
25. August 2026 in Chronik
Papst Innozenz X. reagierte im Jahr 1652 auf die unbarmherzige Augusthitze nicht mit theoretischen Erlassen, sondern mit einer ganz praktischen und volksnahen Tat.
Rom (kath.net/gem/rn)
Wenn Europa unter glühender Sommerhitze ächzt, suchen Städte weltweit nach Wegen, ihren Bürgern Linderung zu verschaffen. Ein besonders originelles und erfrischendes Beispiel aus der Kirchengeschichte liefert die Ewige Stadt: Papst Innozenz X. reagierte im Jahr 1652 auf die unbarmherzige Augusthitze nicht mit theoretischen Erlassen, sondern mit einer ganz praktischen und volksnahen Tat.
Er weihte den sogenannten „See der Piazza Navona“ (Lago di Piazza Navona) ein. An den Samstagen und Sonntagen des Monats August wurden die Abflüsse der zentralen Brunnen gezielt verstopft. Das kühle Wasser ergoss sich über das leicht konkav geformte Pflaster und verwandelte die barocke Piazza in einen schimmernden, flachen See.
Das sommerliche Spektakel entwickelte sich augenblicklich zu einem Publikumsmagneten für ganz Rom. Adelige und einfache Bürger strömten herbei. Kutschen fuhren durch das flache Wasser, Kinder plantschten vergnügt, und Musiker spielten von Balkonen und eigens errichteten Bühnen für die begeisterte Menge. Es war ein Fest der Gemeinschaft und des frohen Miteinanders mitten in einer von Sonne und Stein aufgeheizten Stadt.
Die Piazza Navona ruht auf den Fundamenten des antiken Domitian-Stadions aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Schon in der Antike diente der Ort sportlichen Wettkämpfen und Volksbelustigungen. Das päpstliche Fluten im 17. Jahrhundert knüpfte somit an eine alte Tradition an, die dem Wohl von Leib und Seele diente.
Barmherzigkeit und schöpfungsgemäße Verantwortung
Was auf den ersten Blick wie ein bloßes Volksfest anmutet, besaß einen tiefen pastoralen und menschlichen Kern. Das Handeln Innozenz’ X. war ein frühes Zeichen gelebter Zuwendung und Fürsorge für die Bevölkerung – insbesondere für jene, die der glühenden Hitze nicht in kühle Landhäuser entfliehen konnten. Es zeigte, dass die Kirche stets das konkrete Wohl des Menschen im Blick hat.
Die beliebte Tradition hielt sich über zwei Jahrhunderte, ehe sie Mitte des 19. Jahrhunderts aus Sorge vor Krankheiten und unhygienischen Zuständen schrittweise eingestellt wurde. Dabei hatten Mediziner – darunter der Leibarzt des Papstes – stets betont, dass bei sachgemäßer Reinigung keine Gefahr ausginge. Im Jahr 1870 wurde die Piazza Navona schließlich neu gepflastert und leicht konvex aufgewölbt, sodass eine erneute Flutung technisch unmöglich gemacht wurde.
Heute bewundern Millionen Touristen die architektonischen Meisterwerke des Barock auf der Piazza Navona – von Berninis berühmtem Vierströmebrunnen bis hin zu Borrominis Kirche Sant’Agnese in Agone. Nur wenige wissen noch um die wasserreichen Sommertage vergangener Zeiten.
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