
26. Juni 2026 in Weltkirche
„Für etwa zwei Jahre“ werde der Dialog ausgesetzt, diese „Pause bedeutet nicht das Ende des Dialogs“, informiert das Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen ganz offiziell. Was könnte dahinter stehen? Einordnung von Petra Lorleberg
Vatikan (kath.net/pl) „Die Pause bedeutet nicht das Ende des Dialogs. Sie soll eine Auswertung der bisherigen Erfahrungen ermöglichen und die Voraussetzungen für eine mögliche Fortsetzung des Dialogs klären. Die Arbeit der vergangenen Jahre war nicht ohne Früchte: Sie hat das gegenseitige Verständnis vertieft und beiden Seiten geholfen, wichtige theologische Aussagen, die gemeinsam anerkannt werden können, klarer zu formulieren sowie Themen zu benennen, die weiterer Klärung bedürfen.“ Mit dieser Formulierung informieren die „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) und das Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen (DPUC) in einer gemeinsamen Erklärung über diese gemeinsame Entscheidung (Die Erklärung im Wortlaut: siehe unten).
Die „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) erläutert auf ihrer Website dazu, dass es Fragen gebe, „die weiterer Klärung bedürfen. Dazu gehören insbesondere das Verständnis des Dialogprozesses selbst, Fragen nach verbindlichen Bezugstexten und Kriterien gemeinsamer Lehre sowie ekklesiologische Fragen im Blick auf kirchliche Einheit, Kirchengemeinschaft, Autorität und Amt“ (siehe Link zur Pressemeldung).
Die Schweizer Theologin Rita Famos reagiert in ihrer Eigenschaft als GEKE-Präsidentin mit folgenden Worten: „Rom fragt uns: Wer seid ihr denn? Ihr seid weder lutherisch, noch reformiert, noch methodistisch“, denn die katholische Kirche spreche traditionell eigentlich immer nur mit einem Gegenüber, zitiert das Kölner „Domradio“ die Präsidentin anhand einer Darstellung der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA). Dass man das Modell der Kirchengemeinschaft nach der Leuenberger Konkordie mit Rom ins Gespräch wolle, sei „für Rom“ „schwierig“, denn „mit einer konfessionell gemischten Kirchengemeinschaft kann der Vatikan nicht umgehen“, so Famos.
Einordnung:
Blickt man auf die Liste der fast 100 protestantischen Gemeinschaften, die sich in der GEKE zusammengeschlossen haben, stellt sich allerdings die Frage, ob die Aussage der GEKE zu den Dialogschwierigkeiten doch stärker gewichtet werden sollten als dies die GEKE-Präsidentin macht - gerade auch die „Fragen nach verbindlichen Bezugstexten und Kriterien gemeinsamer Lehre“ – wie etwa schon ein einziger Blick auf das stärker werdende Fremdeln der Evangelischen Landeskirchen in Deutschland in Bezug beispielsweise auf ethische Fragen im Zusammenhang mit dem christlichen Lebensschutzgedanken aufzeigen können.
Auch ein Blick auf die Gründe jener protestantischen Gemeinschaften, die bisher noch nicht Mitglied in der GEKE sind, lohnt sich: So ist bisher die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) gemeinsam mit weiteren altlutherische Kirchen nicht beigetreten, da in ihrer Wahrnehmung die lutherische Lehre vom Heiligen Abendmahl aufgegeben wurde. Auch die meisten evangelischen Freikirchen wie die Adventisten, Baptisten und die in der Reformationszeit entstandenen Mennoniten, die die Glaubenstaufe praktizieren, sind nicht beigetreten, hier laufen offenbar nicht einmal gegenseitige Gespräche.
Möglicherweise ist die Behauptung der GEKE-Präsidentin nur ein Weiterschieben des schwarzen Peters. Denn die GEKE muss sich fragen lassen, ob ihr Zusammenschluss in der Leuenberger Konkordie möglicherweise nur auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners erfolgt ist unter Preisgabe eigentlich unverzichtbarer protestantischern und grundlegend christlicher Lehraussagen. Das Knirschen im Getriebe in den Gesprächen mit dem Vatikan könnte durchaus gerade darauf hinweisen. Denn christlicher Glaube ist – egal in welcher Konfession oder Tradition der einzelne Christ jeweils steht – immer auf das gehorsamsbereite Hören ausgelegt: protestantische Christen hören verbindlich auf das Wort Gottes in der Bibel, die großen altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnis und eigentlich auch auf die wichtigen aber halbvergessenen „Solae“ der Reformation. Und wir katholischen Christen hören ebenfalls gehorsamsbereit auf das Wort Gottes in der Bibel und die verbindliche katholische Lehre.
Deshalb gilt: Beliebigkeit in Lehrfragen kann kein Christ egal in welcher Tradition als Grundwert in Anspruch nehmen – und möglicherweise gibt es für die GEKE hier Hausaufgaben zu erledigen. Vielleicht hätte die GEKE-Präsidentin Famos lieber formulieren sollen: „Rom fragt uns: Was glaubt ihr denn eigentlich?“
kath.net dokumentiert die Erklärung „Dialog zwischen DPUC und GEKE pausiert vorübergehend“ des Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen vom 25. Juni 2026 in voller Länge in eigener Übersetzung:
Der Dialog zwischen dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen (DPUC) und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) wird für etwa zwei Jahre ausgesetzt. Dieses Moratorium wurde bei einem Treffen der Leitungen und Delegationsvorsitzenden beider Seiten am 9. Dezember 2025 in Rom gemeinsam erörtert. Im Anschluss daran billigte der Rat der GEKE dieses Vorgehen bei einer Sitzung am 29. Mai 2026 in Doorn (Niederlande).
In einer gemeinsamen Pressemitteilung betonen DPUC und GEKE: „Die Pause bedeutet nicht das Ende des Dialogs. Sie soll eine Auswertung der bisherigen Erfahrungen ermöglichen und die Voraussetzungen für eine mögliche Fortsetzung des Dialogs klären. Die Arbeit der vergangenen Jahre war nicht ohne Früchte: Sie hat das gegenseitige Verständnis vertieft und beiden Seiten geholfen, wichtige theologische Aussagen, die gemeinsam anerkannt werden können, klarer zu formulieren sowie Themen zu benennen, die weiterer Klärung bedürfen.“
Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist eine kirchliche Gemeinschaft, die 96 lutherische, methodistische, reformierte und unierte Kirchen in mehr als 30 Ländern Europas und Südamerikas vereint. Insgesamt vertritt sie rund 40 Millionen evangelische Gläubige. Mit der Unterzeichnung der Leuenberger Konkordie im Jahr 1973 verpflichteten sich die Mitgliedskirchen zu „gemeinsamem Zeugnis und Dienst“.
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