
1. Februar 2026 in Weltkirche
Die Bibelübersetzung des seliggesprochenen P. Gabriele Allegra wurde 1968 fertiggestellt und ist bis heute in Verwendung.
Wien (kath.net / pk) Jedes Jahr am 26. Jänner feiert die Kirche den franziskanischen Missionar Gabriele Allegra, der 40 Jahre lang an einer Bibelübersetzung ins Chinesische gearbeitet hat. Obwohl die Wurzeln des Christentums in China bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen, gab es bis 1968 keine vollständige Bibelübersetzung. Diese verdanken die Chinesen dem seligen Gabriele Allegra, der am 26. Dezember 1907 in einem sizilianischen Dorf geboren wurde und mit 16 Jahren als Novize in den Franziskanerorden eintrat.
Der Orden schickte ihn bald nach Rom, um am Franziskanischen Internationalen Kolleg zu studieren, heißt es in einem Bericht von „Aleteia“. Im Jahr 1928, im Alter von 20 Jahren, erhielt er die Inspiration für sein Lebenswerk, als er an einer Konferenz über Giovanni da Montecorvino teilnahm, einen Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert, der nach China ging und eine chinesische Übersetzung der Bibel begonnen, aber nicht vollendet hatte.
Allegra war von der Idee fasziniert, als Missionar in China zu arbeiten und den dortigen Ureinwohnern das Christentum näherzubringen, indem er eine vollständige chinesische Übersetzung der Bibel plante. Allerdings beherrschte er kein Wort Chinesisch. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1930 reiste Pater Allegra nach China, in die südliche Provinz Hunan.
Bis 1937 hatte er nicht nur die Sprache erlernt, sondern mit Hilfe eines Chinesischlehrers einen ersten Übersetzungsentwurf der Bibel erarbeitet. Allerdings hatte ihn diese Arbeit so erschöpft, dass sein Orden ihn zur Erholung nach Sizilien zurückschickte. 1940 setzte er sein Lebenswerk in China fort. Da mittlerweile der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, gestaltete sich die Rückreise kompliziert: Allegra verließ Italien in Richtung USA und reiste von San Francisco aus über Japan nach China.
Aufgrund der Kämpfe zwischen China und Japan konnte er nicht zurück in die Provinz Hunan, und so ging er stattdessen nach Peking ging. Während dieser Reise wurde seine Geduld auf eine harte Probe gestellt, als er mehr als die Hälfte seines ersten Übersetzungsentwurfs verlor. 1945 gründete er die Pekinger Zweigstelle des Studium Biblicum Franciscanum, einer Organisation, der auch chinesische Franziskaner angehörten, die ihm bei der Übersetzung halfen.
Als China unter kommunistische Herrschaft kam, mussten sie schließlich nach Hongkong – damals britisches Territorium – umziehen. Im Jahr 1948 veröffentlichte das Studium Biblicum Franciscanum die ersten drei Bände der Übersetzungen des Alten Testaments. In den folgenden zwölf Jahren veröffentlichte diese Organisation unter der Leitung von Pater Allegra weitere acht Bände der Übersetzung zusammen mit Erläuterungen.
Wenn er nicht mit seinen Übersetzungsarbeiten beschäftigt war, kümmerte sich Pater Allegra um die Bewohner einer Leprakolonie in Macao an der Ostküste Chinas. In seinen späteren Jahren litt Pater Allegra an Herz-Kreislauf-Problemen. Man riet ihm, zur Erholung nach Sizilien zurückzukehren. Er entschied sich jedoch dagegen und schrieb: „Die Arbeit an der Bibel ist hart und intensiv, aber ich muss arbeiten, denn wenn ich aufhöre, werde ich nie wieder aufstehen.“
Offensichtlich nahm Pater Allegra die Risiken in Kauf, denn er sagte einmal: „Das beneidenswerteste Schicksal für einen Franziskaner, der nicht die Gnade des Martyriums erlangt, ist es, während seiner Arbeit zu sterben.“ Am Weihnachtstag 1968 wurde seine vollständige Übersetzung veröffentlicht. Er war damals 61 Jahre alt, und seit der Fertigstellung seines ersten Entwurfs als junger Priester waren etwa drei Jahrzehnte vergangen.
Neben der Bibelübersetzung hinterließ Pater Allegra viele Briefe, die Einblick in das Gefühlsleben eines Mannes geben, der sich ganz seiner Arbeit im Fernen Osten verschrieben hatte, aber gleichzeitig Heimweh nach den Klängen und Bildern seiner Heimat verspürte. Pater Allegra starb am 26. Januar 1976 im Alter von 68 Jahren in Hongkong. Sein Seligsprechungsprozess wurde 1984 eröffnet. Zehn Jahre später, 1994, wurde er für „verehrungswürdig“ erklärt und 2012 in seiner Heimat Sizilien seliggesprochen.
Ursprünglich sollte er bereits 2002 seliggesprochen werden, doch aufgrund einer Phase erhöhter politischer Sensibilität seitens der chinesischen Regierung wurde seine Seligsprechung verschoben. Fast sechs Jahrzehnte nach ihrer ersten vollständigen Veröffentlichung gilt die Übersetzung von Pater Allegra weithin als der Goldstandard der chinesischen Bibeln, insbesondere unter Katholiken.
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