"Bei Trump hört das Denken auf"

23. April 2026 in Deutschland


Der Krieg im Iran gibt dem Trump-Hass des Bildungsbürgertums noch einmal einen ganz besonderen Kick. Befremdlicher ist nur die bisweilen mitschwingende Häme und Schadenfreude – wider europäische Interessen, schreibt Anna Schneider in einem Kommentar.


Berlin (kath.net/jg)
Der aktuelle Krieg im Iran hat dem ohnehin intensiven Hass bestimmter Kreise in Deutschland auf US-Präsident Donald Trump einen weiteren Schub verliehen. Besonders auffällig ist dabei nicht nur die vehemente Kritik, sondern oft auch eine mitklingende Häme und Schadenfreude – eine Haltung, die letztlich gegen die eigenen europäischen Interessen läuft, schreibt Anna Schneider in einem Kommentar für die WELT.

Sie beschreibt, wie der Konflikt das ohnehin schon hysterische Medienrauschen um Trump auf ein neues Niveau hebt. Besonders in Teilen des Bildungsbürgertums und der deutschen Medienlandschaft dominiere die narrative Gewissheit, Trump habe sich „verzockt“, die radikalen Kräfte in Teheran seien die eigentlichen Gewinner und der „Madman“ im Weißen Haus sei einmal mehr grandios gescheitert. Diese selbstgerechte Plattheit, schreibt Schneider, sei schwer zu überbieten – zumal die Lage im Nahen Osten hochkomplex sei und differenzierte Analysen eigentlich angebracht wären.

Ironischerweise werde diese Dynamik durch KI-generierte Spottvideos über Trump noch verstärkt, die derzeit durchs Netz flirren. Der Spiegel widmete dem sogar einen Beitrag über einen deutschen Creator, der Trump-Spott zum Geschäftsmodell gemacht hat. Schneider merkt dazu an, dass ausgerechnet der Spiegel hier wenig Grund zur Überheblichkeit habe – schließlich sei die Darstellung Trumps als lächerliche Figur auf deutschen Magazin-Covern seit Jahren ein bewährtes Stilmittel.

Hinzu komme eine weitere Ebene, die den Hass besonders grotesk wirken lasse: Es liege im ureigenen Interesse Europas, dass die USA und damit Trump in diesem Konflikt nicht verlieren. Der Iran-Krieg gehe weit über persönliche Aversionen gegen den US-Präsidenten hinaus. Dennoch fallen die Reaktionen aus Europa dürftig aus. Während anfangs noch zaghafte verbale Unterstützung für die USA zu hören war, mündete dies in Deutschland schnell in den kurzsichtigen und schmalbrüstigen Satz „Das ist nicht unser Krieg“. Schneider bezeichnet dies ironisch als „eine diplomatische Meisterleistung der besonderen Art“ – getoppt vielleicht nur von Spanien, das ausgerechnet jetzt seine Botschaft in Teheran wiedereröffnet. Es entstehe der bittere Eindruck, Europa laufe seinem eigenen Untergang mit offenen Armen entgegen.

Der Kommentar plädiert nicht für kritikfreie Trump-Verherrlichung. Kritik sei legitim und notwendig. Doch derzeit dominiere in vielen deutschen Podcasts, Talkrunden und Medien eine nahezu einheitliche Erzählung: Trump sei entweder böse, blöd oder beides. In heller Entrüstung werde „angstlustelnd“ seine vermeintliche Unfähigkeit in allen Belangen konstatiert – und dabei gerate fast in Vergessenheit, mit welcher Verderbtheit man es auf der Gegenseite zu tun habe.

Das Fazit von Anna Schneider: Bei Trump hört das Denken bisweilen einfach auf. Der reflexive Hass verstellt den Blick auf die reale geopolitische Lage und auf das, was für Europa tatsächlich auf dem Spiel steht.

 


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