Nordirland: Pensionierter Pastor wegen Predigt in ‚Schutzzone‘ vor Klinik angeklagt

25. April 2026 in Prolife


Die Predigt von Clive Johnston hatte nichts mit Abtreibung zu tun.


Coleraine (kath.net/jg)
Ein 77-jähriger pensionierter Pastor aus Nordirland muss sich wegen einer Predigt vor einer Abtreibungsklinik vor Gericht verantworten, die keinerlei Bezug zu Abtreibung hatte. Der Fall wirft Fragen zum Schutz der Rede- und Religionsfreiheit im britischen Recht auf, berichtet die Onlineausgabe des Magazins reason.

Clive Johnston, ehemaliger Präsident der Association of Baptist Churches in Ireland und Pastor aus Strabane, hielt am 7. Juli 2024 einen Gottesdienst auf einer Grünfläche gegenüber dem Causeway Hospital in Coleraine (Nordirland). Zwischen dem Ort der Veranstaltung und dem Krankenhaus verläuft eine zweispurige Straße. Etwa ein Dutzend Personen nahmen teil. Johnston sang mit einer Ukulele Lieder, erzählte aus seinem Leben und predigte den bekannten Bibelvers Johannes 3,16: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“

Laut Aufnahmen der Kamera eines Polizisten unterbrach ein Beamter die Veranstaltung und erklärte, der Ort liege in einer „Safe Access Zone“ (sichere Zugangszone) rund um das Krankenhaus. Er forderte Johnston auf, aufzuhören, und wies darauf hin, dass es illegal sei, in dieser Zone zu filmen – obwohl das Gesetz dies nicht explizit verbietet. Johnston erwiderte höflich, er verstoße nicht gegen das Gesetz, da er Abtreibung mit keinem Wort erwähnt habe, und weigerte sich zu gehen. Er gab seine Personalien an und akzeptierte, dass er eine Vorladung erhalten würde. Die Beamten verhielten sich nach seinen Angaben korrekt. 

Johnston wird nun nach dem Abortion Services (Safe Access Zones) Act (Northern Ireland) angeklagt. Das Gesetz von 2023 schafft 100-Meter-Zonen um Abtreibungseinrichtungen und verbietet Handlungen, die darauf abzielen, Personen zu „beeinflussen“, die Abtreibungsdienste in Anspruch nehmen wollen, oder sie daran zu hindern. Johnston wird vorgeworfen, durch seine Predigt jemanden „beeinflusst“ zu haben – obwohl weder in den Gerichtsunterlagen noch im Video der Predigt ein Wort über Abtreibung fiel und keine entsprechenden Plakate oder Banner zu sehen waren. Ihm droht eine Geldstrafe von bis zu 2.500 Pfund (rund 2.882 Euro). Es handelt sich um den ersten Fall, in dem jemand allein wegen einer allgemeinen christlichen Predigt in einer solchen Zone angeklagt wird. Der Prozess ging am 23. April in die zweite Verhandlungsrunde.

Die christliche Organisation The Christian Institute, die Johnston unterstützt, kritisiert das Vorgehen scharf. Simon Calvert, stellvertretender Direktor für Öffentlichkeitsarbeit, erklärte: „Jemanden dafür zu verfolgen, dass er Johannes 3,16 an einem ruhigen Sonntag nahe einem Krankenhaus predigt, ist eine empörende Einschränkung der Religions- und Meinungsfreiheit. Es ist weder vernünftig noch rational zu behaupten, dass die Verkündigung des Evangeliums ohne Bezug zur Abtreibung ein Protest gegen Abtreibung darstellt. Polizei und Staatsanwaltschaft überschreiten hier ihre Grenzen.“

Auch das US-Außenministerium beobachtet den Fall. Ein Sprecher teilte mit, die USA verfolgten zahlreiche Fälle in „Schutzzonen“ um Abtreibungskliniken in Großbritannien und andere Zensurvorfälle in Europa genau. Man sehe darin eine Verletzung grundlegender Rechte auf freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit sowie eine Abkehr von gemeinsamen Werten in den transatlantischen Beziehungen. 

 


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