Auch müde Gebete zählen

23. Jänner 2026 in Spirituelles


Das Gebet ist nicht für jene Momente reserviert, in denen du dich heilig, ruhig oder inspiriert fühlst - Von Petra Knapp


Wien (kath.net / pk) Fällt dir das Beten gerade schwer? Es gibt ein paar einfache Methoden, die dir helfen können, Gott nahe zu sein – selbst an Tagen, an denen du müde oder frustriert bist, schreibt Cerith Gardiner in einem Artikel auf „Aleteia“. „Seien wir ehrlich: Nicht jede Lebensphase spürt sich besonders spirituell und von Gebet erfüllt an.“

„Du hast vielleicht einen tiefen Glauben und fühlst dich dennoch abgelenkt, ausgelaugt, gehetzt oder einfach nur erschöpft. Zu Beginn des Jahres 2026 tragen viele Menschen eine stille Müdigkeit mit sich herum – aufgrund des Tempos des Lebens, aufgrund von Sorgen um die Welt, aufgrund persönlicher Kämpfe, die niemand sonst sieht.“

„Wenn dir das Beten also derzeit schwerfällt, bist du kein Versager. Du bist ein Mensch. Und die gute Nachricht lautet: Das Gebet ist nicht für jene Momente reserviert, in denen du dich heilig, ruhig oder inspiriert fühlst. Tatsächlich beginnen einige der ehrlichsten Gebete genau dann, wenn du dich überhaupt nicht spirituell fühlst.“

Der Autor schlägt ein paar einfache Methoden vor, mit denen Gebet möglich ist, auch wenn sich dein Herz müde oder leer anfühlt.

Erstens: Bleib an dem Ort, wo du bist, nicht dort, wo du denkst, dass du hingehörst. Konkret: Für das Gebet brauchst du weder die „richtige“ Stimmung noch eine perfekte Wortwahl. „Du musst dich nicht ,zusammenreißen‘, bevor du dich Gott zuwendest. Wenn alles, was du zustande bringst, die Sätze ,Ich bin erschöpft‘ oder ‚Ich weiß nicht, was ich tue‘ ist, dann ist das bereits ein Gebet.“ Gott begegnet dir in deiner Realität, nicht in deiner Leistung.

Zweitens: Halte es kurz. Wenn das Leben hektisch oder überwältigend ist, können lange Gebete unmöglich erscheinen. Ein einfacher Satz, der den ganzen Tag über wiederholt wird, kann ausreichen: „Herr, sei bei mir.“ – „Jesus, ich vertraue dir.“ – „Hilf mir.“ Diese kurzen Gebete fügen sich in die Lücken des Alltags ein – beim Autofahren, beim Warten in der Schlange. Sie halten dein Herz sanft auf Gott ausgerichtet.

Drittens: Stille zählt als Gebet. „Du brauchst nicht immer Worte“, schreibt der Autor. „Manchmal bedeutet Beten einfach nur, in Gottes Gegenwart zu sitzen, auch wenn deine Gedanken abschweifen. Stille ist nicht leer, sondern ein Akt des Vertrauens.“ Stille ermöglicht es Gott, unter der Oberfläche zu wirken.

Viertens: Leihe dir die Worte anderer. Lies die Heilige Schrift, die Psalmen, das Vaterunser oder vertraute Gebete. Sie können uns tragen. Wir müssen das Gebet nicht erfinden.

Fünftens: Bete mit deinem Körper. Gebete finden nicht nur im Kopf statt. Zünde eine Kerze an. Mach langsam das Kreuzzeichen. Gehe in Stille spazieren. Setzen dich kurz in eine Kirche. Gesten können das Gebet erden, wenn die Gedanken verstreut sind.

Sechstens: Sei geduldig, wenn du nichts spürst. Gott ist nicht weit weg, nur weil es sich für dich so anspürt. Oft vertieft sich der Glaube in Zeiten der Trockenheit. Ein Glaube, der auch dann noch besteht, wenn die Gefühle verblassen, ist ein wirklich starker Glaube.

„Wenn das Jahr 2026 beginnt, denken Sie daran“, schließt der Autor. „Beim Gebet geht es nicht darum, sich jeden Moment Gott nahe zu fühlen. Es geht darum, sich immer wieder für ihn zu entscheiden – genau so, wie du bist.  Auch müde Gebete zählen. Wahrscheinlich zählen gerade müde Gebete besonders. Und manchmal sind es genau diese Gebete, die Gott am meisten gebraucht.“


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