
8. April 2026 in Österreich
Klosterneuburger Propst im "Kurier"-Interview über den Wechsel an der Spitze der Weltkirche und in der Erzdiözese Wien, warum Reformvorhaben in der Kirche so langsam vorangehen und was das Stift Klosterneuburg aus Missbrauchsfällen gelernt hat.
Wien (kath.net/KAP)
Papst Leo XIV. hat in Vielem wieder mehr Ruhe in die Kirche hineingebracht. Das betonte der Klosterneuburger Propst Anton Höslinger im Interview mit der Tageszeitung "Kurier" (Freitag) und sagte: "Papst Franziskus hat es gut verstanden, Bilder zu vermitteln, auch im positiven Sinne zu provozieren." Das dürfte aber nicht die Art des jetzigen Papstes sein. Er versuche vielmehr, "in einer sehr ausgleichenden Art und Weise das große Schiff der Kirche nach vorne zu steuern".
Dass bei den kirchlichen Reformthemen so wenig vorangeht, begründete der Propst damit, dass "die Fragen aufgrund ihrer Komplexität und Schwierigkeit nicht von Heute auf Morgen lösbar sind. Diese Fragen gibt es ja schon seit Jahrhunderten, sie haben schon in der Reformation eine Rolle gespielt." Was den Zölibat betrifft, so könne man auch fragen: "Was gilt für Weltpriester, was für Ordensleute?" Und man müsse auch mitbedenken, "dass die katholische Kirche den Anspruch hat, solche Fragen global zu lösen". Hier gebe es doch erhebliche Unterschiede zwischen Europa, dem Westen und anderen Weltgegenden. Höslinger: "Die Kirche muss immer das Ganze im Blick haben und alle mitnehmen."
Im Wechsel von Kardinal Christoph Schönborn zu Erzbischof Josef Grünwidl an der Spitze der Erzdiözese Wien sehe er keine große Zäsur, so Höslinger. Schönborn habe aufgrund seiner Persönlichkeit und durch seine lange Amtszeit prägend gewirkt. Josef Grünwidl, der lange Zeit Pfarrer war, wisse von daher sicher sehr gut, "was sich an der Basis tut, was die Menschen bewegt, wie sie denken". Daher werde es mit ihm" gerade im pastoralen Bereich ein gutes Vorankommen geben", zeigte sich der Propst überzeugt.
Islam als Herausforderung
Auf Vorwürfe angesprochen, dass die Kirche zu naiv gegenüber dem Islam sei und zu wenig die vielfachen Herausforderungen sehe, die durch einen zunehmend wachsenden muslimischen Bevölkerungsanteil entstünden, meinte der Propst: "Das ist tatsächlich ein sehr spannungsgeladenes Thema." Zum einen sei es aus dem christlichen Glauben heraus selbstverständlich, "dass ich Menschen, die in Not zu uns kommen, Hilfe anbiete". Auf der anderen Seite dürfe man die Sorgen der Menschen, die hier leben, nicht einfach negieren. Höslinger: "Wenn sehr viele Menschen aus anderen Kulturen zu uns kommen: Was macht das mit unserer Gesellschaft, was hat das für Auswirkungen auf diverse Bereiche des Zusammenlebens? Auch das muss man ernst nehmen." Er denke, so der Propst, "die Kirche versucht, diese Spannung so gut wie möglich auszutarieren".
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