Der Name des Heiligen Geistes. Der Wind weht, wo er will. Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit

5. Juni 2024 in Aktuelles


Franziskus: Bitten wir Jesus, dass er uns durch seinen Heiligen Geist zu wirklich freien Männern und Frauen macht. Frei, um zu dienen, in Liebe und Freude. Die Freiheit der Kinder, nicht die der Sklaven. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Jesus antwortete dem Nikodemus: Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,6-8).

Zweiundzwanzigste Generalaudienz des Jahres 2024. Papst Franziskus setzte vor rund 15.000 Pilgern und Besuchern seinen neuen Katechesenzyklus mit dem Titel „Der Geist und die Braut. Der Heilige Geist führt das Volk Gottes zu Jesus, unserer Hoffnung“ fort. In der zweiten Katechese beschäftigte sich der Papst mit dem Thema „Der Wind weht, wo er will. Wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit“ - „Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei“.

In der Bibel komme der Name der damit bezeichneten Person nicht nur äußerlich zu, der Name stehe für die Person selbst und offenbare etwas von ihrem Wesen, von ihrem Ursprung und ihrer Sendung. Wenn der Heilige Geist im Alten Testament „Ruach“ genannt werde, also Atem, Hauch oder Wind, offenbare das zunächst seine Kraft und Macht.

Jesus stelle ein weiteres Wesensmerkmal des Heiligen Geistes heraus, nämlich seine Freiheit: Er wehe, wo er will (Joh 3,8) und teile seine Gaben aus, wie er will (1 Kor 12,11). Der Geist lasse sich nicht in Gesetze gießen, nicht an Institutionen binden und nicht in Definitionen fassen: „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17). Diese Freiheit folge nicht egoistisch dem eigenen Wollen – sie wolle vielmehr aus freien Stücken das, was Gott wolle – nämlich, dass wir einander in Liebe dienen (Gal 5,13).

***

Das erste, was wir von einem Menschen kennten, sei sein Name: „Mit ihm rufen wir ihn an, wir unterscheiden ihn und erinnern uns an ihn“. Auch die dritte Person der Dreifaltigkeit habe einen Namen: Sie werde „Heiliger Geist“ genannt. Doch „Geist“ sei die latinisierte Version. Der Name des Geistes, unter dem ihn die ersten Empfänger der Offenbarung gekannt hätten, unter dem ihn die Propheten, die Psalmisten, Maria, Jesus und die Apostel angerufen hätten, „ist ‚Ruach‘, was Atem, Wind, Hauch bedeutet“.

In der Bibel sei der Name so wichtig, dass er fast mit der Person selbst identifiziert werde. Den Namen Gottes zu heiligen, bedeutete, Gott selbst zu heiligen und zu ehren. Der Name sei niemals nur eine konventionelle Bezeichnung. Er sage immer etwas über die Person, ihre Herkunft oder ihre Aufgabe aus. Dies sei auch bei dem Namen „Ruach“ der Fall: „Er enthält die erste grundlegende Offenbarung über die Person und die Funktion des Heiligen Geistes“.

Durch die Beobachtung des Windes und seiner Erscheinungsformen würden die biblischen Autoren von Gott dazu geführt, einen „Wind“ anderer Art zu entdecken. Es sei kein Zufall, dass der Heilige Geist zu Pfingsten auf die Apostel herabgekommen sei, dies begleitet von dem „Brausen eines mächtigen Windes“. Es war, als wolle der Heilige Geist dem Geschehen seinen Stempel aufdrücken.

„Was sagt uns also sein Name Ruach über den Heiligen Geist?“, fragte der Papst: „Das Bild des Windes dient vor allem dazu, die Kraft des göttlichen Geistes auszudrücken“. „Geist und Kraft“ oder „Kraft des Geistes“ sei eine immer wiederkehrende Verbindung in der Bibel. Denn der Wind sei eine überwältigende und unbezwingbare Kraft. Er sei sogar in der Lage, Ozeane zu bewegen.

Doch auch hier gelte: „Um die volle Bedeutung der biblischen Wirklichkeiten zu entdecken, darf man nicht beim Alten Testament stehen bleiben, sondern muss zu Jesus kommen“. Neben der Kraft werde Jesus eine weitere Eigenschaft des Windes hervorheben, nämlich seine Freiheit. Zu Nikodemus, der ihn nachts besuche, sage er feierlich: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,8).

