
2. Februar 2026 in Aktuelles
Leo XIV.: Fest der Darstellung des Herrn und XXX. Welttag des geweihten Lebens. Erwartung, Prophetie und Verheißung. Evangelische Räte und prophetische Überlieferung in der Geschichte der Kirche. Von Armin Schwibach
Rom (kath.net/as) Am Fest der Darstellung des Herrn feierte Papst Leo XIV. in der Petersbasilika die Heilige Messe und führte in der Predigt in die Szene des Evangeliums ein, in der Jesus im Tempel von Simeon und Hanna als Messias erkannt und verkündet wurde.
Das Evangelium habe eine Begegnung zweier Bewegungen der Liebe eröffnet: „der Liebe Gottes, der kommt, den Menschen zu retten; und der Liebe des Menschen, der wach und gläubig sein Kommen erwartet“. In der Darstellung Jesu als Sohn einer armen Familie vor der Kulisse Jerusalems sei sichtbar geworden, wie Gott sich schenke „unter voller Achtung unserer Freiheit und in voller Solidarität mit unserer Armut“. In seinem Handeln gebe es keinen Zwang, sondern „die entwaffnende Kraft seiner wehrlosen Selbstlosigkeit“. Simeon und Hanna erschienen als Ausdruck der Erwartung Israels auf dem Höhepunkt einer langen Heilsgeschichte, die vom Garten Eden bis zu den Höfen des Tempels reiche, geprägt von Licht und Schatten, von Niederlagen und Neuanfängen, getragen von dem Wunsch, die volle Gemeinschaft des Geschöpfes mit seinem Schöpfer wiederherzustellen. Wenige Schritte vom Allerheiligsten entfernt habe sich der Quell des Lichtes angeboten, während der Unendliche sich dem Endlichen so demütig schenkte, dass es fast unbemerkt blieb.
Vor diesem Hintergrund deutete Papst Leo XIV. den XXX. Tag des geweihten Lebens und erkannte in der Szene des Evangeliums ein Symbol für die Sendung der Ordensmänner und Ordensfrauen in der Kirche und in der Welt. Dabei wurde an die Worte von Papst Franziskus erinnert: „Ich erwarte, dass ihr „die Welt aufweckt, denn das Merkmal, das das geweihte Leben kennzeichnet, ist die Prophetie“.
Die Kirche richte an die Gottgeweihten den Ruf, Propheten zu sein, Boten und Botinnen, die die Gegenwart des Herrn verkündeten und ihm den Weg bereiteten. In der Sprache des Propheten Maleachi sei die Einladung vernommen worden, sich in großzügiger „Entäußerung“ zu Schalen für das Feuer des Schmelzers und zu Gefäßen für die Lauge des Walkers zu machen, „damit Christus, der einzige und ewige Bote des Bundes, der auch heute unter den Menschen zugegen ist, die Herzen mit seiner Liebe, seiner Gnade und seiner Barmherzigkeit schmelzen und reinigen kann“. Diese Sendung vollziehe sich vor allem im Opfer des Lebens, verwurzelt im Gebet und bereit, sich in der Liebe zu verzehren.
Die Gestalt der Gründer und Gründerinnen erschien als konkrete Form dieser Berufung. Sie hätten, empfänglich für das Wirken des Heiligen Geistes, ein Beispiel hinterlassen, wie dieser Auftrag gelebt werden könne. In der Spannung zwischen Erde und Himmel seien sie von der Eucharistie her aufgebrochen: in die Stille der Klöster, in die Herausforderungen des Apostolats, in den Schulunterricht, in das Elend der Straße oder in die Mühen der Mission. Von dort seien sie zum Fuß des Kreuzes und zum Tabernakel zurückgekehrt, um alles vor Gott zu bringen und in ihm Ursprung und Ziel ihres Handelns neu zu entdecken. Mit der Kraft der Gnade hätten sie sich in riskante Unternehmungen gewagt, um in feindseligen oder gleichgültigen Umfeldern betend präsent zu sein und in Situationen des Verfalls und der Verlassenheit eine gütige Hand und eine freundliche Schulter zu bieten, um inmitten von Krieg und Hass ein Zeugnis des Friedens und der Versöhnung zu geben, bereit, die Folgen eines unkonventionellen Handelns zu tragen, das sie in Christus zu einem „Zeichen des Widerspruchs“ werden ließ und manchmal bis zum Martyrium führte.
