
26. März 2026 in Aktuelles
Der niederländische Weihbischof Roberts Mutsaerts warnt die katholische Kirche in Deutschland vor einem ähnlichen Zusammenbruch wie in den Niederlanden, sollte sie den heterodoxen Synodalen Weg weiterverfolgen.
’s-Hertogenbosch (kath.net/pl) Die katholische Kirche in den Niederlanden ist nach den heterodoxen Reformen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil praktisch kollabiert. Von einst fast vollständiger Kirchgangsrate von 96 Prozent in manchen Regionen besuchen heute nur noch etwa zwei Prozent der Katholiken die Sonntagsmesse. Der niederländische Weihbischof Robert Mutsaerts warnt nun eindringlich: Deutschland steuert mit seinem „Synodalen Weg“ auf denselben Abgrund zu.
In einem exklusiven Interview mit LifeSiteNews zieht Mutsaerts, Weihbischof der Diözese ’s-Hertogenbosch, eine schonungslose Bilanz der niederländischen Kirchengeschichte. Der Bischof, der selbst in Tilburg in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren aufwuchs, erinnert sich noch genau: „In unserer Diözese waren 97 Prozent der Einwohner Katholiken, und von denen gingen 96 Prozent jeden Sonntag zur Messe.“ Die Niederlande galten damals als „das bravste Kind in der Klasse“.
Doch nach dem Konzil schlug das Pendel ins Gegenteil um. „Wir wurden zum rebellischsten Kind, das die ganze Universalkirche reformieren wollte“, sagt Mutsaerts. Die 68er-Ideale – sexuelle Befreiung, Weg mit Regeln, Weg mit Autorität – hielten Einzug auch in die Kirche. Die niederländischen Bischöfe unter Kardinal Jan Alfrink veröffentlichten 1966 den berüchtigten „Niederländischen Katechismus“, der in zentralen Punkten wie Erbsünde, Gottheit Christi, Wesen der Kirche und Erlösung bewusst mehrdeutig formulierte. Obwohl der Vatikan Korrekturen forderte, zirkulierte die Originalversion weiter in vielen Sprachen.
Alfrink und seine Mitbrüder ließen sich ausschließlich von progressiven Theologen beraten – allen voran dem belgischen Priester Edward Schillebeeckx, der als persönlicher Berater Alfrinks galt. 1968 bis 1970 tagte der „Pastorale Rat der niederländischen Kirchenprovinz“ in Noordwijkerhout und versuchte, diese Ideen offiziell zu verankern: Abschaffung des Pflichtzölibats, radikale Liturgiereformen und eine weitgehende Anpassung an den Zeitgeist.
„Es ist genau das, was wir heute in Deutschland beim Synodalen Weg erleben“, betont Mutsaerts. „Dieselben Themen, dieselben Ansichten.“ Die Liturgie wurde „katastrophal“: Überall entstanden willkürliche „Innovationen“, Kommunionbänke wurden entfernt, der Priester wandte sich dem Volk zu statt ad orientem. Die Beichtzahlen brachen von 90 Prozent auf unter zehn Prozent innerhalb von ein bis zwei Jahren ein. „Wir wollten der Gesellschaft so sehr gefallen, dass wir unsere Identität verloren haben“, fasst der Bischof zusammen. „Es gab keinen Unterschied mehr zwischen katholischer und gesellschaftlicher Meinung.“
Der Schaden war irreversibel. Kardinal Alfrink wurde schließlich von Papst Paul VI. nach Rom zitiert und zum Rücktritt gedrängt – doch das Unheil war bereits angerichtet. Erst unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. setzte der Vatikan orthodoxe Bischöfe ein. Heute gilt die niederländische Bischofskonferenz als eine der konservativsten in Europa, angeführt von Kardinal Willem Eijk und eben Bischof Mutsaerts, die beide die traditionelle Lehre zu Ehe und Sexualität entschieden verteidigen.
Mutsaerts sieht dennoch erste Hoffnungszeichen: „Ich hoffe, wir waren die Ersten, die diesen katastrophalen Weg eingeschlagen haben – und vielleicht auch die Ersten, die den Boden erreicht haben, von dem aus es wieder aufwärts gehen kann.“ Tatsächlich beobachtet er eine leise, aber spürbare Wende bei jungen Menschen. „Überall in unseren Kirchen tauchen sie auf – sehr junge Leute, viele noch Schüler, und erstaunlicherweise die große Mehrheit Jungen und junge Männer. Die Zahlen sind klein, aber es passiert etwas. Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht für möglich gehalten.“
Trotz dieser leichten Erholung warnt der Bischof die deutschen Oberhirten eindringlich. Die deutsche Kirche verliert Jahr für Jahr Hunderttausende Mitglieder – allein 2025 waren es über 500.000, bei nur 25 Priesterweihen im ganzen Land. „Warum macht ihr weiter damit? Für uns ist es wirklich schwer zu verstehen, dass ihr diesen liberalen Weg geht. Er führt nie zum Guten.“
Mutsaerts kritisiert auch die Verwirrung und Spaltung, die er besonders unter dem Pontifikat von Papst Franziskus sieht. „Früher hat man solche Aussagen von deutschen Bischöfen nie gehört. Dann kam Franziskus, und plötzlich war alles anders.“ Auf die Frage, ob der Vatikan Bischöfe, die häretische Positionen vertreten, zum Rücktritt auffordern sollte, antwortet er klar: „Entweder man ist katholisch oder nicht. Man gibt ein gutes Beispiel oder nicht. Man ist klar oder nicht. Wenn nicht – bitte zurücktreten.“
Der niederländische Bischof schließt mit einem Appell an die deutsche Kirche: „Wir haben den Preis bezahlt. Lernt aus unserem Schicksal. Sonst wird es euch genauso ergehen wie uns.“
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Archivfoto Bischof Mutsaerts (c) Bistum ‘s-Hertogenbosch
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