Politischer Backlash: Wenn die Sehnsucht nach „Gestern“ zur Diagnose wird

3. Februar 2026 in Chronik


Europa könnte aufgrund der Migrationspolitik bald dem krisengeschüttelten Libanon ähneln


Berlin (kath.net/gem/rn)

Eine aktuelle Studie der Allianz-Foundation sorgt für Aufsehen: Knapp 40 Prozent der jungen Deutschen fühlen sich politisch benachteiligt, und fast jeder Dritte sieht die Lösung in einer Rückkehr zu traditionellen Werten. Während Leitmedien darin eine gefährliche Radikalisierung wittern, plädiert ein Kommentar von Anna Schneider in der „Welt“ für mehr Gelassenheit und ein tieferes Verständnis der Ursachen.

Die Zahlen der Studie klingen für progressive Beobachter alarmierend: 28 Prozent der 16- bis 39-Jährigen sehnen sich nach einem Deutschland mit weniger Zuwanderung, klassischen Geschlechterrollen und weniger Fokus auf die dunklen Kapitel der Geschichte. Der „Spiegel“ fragte prompt: „Wie gefährlich ist das?“ Doch der „Welt“-Beitrag mahnt zur Differenzierung.

Nostalgie als vernünftige Reaktion?

Die Kritik an dem vermeintlich „regressiven“ Weltbild der Jugend greife zu kurz. Wenn junge Menschen den Einfluss von Minderheiten (wie Klimaaktivisten oder Transgender-Personen) als zu dominant empfinden, sei dies nicht zwangsläufig ein Zeichen geistiger Schwäche, sondern oft eine Reaktion auf eine als omnipräsent wahrgenommene politmediale Agenda.

Auch der Wunsch nach traditionellen Geschlechterrollen wird im Artikel als legitime Position in einer sich rasant wandelnden Welt verteidigt. Die „Überraschung“ der Progressiven darüber, dass ihr Weltbild an Grenzen stößt, sei vor allem eines: ein Zeichen dafür, dass sie selbst den Kontakt zu Teilen der Realität verloren haben könnten.

Nostalgie ist keine Krankheit

Unter Rückgriff auf die britische Historikerin Agnes Arnold-Forster zeigt der Artikel auf, dass Nostalgie in linken Diskursen oft wie eine „medizinische Diagnose“ verwendet wird. Wer sich nach dem Gestern sehnt, wird als „irratonal“, „überfordert“ oder „abgehängt“ abgestempelt.

Die Funktion der Abwertung: Diese Etikettierung erspare es den Kritikern, sich mit dem potenziellen Schaden auseinanderzusetzen, den der liberale Internationalismus oder die „Gender-Revolution“ angerichtet haben könnten.

Selbstbestimmung: Anstatt von „Anpassungsstörungen“ zu sprechen, solle man akzeptieren, dass erwachsene Menschen schlicht entscheiden können, welche Welt ihnen mehr zusagt – die von heute oder die von gestern.

Düstere Prognosen fördern die Sehnsucht

Abschließend verweist der Beitrag auf den Publizisten Douglas Murray, der davor warnt, dass Europa aufgrund ignorierter Warnungen in der Migrationspolitik bald dem krisengeschüttelten Libanon ähneln könnte. Vor diesem Hintergrund erscheine der Traum von „Gestern“ nicht als gefährliche Verirrung, sondern als verständlicher Wunsch nach Stabilität.

Nostalgie, so das Fazit, sei in erster Linie das Recht des Herzens, sich an Dinge zu erinnern, die es wert sind, bewahrt zu werden. Dass nun ausgerechnet die junge Generation diesen Rückzug antritt, sollte weniger als Bedrohung und mehr als Zeugnis einer tiefen Unzufriedenheit mit dem aktuellen politischen Kurs verstanden werden.


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