Die Offenbarung Gottes hat einen Namen: Jesus Christus, Mittler und Fülle

21. Jänner 2026 in Aktuelles


Leo XIV.: Dei Verbum und die Erkenntnis Gottes im Sohn. Jesus Christus - kein Übermittler intellektueller Wahrheiten, sondern der Wahrheit Gottes in ihrer Fülle. Die innere Wahrheit Gottes leuchtet allein in Christus auf. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,6-9).

Bei der dritten Generalaudienz des Jahres 2026 führte Papst Leo XIV. die Katechesen zur dogmatischen Konstitution Dei Verbum des Zweiten Vatikanischen Konzils über die göttliche Offenbarung fort. Die Offenbarung Gottes beschrieb der Papst als einen Dialog des Bundes, in dem Gott den Menschen als Freunde anspreche. Es handle sich daher um eine relationale Erkenntnis, die nicht nur Ideen vermittle, sondern eine Geschichte teile und zur Gemeinschaft in Gegenseitigkeit rufe.

Leo XIV. führte aus, dass sich die Vollendung dieser Offenbarung in einer geschichtlichen und personalen Begegnung ereigne, in der Gott selbst sich schenke und gegenwärtig werde, während der Mensch sich in seiner tiefsten Wahrheit erkannt wisse: „Das ist es, was in Jesus Christus geschehen ist“. In direktem Rückgriff auf das Konzil wurde bekräftigt: „Die Tiefe der durch diese Offenbarung über Gott und über das Heil des Menschen erschlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist“ (DV 2).

Jesus offenbare den Vater, indem er uns an seiner Beziehung zu ihm teilhaben lasse. Im vom Vater gesandten Sohn könnten die Menschen, wie Dei Verbum festhalte, „im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur“ (DV 2). Die volle Erkenntnis Gottes werde daher erreicht, indem der Mensch durch das Wirken des Heiligen Geistes in die Beziehung des Sohnes zu seinem Vater eintrete.

Zur Veranschaulichung verwies der Papst auf das Evangelium nach Lukas, wo vom Gebet des Jubels Jesu berichtet werde: „In jener Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand erkennt, wer der Sohn ist, nur der Vater, und niemand erkennt, wer der Vater ist, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will“ (Lk 10,21–22). Darin werde deutlich, dass die Erkenntnis Gottes aus der Teilhabe an dieser einzigartigen Beziehung hervorgehe.

„Dank Jesus erkennen wir Gott so, wie wir von ihm erkannt sind“, betonte der Papst unter Bezug auf den Apostel Paulus (vgl. Gal 4,9; 1 Kor 13,12). In Christus habe Gott sich selbst mitgeteilt und zugleich die wahre Identität des Menschen als Sohn offenbart, geschaffen nach dem Bild des Wortes. Dieses ewige Wort sei „das Licht aller Menschen“ (vgl. DV 4) und enthülle ihre Wahrheit im Blick des Vaters. Jesus selbst habe gelehrt: „Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten“ (vgl. Mt 6,4.6.8), und zugleich daran erinnere, dass „der Vater weiß, was wir brauchen“ (vgl. Mt 6,32). Leo XIV. unterstrich, dass Jesus Christus der Ort sei, an dem die Wahrheit Gottes des Vaters erkannt werde, während der Mensch sich als Sohn im Sohn erkannt wisse, berufen zum gleichen Ziel der Fülle des Lebens. In diesem Zusammenhang wurde das Wort des Apostels Paulus angeführt: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, […] damit wir die Sohnschaft erlangen. Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: ‚Abba, Vater!‘“ (Gal 4,4–6).

Sodann betrachtete der Papst Jesus Christus als Offenbarer des Vaters durch seine eigene Menschheit. Gerade weil er das menschgewordene Wort sei, das unter den Menschen gewohnt habe, offenbare er Gott durch seine wirkliche und unversehrte Menschheit. Das Konzil bezeuge: „Er ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt“ (DV 4). Um Gott in Christus zu erkennen, müsse seine ganze Menschheit angenommen werden: „Die Wahrheit Gottes offenbart sich nicht vollständig dort, wo dem Menschlichen etwas entzogen wird“.

Nicht allein Tod und Auferstehung Jesu retteten und versammelten die Menschen, sondern seine ganze Person: „der Herr, der Mensch wird, der geboren wird, heilt, lehrt, leidet, stirbt, aufersteht und unter uns bleibt“. Deshalb reiche es nicht aus, Jesus lediglich als Übermittler intellektueller Wahrheiten zu betrachten. Wenn Jesus einen wirklichen Leib habe, vollziehe sich die Mitteilung der Wahrheit Gottes in diesem Leib, in seiner Weise, die Wirklichkeit wahrzunehmen und die Welt zu bewohnen und zu durchschreiten. Jesus selbst habe eingeladen, seinen Blick auf die Wirklichkeit zu teilen: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6,26).

Zum Schluss wandte sich der Papst ausdrücklich an alle Gläubigen: „Wenn wir den Weg Jesu bis zum Ende gehen, gelangen wir zu der Gewissheit, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann“. Mit den Worten des Apostels Paulus bekräftigte Leo XIV. diese Gewissheit: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm 8,31–32). So erkenne der Christ durch Jesus Christus Gott als Vater und überlasse sich ihm im Vertrauen.

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Am Ende lässt sich diese Katechese als Anfrage an den eigenen Glauben hören. Wenn Gott sich nicht anders in Fülle offenbart hat als in der Person Jesu Christi, dann entscheidet sich alles daran, ob man bereit ist, diese konkrete Gestalt anzunehmen. Denn es gibt keinen anderen Zugang zu ihm als diesen einen: den Sohn, der Mensch geworden ist und in seiner konkreten geschichtlichen Gestalt bleibt: Dominus Iesus. Gott wird nicht jenseits Christi erkannt und auch nicht neben ihm, sondern allein in der Beziehung, die der Sohn zum Vater lebt und in die er den Menschen hineinruft. Wer Christus annimmt, tritt in die Wahrheit Gottes ein. Wer ihm ausweicht, verliert den Ort der Offenbarung. Erkenntnis und Heil fallen hier zusammen, weil sich Gott selbst nicht anders mitteilt als in dieser einen Person, in der das Wort Fleisch geworden ist und in der die Fülle des göttlichen Heils dauerhaft gegenwärtig bleibt. Wie Papst Benedikt XVI. lehrte: „Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt“ (Enz. Deus caritas est, 1, 25. Dezember 2005).

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, Jesus Christus hat vor seiner Passion für die Einheit seiner Jünger gebetet. Beten wir in dieser „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ mit ihm darum, dass alle seine Jünger zur Einheit finden, damit die Welt an ihn und seine Offenbarung glaubt.

Foto (c) Vatican Media

 


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