„Sie erzählten, ... wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach“

21. April 2026 in Spirituelles


Nuntius Eterović: „Auch für uns ist die sicherste Begegnung mit dem auferstandenen Herrn die Feier der Eucharistie“ – „Und wir sind eingeladen, Jesus besser kennenzulernen, indem wir die Bibel lesen, die von ihm spricht. Sie ist ein lebendiges Buch…“


Berlin (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt S.E. Apostolischer Nuntius Erzbischof Dr. Nikola Eterović am 19. April 2026 (3. Ostersonntag) in Berlin in voller Länge und dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Weiterveröffentlichung – Apg 2,14.22-33; Ps 16; 1 Petr 1,17-21; Lk 24,13-35

„Sie erzählten, ... wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach“ (Lk 24,35).

Liebe Brüder und Schwestern! 
    In dieser Osterzeit freuen sich alle Christen sowohl persönlich wie auch als Mitglieder ihrer kirchlichen Gemeinschaften über die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Nach dem Leiden am Kreuz blieb er nur drei Tage im Grab und ist dann auferstanden. In der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte lässt der inspirierte Verfasser durch den Apostel Petrus verkünden: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen“ (Apg 2,32). Dieses Glaubensbekenntnis war nach der Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingstfest möglich. Auch wir haben den Heiligen Geist in den Sakramenten der Taufe und der Firmung empfangen. Daher können auch wir die Erfahrung der Apostel teilen, dass der Herr Jesus lebendig und gegenwärtig unter uns ist. Es ist daher berechtigt zu fragen: Wo und wie können wir ihm heute begegnen? Wie können wir Zeugen des Auferstandenen sein?

    Das soeben verkündete Wort Gottes gibt uns eine hinreichende Antwort, die auch in unserer säkularisierten Welt aktuell ist. Davon zeugen die Tausenden unserer Brüder und Schwestern, die in der Osternacht weltweit und auch auf dem europäischen Kontinent getauft wurden, womit sie mit Jesus Christus, dem Sieger über Sünde und Tod, zum neuen Leben wiedergeboren wurden. Um Antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu finden, ist die Passage aus dem Lukasevangelium eine große Hilfe: die Geschichte der Begegnung zweier Jünger auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus mit dem auferstandenen Jesus. Der Herr selbst, der er über sich sagt: „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt“ (Offb 1,17–18), zeigt drei besondere Wege auf, ihm zu begegnen.

„Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht“ (Lk 24,27).

    Angesichts der Verwirrung der beiden Jünger über den gewaltsamen und demütigenden Tod ihres Meisters, die sich auf dem Weg nach Emmaus befanden, einer Ortschaft etwa 60 Stadien von Jerusalem entfernt, was umgerechnet etwa 12 Kilometer sind, beginnt Jesus seine Rede mit einem Tadel: „Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben!“ (Lk 24,25). Dann fährt er mit einer Frage fort, welche die beiden Jünger hätte erschüttern müssen: „Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?“ (Lk 24,26). Während seines öffentlichen Wirkens hatte Jesus mehrfach von seinem Tod und seiner Auferstehung gesprochen. Offenbar hatten seine Jünger diese Ankündigung nicht richtig verstanden. Auch die Haltung der beiden Emmausjünger belegt dies. Sie waren über Jesu Tod betrübt, weil sie einen Messias im politischen Sinne erwartet hatten, der die Truppen des römischen Besatzungsreichs besiegen und das ersehnte Königreich Israel errichten würde. Voller Barmherzigkeit und Geduld beginnt Jesus, die wahre Bedeutung der Heiligen Schrift zu erklären, insbesondere jener Stellen, die sich auf den Messias, den leidenden Gottesknecht und den Menschensohn, beziehen: „Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht“ (Lk 24,27). 

Der Evangelist Lukas betont, dass die Jünger von Emmaus den Herrn nicht erkannten, weil „ihre Augen gehalten waren“ (Lk 24,16). Sie hielten ihn für einen Fremden, wie einer der beiden, Kleopas, bemerkte: „Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ (Lk 24,18).

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus selbst ist der Ausleger der Heiligen Schrift und gibt ihr eine authentische, christologische Bedeutung. Dies gilt insbesondere für das Alte Testament, das voller Hinweise und Prophezeiungen über den Messias ist, die sich in der Person Jesu Christi erfüllt haben. In seiner Person sind die beiden Testamente vereint. In diesem Zusammenhang bemerkte der heilige Augustinus treffend: „Novum Testamentum in Vetere latet et in Novo Vetus patet – Das Neue Testament ist im Alten verborgen, das Alte aber im Neuen offenbart“ (Hept 2,73). Daher sind wir alle eingeladen, Jesus besser kennenzulernen, indem wir die Bibel lesen, die von ihm spricht. Sie ist ein lebendiges Buch, das mit jedem Lesen an Bedeutung für unser persönliches, familiäres und gesellschaftliches christliches Leben gewinnt. Gerade in dieser Osterzeit ist es sehr hilfreich, die Schriftstellen erneut zu lesen, die von Christi Leiden, seinem Tod, vor allem aber von seiner Auferstehung und seinem ewigen Leben in Herrlichkeit berichten. Die Kirche tut dies insbesondere dadurch, dass sie diese Lesungen in jeder Eucharistiefeier während der österlichen Festzeit wiederholt. Wer nicht täglich die Heilige Messe besuchen kann, sollte zumindest die Bibelstellen lesen, die die Kirche täglich anbietet, und sie zum Gegenstand der Reflexion und des Gebetes machen.

