
1. April 2026 in Aktuelles
Leo XIV. über die Berufung der Gläubigen in Kirche und Welt im Licht von Lumen gentium. Das gemeinsame Priestertum und der Auftrag im Alltag. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) „Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. […] Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ (Eph 4,1.4-5).
Im Rahmen der Generalaudienz am Mittwoch der Karwoche - die 48. Audienz des Pontifikats - setzte Papst Leo XIV. die Betrachtung der dogmatischen Konstitution Lumen gentium fort und wandte sich dem vierten Kapitel zu, das den Laien gewidmet ist. Der Blick richtete sich auf jene, die den größten Teil des Volkes Gottes bilden, wobei der Papst ein Wort von Papst Franziskus in Erinnerung rief: „Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger“ (Evangelii gaudium, 102).
Der Papst entfaltete die Absicht des Konzils, die Natur und die Sendung der Laien positiv zu bestimmen, nachdem sie über lange Zeit vor allem durch Abgrenzung beschrieben worden waren. In diesem Zusammenhang nahm Leo XIV. einen Abschnitt aus Lumen gentium auf, der die gemeinsame Grundlage aller Glieder der Kirche benennt: „Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: ‚Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe‘ (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe.“ (Lumen gentium, 32).
Vor jeder Unterscheidung von Dienst und Lebensstand steht nach der Darstellung des Papstes die Gleichheit aller Getauften. Das Konzil habe daran erinnert, dass die Grundgestalt des messianischen Volkes Gottes durch „die Würde und die Freiheit der Kinder Gottes“ bestimmt sei (vgl. Lumen gentium, 9). Aus dieser Gabe ergebe sich zugleich eine Aufgabe. Die Sendung der Laien wurde aus ihrer Zugehörigkeit zu Christus hergeleitet, wie sie in der konziliaren Beschreibung formuliert ist: „Unter der Bezeichnung Laien sind hier alle Christgläubigen verstanden […], das heißt die Christgläubigen, die, durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben“ (Lumen gentium, 31). Das Volk Gottes erschien in dieser Perspektive nicht als eine ungegliederte Masse, sondern als Leib Christi, den der Papst im Anschluss an den heiligen Augustinus als Christus totus in Erinnerung rief, als eine organisch aufgebaute Gemeinschaft, die aus der Beziehung zwischen dem allgemeinen Priestertum der Gläubigen und dem Amtspriestertum lebe (vgl. Lumen gentium, 10). In der Taufe erhielten die Gläubigen Anteil am Priestertum Christi, so dass gelte: „Da der ewige Hohepriester Christus Jesus auch durch die Laien sein Zeugnis und seinen Dienst fortsetzen will, macht er sie durch seinen Geist lebendig und treibt sie unaufhörlich an zu jedem guten und vollkommenen Werk“ (Lumen gentium, 34).
In diesem Zusammenhang erinnerte Leo XIV. an seinen heiligen Vorgänger Johannes Paul II. verwiesen, der in seinem Schreiben Christifideles laici die Lehre des Konzils aufgenommen habe: „Das Konzil hat wertvolle Passagen seiner so reichhaltigen theologischen, spirituellen und pastoralen Lehre dem Wesen, der Würde, der Spiritualität, der Sendung und der Verantwortung der Laien gewidmet. Und die Konzilsväter haben den Ruf Christi wiederholt und alle Laien, Männer und Frauen, gerufen, in seinem Weinberg zu arbeiten“ (Christifideles laici, 2). Damit habe Johannes Paul II. das Apostolat der Laien erneut hervorgehoben, dem das Konzil ein eigenes Dokument gewidmet habe (vgl. Dekr. Apostolicam actuositatem,18.November1965).
Die Sendung der Laien bleibe nicht auf den innerkirchlichen Bereich beschränkt, sondern auf die Welt hin geöffnet. Die Kirche sei überall dort gegenwärtig, wo ihre Glieder den Glauben bekennen und leben: in der Arbeit, im gesellschaftlichen Leben und in den Beziehungen des Alltags. In diesem Zusammenhang nahm der Papst erneut ein Wort des Konzils auf, das die Aufgabe der Gläubigen im Blick auf die Welt beschreibt: Diese müssten also „die innerste Natur der ganzen Schöpfung, ihren Wert und ihre Hinordnung auf das Lob Gottes anerkennen. Sie müssen auch durch das weltliche Wirken sich gegenseitig zu einem heiligeren Leben verhelfen. So soll die Welt vom Geist Christi erfüllt werden und in Gerechtigkeit, Liebe und Frieden ihr Ziel wirksamer erreichen“ (Lumen gentium, 36). Daraus ergab sich die Zuordnung der Sendung der Laien zu ihrem Zeugnis inmitten der Welt. Die Katechese führte zu dem Hinweis, dass diese Perspektive im Zusammenhang mit dem Bild einer „hinausgehenden“ Kirche (Kirche im Aufbruch) stehe, wie es von Papst Franziskus geprägt worden sei, einer Kirche, die in der Geschichte stehe und zur Sendung geöffnet sei. Alle Gläubigen erschienen in diesem Zusammenhang als „Jünger-Missionare“, als Träger des Evangeliums und als Zeugen des Reiches Gottes.
Am Ende richtete der Papst den Blick auf die bevorstehende Feier von Ostern. In Verbindung mit den Gestalten von Maria von Magdala, Petrus und Johannes sprach er die Einladung aus, in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus zu Zeugen zu werden.
Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:
Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, nutzen wir die Fastenzeit, um aufmerksamer auf die Stimme des Herrn zu hören und ihr zu folgen. So wachsen wir im Glauben an Christus, der uns in seinem mystischen Leib, der Kirche, vereint und zum Heil führt.
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