In Erinnerung gerufen wurde die Einsicht Benedikts XVI., dass die Auslegung der Heiligen Schrift unvollständig bliebe, wenn sie nicht jene anhöre, „die wirklich das Wort Gottes gelebt haben“. Die Brüder und Schwestern erschienen als Protagonisten einer „prophetischen Überlieferung“, „in der das Wort Gottes das Leben des Propheten selbst in den Dienst nimmt“. Diese Überlieferung sei als Auftrag verstanden worden, den Staffelstab zu übernehmen.
Die Berufung der Gottgeweihten wurde als Zeugnis beschrieben, das in einer Gesellschaft, in der Glaube und Leben sich aufgrund eines falschen und verkürzten Menschenbildes voneinander zu entfernen schienen, sichtbar mache, dass Gott in der Geschichte als Heil aller Völker gegenwärtig sei. Bezeugt werde, dass junge und alte Menschen, Arme, Kranke und Gefangene ihren Platz auf seinem Altar und in seinem Herzen hätten und dass jeder von ihnen ein unantastbarer Tempel seiner Gegenwart sei, vor dem man niederknien müsse, um ihm zu begegnen, ihn anzubeten und ihm die Ehre zu erweisen.
Als Zeichen dieser Wirklichkeit erschienen die „Horte des Evangeliums“, die in unterschiedlichen und herausfordernden Kontexten aufrechterhalten würden. „Sie gehen nicht weg, sie fliehen nicht, sie bleiben, ohne alles“, um ein Zeichen zu sein für die unantastbare Heiligkeit des Lebens. Ihre Anwesenheit sei zu einem Widerhall der Worte Jesu geworden: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn […] ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters“.
Der Papst ging dann auf das Gebet Simeons ein, „das wir alle täglich sprechen“: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen“. Das Ordensleben erschien als Schule der Loslösung, in der die Verbindung zwischen Sorge um die irdischen Dinge und Hoffnung auf die ewigen Dinge sichtbar werde. Simeon habe in Jesus das Heil gesehen und sei frei gegenüber Leben und Tod gewesen. Als „gerechter und frommer Mann“ habe er zusammen mit Hanna, die „sich ständig im Tempel aufhielt“, den Blick auf die zukünftigen Güter gerichtet.
Die Verheißung der Vollendung der Kirche wurde mit den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils in Erinnerung gerufen: „Die Kirche […] wird erst in der himmlischen Herrlichkeit vollendet werden, wenn die Zeit der allgemeinen Wiederherstellung kommt. Dann wird mit dem Menschengeschlecht auch die ganze Welt […] vollkommen in Christus erneuert werden“ (Lumen Gentium 48). Diese Verheißung sei den Gottgeweihten anvertraut worden, die fest in der Geschichte stünden und zugleich auf die ewigen Güter ausgerichtet seien. Christus sei gestorben und auferstanden, „um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren“. Die besondere Nachfolge Christi wurde als Teilnahme an seiner „Selbstentäußerung“ beschrieben, aus der heraus der Welt ein Weg gezeigt werden könne, wie Konflikte überwunden und Geschwisterlichkeit gesät werde.
Am Ende der Feier dankte Papst Leo XIV. dem Herrn und den Gottgeweihten für ihr Dasein und ermutigte sie, dort, wohin die Vorsehung führe, ein Ferment des Friedens und ein Zeichen der Hoffnung zu sein. Ihr Wirken wurde der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria und der heiligen Gründer und Gründerinnen anvertraut, während vor dem Altar die Lebenshingabe an Gott erneuert wurde.
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