Caritas: Kiew kämpft gegen den Kältetod

31. Jänner 2026 in Aktuelles


Hunderttausende in und um die ukrainische Hauptstadt ohne Heizung und Strom - Notfallhilfe-Experte verurteilt "bewusste Verletzung des Völkerrechts" und gezielten Druck auf Zivilbevölkerung durch Russland.


Kiew (kath.net/ KAP) 
Die Ukraine erlebt nach Angaben der Caritas die schwerste Energiekrise seit Beginn des russischen Großangriffs. In der Hauptstadt Kiew und der umliegenden Region sind infolge gezielter Raketen- und Drohnenangriffe auf die kritische Infrastruktur hunderttausende Menschen ohne Strom und Heizung. "Über 1.100 mehrstöckige Wohngebäude sind derzeit ohne Heizung", sagte der Notfallhilfe-Experte der Caritas Ukraine, Oleksandr Magdalits, gegenüber Vatican News. Mindestens eine halbe Million Menschen sollen allein in der Region Kiew betroffen sein; eine vollständige Wiederherstellung der Versorgung sei "in den nächsten Monaten nicht absehbar".
Besonders dramatisch ist die Lage in Hochhäusern. Durch den Stromausfall seien neben Licht, Heizung und Lift dort oft auch Wasser- und Abwassersysteme ausgefallen. "In einigen Gebäuden sind die Leitungen so festgefroren, dass eine Enteisung vor dem Sommer nicht möglich sein wird", so Magdalits - denn Eis baut sich in betonummantelten unbeheizten Leitungsschächten nur sehr langsam ab. In vielen Wohnungen betrage die Temperatur derzeit nur noch sechs bis sieben Grad. Besonders gefährdet seien Menschen mit Behinderungen, alleinstehende ältere Personen sowie Familien mit kleinen Kindern.

Die Caritas Ukraine arbeitet laut Magdalits gemeinsam mit staatlichen Stellen und der ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche an Nothilfeprogrammen, im römisch-katholischen Bereich ist es die Caritas-Spes. In Kiew sowie in Fastiw, Irpin und Wyshhorod wurden Wärmestuben und Essensausgaben eingerichtet. "Ein einziger Teller mit warmer Suppe kann den physischen Zustand eines Menschen entscheidend stützen", erklärte der Caritas-Mitarbeiter. Die Hilfe werde jedoch durch die Energiekrise zusätzlich erschwert, da auch der Bahnverkehr beeinträchtigt sei; zudem seien viele Bedürftige über Notrufleitungen kaum erreichbar, da das Netz überlastet ist.
Auch Krankenhäuser arbeiten an der Belastungsgrenze. Zwar gebe es Notstromaggregate, doch die Wärmeversorgung sei unzureichend. "Es gibt kaum noch Orte, an die man Patienten evakuieren könnte, da die Einrichtungen im Hinterland bereits durch Flüchtlinge aus den Frontgebieten überfüllt sind", so Magdalits. Neben Kriegsverletzungen nähmen Fälle von Unterkühlung, Stürzen auf Eis sowie die Verschlechterung chronischer Erkrankungen stark zu. Für Oleksandr Magdalits eine "bewusste Verletzung des Völkerrechts" und einen gezielten Druck auf die Zivilbevölkerung.
Die Caritas rief die internationale Gemeinschaft zu verstärkter Hilfe auf. Benötigt würden insbesondere Generatoren, Powerbanks, Thermodecken, Schlafsäcke, mobile Feldküchen und Zelte.

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