
11. Juni 2026 in Aktuelles
Körperliche Haltungen sind im Gottesdienst nicht nebensächlich, sondern sie spiegeln wider, was wir von Gott und unserer Beziehung zu ihm glauben, schreibt der Erzbischof von Sydney in einem Hirtenbrief.
Sydney (kath.net/LifeSiteNews/jg)
Anthony Fisher OP, Erzbischof von Sydney, hat in einem Hirtenbrief zur Feier des Fronleichnams-Festes die Gläubigen zu einer vertieften Ehrfurcht vor der Eucharistie aufgerufen. Er betont dabei besonders die Bedeutung des Kniens als Ausdruck des Glaubens und der Anbetung.
In seinem Schreiben mit dem Titel „Adoring the Eucharistic Lord: ‚Let us kneel before the God who made us‘“ (dt. „Den eucharistischen Herrn anbeten: Lasst uns vor dem Gott knien, der uns erschaffen hat“) ruft Fisher Priester, Ordensleute und Laien seiner Erzdiözese dazu auf, die traditionellen Gesten der Ehrfurcht wieder stärker zu praktizieren. Der Hirtenbrief wurde am 3. Juni 2026 im katholischen Magazin The Catholic Weekly veröffentlicht und ist auch als Vorbereitung auf den Internationalen Eucharistischen Kongress 2028 in Sydney zu verstehen.
Erzbischof Fisher erklärt, dass körperliche Haltungen im Gottesdienst nicht nebensächlich sind, sondern widerspiegeln, was wir von Gott und unserer Beziehung zu ihm glauben. „Von diesen körperlichen Haltungen offenbart das Knien am deutlichsten, was wir über Gott glauben“, schreibt er. Er erinnert daran, dass das Knien beim Empfang der Heiligen Kommunion jahrhundertelang die übliche Haltung in der lateinischen Kirche war und auch nach den geltenden liturgischen Vorschriften eine vollkommen gültige Option darstellt.
Viele Gläubige neigen sich heute tief, einige machen eine Kniebeuge oder empfangen die Kommunion sogar kniend. Fisher plädiert dafür, diese Praxis wieder selbstverständlicher zu machen. Er verweist auf die noch in vielen Kirchen vorhandenen Kommunionbänke als Erinnerung an diese ehrfürchtige Tradition.
Der Erzbischof stützt seine Ausführungen auf die Heilige Schrift und die katholische Tradition. Er zitiert zahlreiche Stellen aus dem Alten Testament, in denen Propheten und Könige vor Gott knien – etwa Mose am brennenden Dornbusch, Salomon bei der Tempelweihe oder Daniel im Gebet. Auch die Psalmen laden ein: „Kommt, lasst uns niederknien und uns vor ihm verneigen“ (Ps 95,6). Im Neuen Testament knien Menschen vor Jesus um Heilung oder aus Dankbarkeit.
Ein weiteres Zitat entnimmt Erzbischof Fisher dem Philipperbrief des Apostels Paulus: „Im Namen Jesu soll sich jedes Knie beugen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde“ (Phil 2,10). Er verbindet dies mit dem Gebet Jesu in Getsemani, wo der Herr selbst vor seinem Leiden kniend betete, und mit der Fußwaschung am Gründonnerstag, die er ebenfalls knieend verrichtete – einem weiteren Akt der Demut und Hingabe.
Fisher kritisiert die in manchen Gemeinden verbreitete Auffassung, das Knien sei entwürdigend oder nicht mehr zeitgemäß. Er hält dem entgegen, dass es sich gerade um einen Ausdruck kindlicher Hingabe und nicht um Sklaverei handle. Wo Kniebänke entfernt wurden, sollten sie nach Möglichkeit wiederhergestellt werden.
Er ermutigt zudem zu stillen Anbetungszeiten vor dem Allerheiligsten – idealerweise als „Heilige Stunde“ –, in denen man zumindest zeitweise kniend betet, um Dank, Vertrauen, Anbetung und Buße körperlich zum Ausdruck zu bringen.
Foto Erzbischof Fisher: © Erzdiözese Sydney
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