Der Wind sei das Einzige, was sich absolut nicht zügeln lasse, was sich nicht „in Flaschen“ abfüllen oder Schachteln verpacken lasse. Der Anspruch, den Heiligen Geist in Begriffe, Definitionen, Thesen oder Abhandlungen einzuschließen, wie es der moderne Rationalismus manchmal versucht habe, bedeutet, ihn zu verlieren, ihn zunichte zu machen oder ihn auf den reinen menschlichen Geist zu reduzieren.

Es gebe jedoch eine ähnliche Versuchung im kirchlichen Bereich, nämlich die, den Heiligen Geist in Normen, Institutionen, Definitionen einschließen zu wollen. Der Geist schaffe und belebe Institutionen, aber er selbst könne nicht „institutionalisiert“, verdinglicht werden.

Paulus erkläre dies zum Grundgesetz des christlichen Handelns: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (vgl. 2 Kor 3,17). Es handle sich um eine ganz besondere Freiheit, die sich von dem unterscheidet, was man gemeinhin darunter verstehe. Es sei nicht die Freiheit zu tun, was man will, sondern die Freiheit, frei zu tun, was Gott wolle: „Es ist nicht die Freiheit, zu tun, was man will, sondern die Freiheit, das Gute zu tun, und zwar aus freien Stücken, das heißt aus Anziehung, nicht aus Zwang. Mit anderen Worten: die Freiheit der Kinder, nicht die der Sklaven“.

Paulus sei sich des Missbrauchs und der Missverständnisse, die mit dieser Freiheit einhergehen könnten, sehr wohl bewusst. So schreibe er an die Galater: „Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe“ (Gal 5,13). Das sei eine Freiheit, die sich in ihrem scheinbaren Gegenteil, dem Dienst, ausdrücke, aber es sei dies die wahre Freiheit.

Wir wüssten sehr wohl, wann diese Freiheit zu einem „Vorwand für das Fleisch“ werde. Paulus nenne eine allgegenwärtige Liste: „Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Hexerei, Feindschaft, Zwietracht, Eifersucht, Zwietracht, Spaltungen, Streit, Neid, Trunkenheit, Orgien und dergleichen“. Aber das gelte auch für die Freiheit, die es den Reichen erlaube, die Armen auszubeuten, den Starken, die Schwachen auszubeuten, und jedem, die Umwelt ungestraft auszubeuten.

„Woher nehmen wir diese Freiheit des Geistes, die so sehr im Gegensatz zur Freiheit der Selbstsucht steht?“, so Franziskus. Die Antwort liege in den Worten, die Jesus einst an seine Zuhörer gerichtet habe: „Wenn euch also der Sohn befreit, dann seid ihr wirklich frei“ (Joh 8,36)“. „Bitten wir Jesus, dass er uns durch seinen Heiligen Geist zu wirklich freien Männern und Frauen macht. Frei, um zu dienen, in Liebe und Freude“.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Liebe Brüder und Schwestern, heute begeht die Kirche den Gedenktag des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen. Dankbar für die lange und segensreiche Geschichte des Glaubens in euren Landen bitten wir den Heiligen Geist, er möge den Glauben, die Hoffnung und die Liebe in euch stets lebendig halten.

Die Pilger und Besucher aus Polen grüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Ich grüße die Polen ganz herzlich. In diesen Tagen gedenkt ihr des Jahrestages der ersten apostolischen Reise von Johannes Paul II. in sein Heimatland und seines Gebets an den Heiligen Geist, herabzukommen und das Antlitz der Erde, eures Landes, zu erneuern - und es wurde erneuert. Ihr habt eure Freiheit wiedererlangt. Vergesst aber nicht, dass die Freiheit, die vom Geist kommt, kein „Vorwand für das Fleisch“ ist, wie der heilige Paulus sagt, sondern eine Verpflichtung, in der von Christus geoffenbarten Wahrheit zu wachsen und sie vor der Welt zu verteidigen. Ich segne euch von Herzen.

Foto (c) Vatican Media

 


© 2024 www.kath.net