Christen in Indien unter Druck: Kirchen gründen neuen Dachverband

14. Mai 2026 in Weltkirche


Wachsende Besorgnis über gewalttätige Angriffe auf Gläubige und strenge Anti-Konversionsgesetze


Neu-Delhi (kath.net/KAP) Die unter Druck stehenden christlichen Kirchen in Indien haben eine neue gemeinsame nationale Plattform gebildet, um sich besser gegen politische und gesellschaftliche Repressionen im Land verteidigen zu können. Die Gründung der Föderation der Kirchen in Indien (National Federation of Churches in India, NFCI) erfolge wegen der wachsenden Besorgnis über gewalttätige Angriffe auf Pastoren und Gläubige, strenge Anti-Konversionsgesetze in mehreren indischen Bundesstaaten sowie Versuche, Kirchenbesitz durch Gesetzesänderungen einzuziehen, heißt es in einer Mitteilung. Zum ersten Vorsitzenden der Plattform wurde der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Indiens, Kardinal Anthony Poola, gewählt.

Die neue Föderation markiere einen "Meilenstein für die Ökumene und die Einheit der Kirchen" in Indien. Der Verband werde sich mit Angelegenheiten befassen, die Kirchen und die christliche Gemeinschaft im ganzen Land betreffen, und strebe eine sichtbare Einheit der Mitgliedskirchen an. Gleichzeitig würden die individuellen Identitäten, Traditionen und kirchliche Strukturen der beteiligten Kirchen respektiert.

Christen vielfach verfolgt

An der Gründungsversammlung in Bengaluru im Bundesstaat Karnataka am 8. Mai nahmen 45 Bischöfe und Delegierte verschiedener christlicher Konfessionen teil. Die Föderation sei das erste ökumenische Forum dieser Art in Indien, das sich gegen die zunehmende Verfolgung von Christen einsetzt, sagte Joseph D'Souza, Erzbischof der aus der anglikanischen Tradition stammenden Good Shepard Church gegenüber dem asiatischen Portal "UCA News". Anthoniraj Thumma, Ökumene-Sekretär in der katholischen Bischofskonferenz Indiens erklärte laut Pressedienst "Fides", die Plattform werde den ökumenischen Dialog stärken, "indem sie die drängendsten Probleme des Landes angeht und als geeinte Front die Anliegen der christlichen Gemeinschaft in Indien im aktuellen Kontext berücksichtigt".

Christen machen nach verschiedenen Schätzungen etwas mehr als 2 Prozent der mehr als 1,4 Milliarden Einwohner Indiens aus. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind Hindus.

Obwohl Indien formell Religionsfreiheit garantiert, zähle es zu jenen Ländern, in denen dieses Menschenrecht am meisten eingeschränkt sei, erklärte der Nationaldirektor von "Kirche in Not Österreich", Tobias Pechmann, jüngst gegenüber Kathpress. Christen würden vielfach verfolgt. Laut dem aktuellen Religionsfreiheits-Bericht des Hilfswerks zum Jahr 2025 haben religionsbezogene Anfeindungen, hindu-nationalistische Rhetorik und gesetzliche Einschränkungen zuletzt stark zugenommen, mit Anti-Konversionsgesetzen in mittlerweile zwölf Bundesstaaten. Neben den staatlichen Repressionen beklagen örtliche Christen immer wieder auch Übergriffe durch gewalttätige Mobs, deren Täter meist straflos davonkommen.

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