Bischof widerruft Erlaubnis, dass die Piusbruderschaft in Lourdes Sakramente spenden dürfen

23. August 2026 in Weltkirche


Bischof Micas: Angesichts von Schisma und Exkommunikation „kann ich die Feier der Hl. Messe, die Spendung anderer Sakramente oder auch öffentliche Gebete durch die Priesterbruderschaft St. Pius X. auf dem Gelände des Wallfahrtsortes nicht gestatten“


Tarbes (kath.net/pl) Mit klaren Formulierungen hat der Bischof von Tarbes und Lourdes, Jean-Marc Micas, in einem Schreiben darüber informiert, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. künftig keine Wallfahren nach Lourdes anbieten darf oder Messfeiern, Sakramentenspendung oder öffentliche Gebete. Bischof Micas verweist dazu auf den durch die unerlaubten Bischofsweihen vollzogenen Akt des Schismas. Vor diesem Verbot habe er sich darüber mit „meinen Kollegen und anderen Fachleuten“ beraten. Private Besuche von Lourdes stehen aber weiterhin auch jenen offen, die zum Umfeld der Piusbruderschaft zählen: „Selbstverständlich steht es jedoch jedem frei, die Grotte oder einen anderen Teil des Wallfahrtsortes für ein persönliches Gebet zu besuchen.“

Gleichzeitig drückt er in feinfühligen Bemerkungen seinen Schmerz über die Spaltung und die ungute Situation aus. Er schreibt: „Ich bin mir des Schmerzes – und vielleicht auch des Unverständnisses – voll bewusst, den diese Entscheidung hervorrufen wird. Ich lege meine Entscheidung in Gottes Barmherzigkeit. Wir empfinden tiefen Schmerz über den Riss im Gewand Christi, der durch unsere Spaltungen verursacht wird.“

Die inzwischen exkommunizierte Priesterbruderschaft Pius X. hatte zuvor jährlich eine Pilgerfahrt nach Lourdes angeboten, meist gegen Ende des Kirchenjahres. Die Beteiligung daran war international gewesen, das Programm beinhaltete z.b. Messfeiern und Beichtangebote in der Basilika Pius X. sowie Rosenkranzgebet in der Lourdesgrotte. Für dieses Jahr war die Lourdes-Wallfahrt ursprünglich auf den 23.-26. Oktober angesetzt gewesen, für den Distrikt Schweiz ist die Anmeldung noch bis Ende August möglich – wahrscheinlich wurde aber nur versehentlich diese Ankündigung noch nicht von der Website entfernt.

kath.net dokumentiert das Informationsschreiben der Diözese Tarbes und Lourdes in voller Länge in eigener Übersetzung:

Wallfahrt der Priesterbruderschaft St. Pius X. (SSPX) nach Lourdes

Die Situation, die am 1. Juli nach den – ohne päpstliches Mandat vollzogenen – Bischofsweihen in Ecône entstand, hat eine neue Lage im Verhältnis zwischen der SSPX und der Katholischen Kirche geschaffen.

Nach Kirchenrecht führte der vollzogene Akt des Schismas „de facto“ zu einer Exkommunikation „latae sententiae“ für die sechs beteiligten Bischöfe (die beiden „alten“ und die vier „neuen“). In dem Dekret, das die Exkommunikation feststellte, weitete das Dikasterium für die Glaubenslehre diese Strafe auf alle Priester der Bruderschaft sowie auf jene Gläubigen aus, die sich öffentlich und förmlich zu der Bruderschaft bekennen. Die Bruderschaft hat gegen das Dekret zur Feststellung der Exkommunikation Einspruch eingelegt; dies ändert jedoch nichts am eigentlichen Grund für die Verhängung der Strafe. Ich habe mich mit meinen Kollegen und anderen Fachleuten beraten; die aus diesen Beratungen hervorgegangene Richtlinie ist eindeutig.

Angesichts des vom Heiligen Stuhl veröffentlichten Dekrets über das Schisma und die Exkommunikation kann ich die Feier der Heiligen Messe, die Spendung anderer Sakramente oder auch öffentliche Gebete durch die Priesterbruderschaft St. Pius X. auf dem Gelände des Wallfahrtsortes nicht gestatten. Die der SSPX zuvor erteilte Erlaubnis hierfür wird somit widerrufen. Selbstverständlich steht es jedoch jedem frei, die Grotte oder einen anderen Teil des Wallfahrtsortes für ein persönliches Gebet zu besuchen.

Ich bin mir des Schmerzes – und vielleicht auch des Unverständnisses – voll bewusst, den diese Entscheidung hervorrufen wird. Ich lege meine Entscheidung in Gottes Barmherzigkeit. Wir empfinden tiefen Schmerz über den Riss im Gewand Christi, der durch unsere Spaltungen verursacht wird. Diese Spaltungen sind ein Ärgernis für die Kleinen und behindern unser Zeugnis für das Evangelium. Möge Maria, unsere Liebe Frau von Lourdes, uns allen zu Hilfe kommen – aus Liebe zum Leib ihres Sohnes und im Dienst an ihm!

Tarbes, 13. August 2026
+Jean-Marc Micas


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