, aus denen sich das Feuer fester Werte neu entzünden lasse. Solche Erfahrungen zeigten die Wärme einer „großartigen Menschheit“, nach der man streben müsse. Sie sollten helfen, den Individualismus einer metropolitanen und konsumorientierten Kultur ebenso zu überwinden wie andere Formen eines misstrauischen und spaltenden Lokalismus. Dadurch könnten die Hoffnungen auf Brüderlichkeit und Frieden neue Kraft erhalten.
Am Ende seiner Ansprache stellte Leo XIV. ein Wort in den Mittelpunkt, das für das kirchliche Leben der Diözese nach seiner Darstellung entscheidend war: „Gemeinschaft“. Die kirchlichen Gemeinschaften sollten Zeugnis ihrer Einheit geben: zwischen den Pfarreien, innerhalb der Pfarreien zwischen Hirten und Gläubigen sowie zwischen den verschiedenen Charismen und Diensten. Auch diese Einheit gehöre zum Erbe des gelebten Evangeliums, das die Heiligen Marinus und Leo hinterlassen hätten. Damit verband Leo XIV. die Aufgabe der Gegenwart mit der Geschichte der beiden Patrone. Die Kirche müsse fortsetzen, was sie begonnen hätten, und das, was ihnen anvertraut worden sei, „mit Beständigkeit und Hingabe“ weiter wachsen lassen. Auf ihre Fürsprache hin bat der Papst den Herrn, die Gläubigen zu segnen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.
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