Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg

5. Februar 2026 in Deutschland


„Ich meine zu sehen, dass sich in unserer Kirche seit Beginn des Synodalen Weges die Polarisierungen zwischen liberal-progressiven und eher traditionsorientieren, konservativen Positionen verstärkt haben“, innerhalb DBK, Klerus und den Gläubigen


Passau (kath.net/pl) „Ich meine zu sehen, dass sich in unserer Kirche seit Beginn des Synodalen Weges die Polarisierungen zwischen liberal-progressiven und eher traditionsorientieren, konservativen Positionen verstärkt haben. Das gilt für das Verhältnis zwischen der Kirche in unserem Land und dem Vatikan wie auch zu den Bischofskonferenzen anderer Länder. Es gilt für das Verhältnis der Mitglieder innerhalb unserer Bischofskonferenz, es gilt auch für das Verhältnis innerhalb des Klerus wie auch unter den Gläubigen. Sicher waren Spannungen und Differenzen vorher schon lange da, aber nach meiner Einschätzung sind sie durch den Synodalen Weg sehr viel klarer benannt worden, die jeweiligen Lager treten profilierter hervor, die Zuordnung einzelner zu diesen Lagern ist erleichtert – und damit sind auch Diffamierungen leichter möglich, besonders in den Medien. Zudem ist ja von Anfang an deutlich, dass der Synodale Weg ausdrücklich eine liberale Agenda vorantreibt. Und die Mittel der Evaluation und des Monitoring der Beschlüsse, die in den letzten Tagen vorgestellt wurden, verschärfen diese Agenda – denn sie erhöhen damit den öffentlichen Druck auf jene, die den Weg gar nicht oder auch nur partiell mitgehen.“ Das erläutert der Passauer Bischof Stefan Oster SDB, in der ausführlichen Darstellung mit dem Titel „Die Selbstsäkularisierung setzt sich fort“ auf seinem Blog.

Er weist darauf hin: „Meine persönliche Not mit dem Synodalen Weg besteht daher in der Überzeugung, dass die Krise der Kirche zuerst eine Krise des geistlichen Lebens und der Verinnerlichung der Inhalte unseres Glaubens ist, der so viel mehr ist als nur eine ‚Botschaft‘. Es geht vielmehr um Verinnerlichung des Herrn selbst, um seine verwandelnde und erneuernde Realpräsenz in uns und unter uns.“

Oster kritisiert, dass „das Monitoring nun, das im Synodalen Weg vorgestellt wurde“, „eine neue Sexualmoral und mit ihr eine neue Anthropologie im Grunde schon“ voraussetze und „deshalb Schritte von deren ‚Umsetzung‘ überprüfe. Abgefragt werde in der Übersicht des Monitoring, „welche Rückmeldungen es aus den Bistümern gab, etwa zu den Maßnahmen, die den Zölibat von Priestern und seine Öffnung betreffen, die das Bemühen um eine lehramtliche Neubewertung von Homosexualität betreffen, die Frauen in sakramentale Ämter bringen wollen, die Segensfeiern für ‚Paare, die sich lieben‘ betreffen, die den ‚Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt‘ betreffen und andere mehr. In all diesen Punkten wird also vorausgesetzt, dass die Lehre notwendig verändert werden muss – und dass sie sich im Bewusstsein der allergrößten Mehrheit der Synodalen schon verändert hat. Und daher sind nun Schritte der Praxis gefordert, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass die Praxis der Lehre vorausgehen müsse – damit sich die Lehre endlich ändere.“ Der Passauer Bischof erläutert eigens: „Dieses Muster hatten wir freilich im Synodalen Weg schon von Anfang an: Der öffentliche Druck auf die Konservativen muss hoch bleiben, dann werden sie sich schon irgendwann fügen oder auch ihre eigene Borniertheit erkennen und sich endlich der Mehrheit beugen. Und die Römer dann hoffentlich auch.“

Doch wendet er dann ein, dass „auch unter Papst Leo in den entscheidenden Punkten der Lehre vom Menschen und seiner Sexualität und eng verbunden damit etwa von der Sakramentalität von Ehe und Priestertum keine Änderungen zu erwarten“ seien. Auch er selbst erwarte keine Änderungen, außerdem sei er „von der Gültigkeit und dem Wert der bestehenden Lehre überzeugt bin“, er könne deshalb „den allermeisten Punkten im Monitoring und seinen Forderungen nach Umsetzung auch nicht folgen. Auch weil ich als Diakon, Priester und Bischof mehrfach feierlich versprochen habe, die Lehre der Kirche zu bewahren und zu verkünden“.

Bischof Oster warnt explizit: „Sofern aber die meisten Bistümer vor allem auf ihren Arbeitsebenen der Abteilungen und Referate die im Monitoring eingemahnten Umsetzungen stetig verfolgen – entwickelt sich notwendig eine Vertiefung des Grabens in der Kirche. Er entwickelt sich vor allem zu den Menschen hin, die einfach nur katholisch sein und in dem durch Schrift, Tradition und Lehramt überlieferten Glauben und seinem Verständnis vom Menschen, von der Kirche und von der Erlösung durch Christus leben wollen. Die Kluft zu ihnen wird größer, die vermeintliche Mitte rückt immer mehr nach links – und die einfachen Gläubigen, die treu aus den Sakramenten leben wollen, werden mehr und mehr zu scheinbaren Extremisten am rechten Rand.“

Dies sei aber eine Entwicklung, die Oster „für fatal“ hält, obendrein, „da sich nicht nur die Entfernung zu den einfachen Gläubigen vollzieht, sondern eben auch zu vielen, vielen Teilkirchen in anderen Ländern, die oft mit Sorge nach Deutschland schauen“.

Oster bringt auch zum Ausdruck, dass sich auch in einer geplanten „Synodalkonferenz auf Bundesebene als Nachfolgegremium“ „die vielen Gläubigen, die sich der lehramtlichen Tradition verpflichtet fühlen, erneut nicht repräsentiert fühlen und innerlich noch mehr abgehängt werden“.

Der Passauer Bischof weist auf „Zeichen der Erneuerung jenseits des Synodalen Weges“ hin, „die vielen Taufen junger Erwachsener in Frankreich, in Belgien, in der westlichen Schweiz; die signifikante Neu- oder Wiederentdeckung des katholischen Glaubens mehrheitlich durch junge Männer in England und in den USA; die Suche junger Menschen nach Glaubensidentität auch bei uns“. Dann bringt er ernüchtert auf den Punkt, dass es „dieses wachsende Interesse auch bei uns“ gebe. „Aber anderes als in anderen Ländern fragt sich das katholische Establishment hierzulande: Wollen wir diese überhaupt haben? Es sind nämlich überwiegend keine Interessenten, die sich von den Themen des synodalen Weges bewegen lassen, sondern offenbar weit häufiger Menschen, die nach Tiefe suchen, nach authentischer, existenzieller Spiritualität, nach der Schönheit der Liturgie, nach intellektueller Auseinandersetzung mit der großen Tradition. Also – um es mit dem inkriminierten Wort zu sagen – eher Konservative.“

Link zu Bischof Osters Text in voller Länge: Die Selbstsäkularisierung setzt sich fort

Archivfoto Bischof Oster (c) Bayer/pbp


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