'Only love works'

6. Jänner 2026 in Deutschland


Warum der Begriff Work-Life-Balance problematisch ist, unsere Identität eng mit Tun verknüpft ist und letztlich alles in der Liebe gründet: Johannes Hartl am Montagabend bei der MEHR 2026. Von Petra Knapp aus Augsburg


Augsburg (kath.net) Über das Thema Leistung sprach Johannes Hartl in seinem Vortrag bei der MEHR 2026 am Montagabend. Es gibt verschiedene Umgänge mit Leistung, sagte der Theologe und Philosoph. Weit verbreitet ist das leistungsorientierte Muster, welches eine Leistung beschreibt, wo Herz und Gefühle nicht involviert sind. Der leistungsorientierte Mensch sei jedoch gefährdet für Süchte und Burnout. 

Eine weitere Form, mit Leistung umzugehen, sei eine Reaktion auf die Leistungsorientiertheit, die darin bestehe zu rebellieren und zu sagen „Ich habe keinen Bock mehr drauf“. Dies habe Auswirkungen auf die Erziehung, etwa wenn Kindern mitgegeben werde, etwas „ganz Besonderes“ zu sein, unabhängig von Leistung. Dies erzeuge gekränkte Narzissten und eine „anerzogene Hilfslosigkeit“, eine Unfähigkeit, mit Kritik umzugehen oder mit Belastungen umzugehen.

Wenn man über Leistung spricht ist es so, „als würden sich zwei Generationen gegenseitig anklagen“, ist Hartls Erfahrung. Er rät dazu, aus der Anklage auszusteigen und das Thema auf der Ebene der Identität anzuschauen. Arbeit gibt es schon vor dem Sündenfall, der Mensch sei ein Gestalter. „Es entspricht der Würde des Menschen, etwas zu tun.“

Hartl kritisiert in diesem Zusammenhang den Begriff „Work-Life-Balance”. Dieser suggeriere, dass Arbeit kein Leben ist. „Das ist Unsinn: Wir Menschen sind erschaffen dafür, es entspricht der Würde des Menschen zu arbeiten.“ Stattdessen schlägt er folgenden Begriff vor: „Love works“, denn: „Es ist die Eigenschaft der Liebe, Werke hervorzubringen.“ Wenn nun unser Tun aus der Liebe kommt, dann wird etwas in uns heil, ist er überzeugt.

Letztlich gebe es nicht eine Entweder-Oder-Lösung, die aus „einfach mehr leisten“ oder „einfach mehr me-time“ bestehe, sondern eine Lösung, die in unserer Identität gründet. „Wo in deinem Leben gibt es einen Ort von bedingungsloser Annahme?“, fragte Hartl. „Gott sucht nach deinem Sein und nicht nach deinem Tun!“ Er wolle die Fundamente unseres inneren Menschen auf einen neuen Grund stellen.

 


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