Phil Lawler: Die Kontroverse zwischen Trump und Papst Leo ging von Washington aus

16. April 2026 in Chronik


Bekannter kath. US-Journalist: Die jüngste Auseinandersetzung zwischen Donald Trump und dem Vatikan wird meist als Angriff des Papstes auf den US-Präsidenten dargestellt. Die Eskalation begann jedoch nicht in Rom, sondern in Washington.


Washington D.C. (kath.net/jg)
Der aktuelle Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Vatikan wird oft so dargestellt, als sei Trump der Aggressor, der mit seiner impulsiven Art den Papst und die katholische Kirche angreife. Doch laut einer Analyse des katholischen Journalisten Phil Lawler vom 13. April 2026 ging die jüngste Eskalation nicht von Rom, sondern von Washington aus. Zwar ist Papst Leo nicht neutral, und es gibt echte Spannungen zwischen dem Vatikan und der Regierung Trump – etwa in Fragen des Krieges im Nahen Osten –, doch die konkreten politischen Angriffe auf Trump kamen gezielt aus den USA. 

Den Auftakt bildete offenbar eine gezielte „politische Attacke“, bei der Gerüchte über ein Treffen zwischen Pentagon-Vertretern und Kardinal Christophe Pierre, dem Apostolischen Nuntius in den USA, gezielt durchgestochen wurden. Lawler sieht darin einen geplanten Schlag gegen Trump, dessen Quelle sehr wahrscheinlich im Umfeld des Nuntius zu suchen ist – also im direkten Umfeld des Vertreters des Papstes in Washington. Als zeitlich perfekt abgestimmter Folgeschlag traten kurz darauf drei amerikanische Kardinäle in der CBS-Sendung „60 Minutes“ auf und kritisierten Trump scharf für dessen Durchgreifen gegen illegale Migranten und den Krieg im Iran. Dabei handelte es sich um die Kardinäle Blase Cupich, Robert McElroy und Joseph Tobin – allesamt von Papst Franziskus geförderte Vertreter der linken Ausrichtung des vorherigen Pontifikats, die außerdem eng mit dem mittlerweile verstorbenen, skandalumwitterten Kardinal Theodore „Uncle Ted“ McCarrick verbunden waren.

Diese drei Kardinäle repräsentieren nach Lawlers Einschätzung keineswegs die Position der Mehrheit der US-Bischofskonferenz, sondern eher den weltlichen, politisch-aktivistischen Stil, der unter Franziskus Einzug gehalten habe. Ihre öffentliche Kritik an Trump diene weniger spirituellen Anliegen als der Fortsetzung einer linksgerichteten Agenda. Papst Leo selbst habe sich bisher in diplomatischer Sprache geäußert und die Korruption in der Hierarchie – etwa die unzureichende Aufarbeitung des McCarrick-Skandals oder den schleppenden Prozess gegen den Jesuiten Marko Rupnik – bislang kaum korrigiert. Genau diese ungelösten Probleme der Vergangenheit untergraben jedoch die Glaubwürdigkeit der katholischen Führung und ermöglichen es, dass kirchliche Würdenträger wie politische Akteure agieren statt als geistliche Hirten.

Trump selbst hat den Konflikt anschließend mit einer charakteristisch scharfen und persönlichen Reaktion auf Truth Social weiter angeheizt, schreibt Lawler. Er warnt jedoch, dass dies ein strategischer Fehler sein könnte: Der Präsident riskiere, gläubige Katholiken – eine wichtige Wechselwählergruppe – zu verprellen, ohne damit nennenswert neue Unterstützer zu gewinnen. Statt pauschal gegen den Papst vorzugehen, hätte Trump gezielter die vier beteiligten Kardinäle (einschließlich Pierre) ins Visier nehmen und damit indirekt auch die Versäumnisse Leos thematisieren können.

Zusammenfassend argumentiert Phil Lawler: Die Kontroverse mit dem Papst wurde nicht vom Vatikan begonnen, sondern von Akteuren in Washington orchestriert. Die anhaltende Korruption und der politische Aktivismus in Teilen der Hierarchie, die Papst Leo bisher kaum eingedämmt hat, schaffen den Nährboden dafür. Solange der neue Papst seinen eigenen, klareren Führungsstil nicht durchsetzt, werden weltliche Machtspiele statt geistlicher Autorität das Bild der Kirche prägen – mit negativen Folgen für ihre Glaubwürdigkeit in Friedensfragen und darüber hinaus.

 

Foto: Archivbild Papst Leo XIV.

 


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