„Sie erzählten, ... wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach“ (Lk 24,35).

    Die Auslegung der Heiligen Schrift diente Jesus als gute Einleitung zur vollständigen Offenbarung seiner Person. Und dies geschah beim Abendmahl in jenem Haus, in das die beiden Jünger in Emmaus einkehrten. Der Evangelist beschreibt das Ereignis mit den Worten: „Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen“ (Lk 24,30). Dies ist die eucharistische Formel, die Jesus bei der Speisung der Fünftausend (vgl. Mk 6,41–44; 8,6–9) und vor allem beim Letzten Abendmahl (vgl. Mt 26,26–29) verwendet hatte. Die beiden Jünger erkannten Jesus bei der Feier der Eucharistie: „Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn“ (Lk 24,31).

    Liebe Brüder und Schwestern, auch für uns ist die sicherste Begegnung mit dem auferstandenen Herrn die Feier der Eucharistie. Hier haben wir die Quelle und den Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche (vgl. LG, Nr. 11). Der auferstandene Herr wollte seine Gegenwart jedoch mit allen sieben Sakramenten verbinden, angefangen mit dem ersten und grundlegendsten, der Taufe. Sie ermöglicht es dem Menschen, sein altes Selbst abzulegen und mit dem Herrn zu neuem Leben aufzuerstehen. Die Taufe empfängt man nur einmal im Leben, ebenso wie die Firmung, die Priesterweihe und im Allgemeinen die Ehe. Andere Sakramente können mehrmals empfangen werden. Dies gilt insbesondere für das Sakrament der Versöhnung und die Eucharistie. Die Feier des Sakraments des Leibes und Blutes des Herrn Jesus wird oft wiederholt, jeden Sonntag, ja täglich, gemäß dem Gebot des Herrn: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19). Wie wir im Evangelium gehört haben, erkannten die beiden Emmausjünger den Herrn, der in ihrer Mitte war, gerade im eucharistischen Kontext. Auch wir sind daher jeden Sonntag und an jedem gebotenen Feiertag zum Abendmahl eingeladen. Mehr als eine Pflicht sollte dies für jeden von uns ein freudiges geistliches Bedürfnis und ein besonderes Ereignis in der Woche sein, um gemeinsam mit unseren Brüdern und Schwestern die Liebe bis zum Ende (vgl. Joh 13,1) des auferstandenen Herrn in der Kirche zu feiern, der allein durch die Gnade des Heiligen Geistes aus den Vielen von uns ein Volk formen kann, das Gott dem Vater wohlgefällig ist.

„Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück“ (Lk 24,33).

    Nach dem Hören der Heiligen Schrift und der Feier der Eucharistie ist die Nächstenliebe (Caritas) der dritte bevorzugte Weg zur Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Der größte Ausdruck der Nächstenliebe ist die Verkündigung der Frohen Botschaft, also vom Tod, der Auferstehung und der Gegenwart des lebendigen Jesus Christus inmitten seiner Kirche. Die Freude über die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn kann man nicht für sich behalten, sondern sie will weitergegeben werden. Es ist eine spontane Freude, die sich verstärkt, wenn man sie weitergibt. Selbst die beiden Jünger von Emmaus, obwohl es spät und bereits dunkel war, verließen Emmaus und eilten nach Jerusalem, „und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren“ (Lk 24,33). Sie teilten bereits die Freude über die Botschaft der Auferstehung ihres Meisters, des Herrn Jesus, der auch Simon erschienen war. Die Jünger von Emmaus berichteten ihrerseits, „was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach“ (Lk 24,35).

    Liebe Brüder und Schwestern, auch wir sind berufen, dem auferstandenen Herrn persönlich und als Glieder der christlichen Gemeinschaft zu begegnen und ihn den Nahen und Fernen zu verkünden. Die Begegnung mit dem Auferstandenen muss unser Leben verändern und uns für die Nächstenliebe öffnen, insbesondere für jene, die unsere geistliche und materielle Hilfe am dringendsten benötigen. In diesem Sinne hat die katholische Kirche die Verkündigung des Evangeliums stets mit Werken der Nächstenliebe verbunden. Man denke nur an die vielen Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser, Leprastationen, an die Einrichtungen für Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, die nationalen, diözesanen und pfarrlichen Caritas-Verbände usw. Um jedoch wahrhaft christlich zu sein, muss diese lobenswerte Tätigkeit vom Geist des auferstandenen Herrn erfüllt sein. 

Wir vertrauen diese Betrachtungen der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an, der Himmelskönigin, damit auch wir ihrem Sohn Jesus, dem am Kreuz gestorbenen und nach drei Tagen auferstandenen Herrn, immer wieder begegnen, indem wir aufmerksam dem Wort Gottes lauschen, eifrig an der Feier der Eucharistie beim „Brotbrechen“ (Lk 24,35) teilnehmen und uns immer mehr der Nächstenliebe widmen. Amen.

Archivfoto Nuntius Eterović (c) Apostolische Nuntiatur Berlin


© 2026 www.kath.net